Steuern
Trendwende im Steuer-Wettbewerb zwischen Berg und Tal

Verkehrte Welt im Freiamt: Während die reichen Mutschellen-Gemeinden den Gürtel enger schnallen müssen, senken die Gemeinden im ärmeren Reusstal die Steuern.

Dino Nodari
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Oberlunkhofen

Oberlunkhofen

Aargauer Zeitung

Der reiche Mutschellen muss Federn lassen. Während die einst armen Talgemeinden im Steuerwettbewerb Boden gut machen und mit immer weniger Neid auf den Speckgürtel blicken, steht in Berikon auf das kommende Jahr hin eine happige Steuerfusserhöhung um 15 Prozent an.

Widen und Rudolfstetten-Friedlisberg können nur noch mit Mühe auf dem heutigen Stand bleiben. Ab 2012 müssen wohl auch diese Gemeinden nachziehen und tiefer in die Taschen der Steuerzahler greifen.

Während die Mutschellen-Gemeinden harzigeren Zeiten entgegen sehen, scheint dies im Reusstal genau umgekehrt. Fischbach-Göslikon will den Steuerfuss auf das kommende Jahr um sieben auf 103 Prozentpunkte senken.

Die Nachbargemeinde Niederwil hat bereits im vergangenen Jahr mit minus vier Prozentpunkte vorgelegt und kann den Steuerfuss von 99 Prozent auch im kommenden Jahr halten. Für einen Trend sprechen auch die Zahlen in Eggenwil, wo innerhalb von fünf Jahren der Steuerfuss um sechs Prozent gesenkt werden konnte.

In fünf Jahren zum Steuerparadies

Eindrücklich in diesem Zusammenhang ist die Performance von Oberlunkhofen. In nur fünf Jahren wurde der Steuerfuss um 17 Prozent gesenkt. Heute kann die Kellerämter Gemeinde getrost als Steuerparadies bezeichnet werden, sie liegt hinter Oberwil-Lieli auf Platz zwei im Freiamt und auf Platz drei im Kanton. Und auch in Jonen entstehen derzeit ganze Villenviertel.

Um von Trends oder Auswirkungen zu sprechen, sei es noch zu früh, sagt Markus Urech. Der Chef des Aargauer Gemeindeinspektorats betont aber, dass in den vergangenen Jahren in einigen Gemeinden die Steuerfüsse immer wieder gesenkt wurden. «Irgendwann geht es einfach nicht mehr weiter runter.» Dennoch müsse jede Gemeinde individuell betrachtet werden.

Von einer Trendwende zwischen Berg- und Talgemeinden wollen auch die Beteiligten Freiämter nicht sprechen. «Wir sind uns bewusst, dass die Berggemeinden wegen ihrer guten Wohnlagen besser dran sind als wir», sagt Walter Koch.

Der Niederwiler Gemeindeammann geht davon aus, «dass Niederwil nie Millionäre anziehen wird.» Er rechnet damit, dass die Berggemeinden rasch gesunden. «Denen geht es nach wie vor gut. Die jammern auf hohem Niveau.»

Ähnlich sieht dies auch Walter Stierli. Der Gemeindeammann von Fischbach-Göslikon gibt sich zurückhaltend: «Ob der Trend anhält, weiss ich nicht.» Auf jeden Fall verspüre er keine Genugtuung, schliesslich seien die Steuerfüsse auf dem Berg immer noch viel tiefer als im Tal.

Angleichung von Berg- und Tal

Von einem längerfristigen Trend will auch Stephan Bossard nicht sprechen. Der Beriker Ammann glaubt aber, dass sich die Berg- und Talgemeinden angleichen werden.

Bossard betont, dass Berikon auch nach einer Steuerfusserhöhung noch attraktiv sein werde. «Es gibt viele Gemeinden, die froh wären, wenn sie in unserer Situation wären.» Bossard geht aber davon aus, dass es für seine Gemeinde schwierig werden wird, wieder an die Spitze des Aargauer Steuerrankings zu kommen.