Sarmenstorf

«Treibt sie zurück über den Gotthard!»

Gegen Römer kämpfen, Helme basteln, Fundstücke und Grabhügel - all das bot der Geschichtstag in Sarmenstorf. An diesem Tag wurde die Geschichte wieder lebendig.

Beinahe wäre Sarmenstorf am Samstag von den Römern eingenommen worden. Doch da haben sie nicht mit den Kindern und schon gar nicht mit den «Keltenweibern» gerechnet, die ihr Dorf zu verteidigen wussten. «Treibt sie zurück über den Gotthard!», rief ihr Anführer seiner Barbarenhorde zu – und furchtlos führten diese seine Befehle aus.

Tatsächlich war es eines der grössten Highlights für die Besucherinnen und Besucher des ersten Sarmenstorfer Geschichtstags, gegen die römische Legio XI kämpfen zu dürfen. «Mama, hast du gesehen? Ich hätte fast einen umgehauen», rief ein Junge stolz seiner Mutter entgegen, nachdem die Römer geflohen waren. Dabei musste nicht nur die Mama schmunzeln, sondern auch die Organisatoren freuten sich über die Begeisterung der Kinder. «Wir wollen Geschichte erlebbar machen, und gegen Römer zu kämpfen ist ein Erlebnis, das die Kinder so bald nicht mehr vergessen», ist Kantonsarchäologe und Mitorganisator Georg Matter überzeugt.

Die Kinder verteidigen Sarmenstorf gegen die Römer

Die Kinder verteidigen Sarmenstorf gegen die Römer

25 Stätten aus 6000 Jahren

Doch die Römer waren nur eine von vielen Attraktionen am Geschichtstag, der zum Glück nur am Morgen etwas Regen abbekam, sodass das Ziel von 500 bis 700 Besuchern auf jeden Fall erreicht wurde. Auf acht Posten entlang der Niesenbergstrasse zeigten Experten, welch spannende Geschichte Sarmenstorf hinter sich hat. «Das Dorf weist 25 aktenkundige archäologische Fundstellen aus einer Zeitspanne von mehr als 6000 Jahren auf. Nicht viele Gemeinden im Kanton können das von sich behaupten», erklärte Matter. Dabei ist man sich bei der Datierung einiger noch nicht einmal ganz sicher: «Früher glaubte man, die Grabhügel stammten aus der Jungsteinzeit. Experten gehen heute aber davon aus, dass sie vermutlich sogar keltischen Ursprungs sind», erklärte Archäologe Christian Maise. Jungsteinzeitliche Funde wurden lediglich in der aufgeschütteten Erde der Gräber gefunden – sie wären also per Zufall mitverbaut worden.

Feuermachen und Flurnamen übersetzen

Max Zurbuchen faszinierte die Zuschauer, indem er ohne moderne Hilfsmittel Feuer machte, während Lokalhistoriker Benedikt Stalder alte Flurnamen in die heutige Sprache übersetzte und neben Staunen auch viel zu Lachen bot. Und für einmal durften die Interessierten den Badetrakt der Römervilla sogar betreten, statt ihn nur von aussen zu betrachten. Ausserdem führte Förster Urs Meyer durch den Wald und zeigte, wie der traditionsreiche Fleck, der zur Zeit der Kelten vermutlich eine Graslandschaft war, heute genutzt wird.

Was den Kindern sehr gut gefiel, waren auch die Bastelanleitungen des Archäologen Reto Bucher und der Restauratorin Hannie Villoz. Und für die Erwachsenen bot Vindonissa-Winzer Bruno Hartmann den mit traditionellen Mitteln hergestellten «Römer-Wy» zur Degustation an. «Wir sind absolut zufrieden», fasst Matter zusammen.

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