Freiamt

Treffs sind geschlossen – jetzt helfen Jugendarbeiter der Polizei

Der Jugendraum in Wohlen ist leer zurzeit.

Der Jugendraum in Wohlen ist leer zurzeit.

Die Jugendarbeit in vielen Freiämter Gemeinden setzt wegen des Coronavirus auf digitale Beratung und unterstützt die Polizei.

Seit zwei Wochen sind die Schulen wegen der Coronaviruspandemie geschlossen. Das Motto für tausende Schülerinnen und Schüler heisst: „Home Schooling“ und auch in der Freizeit wenn immer möglich daheim bleiben.

Beeinträchtigt ist dadurch auch die offene Jugendarbeit in den Gemeinden. Beliebte Jugendtreffs und Beratungsangebote sind bis Ende April geschlossen, ebenso Freizeit- und Sportanlagen. Dennoch sind die Jugendarbeiter auch in diesen Zeiten bemüht, den Jugendlichen weiter mit Rat zur Seite zu stehen und ihnen die Notwendigkeit der Schutzmassnahmen zu vermitteln.

Einer davon ist Thomas Meier, Jugendarbeiter in der Region Kelleramt, die die Gemeinden Arni, Jonen, Ober- und Unterlunkhofen und Rottenschwil umfasst. „In der vergangenen und in dieser Woche leisteten wir vor allem aufsuchende Jugendarbeit. Das heisst, wir sind im Dorf patrouilliert, sind auf Schulplätze gegangen und sprachen mit den Jugendlichen. Wir erklärten ihnen, weshalb es wichtig ist, dass sich keine Gruppen bilden und weshalb man zu Hause bleiben sollte“, sagt Meier, der zurzeit den Rest der Arbeitszeit ebenfalls im Homeoffice verbringt. Diese Gespräche hätten gefruchtet, es seien nun praktisch keine Jugendlichen mehr draussen anzutreffen.

Challenges und Wettbewerbe in Sozialen Medien

In den Sozialen Medien wie Facebook und Instagram haben Meier und sein Kollege Benedikt Schuhmacher verschiedene Aktivitäten gestartet. Es gilt beispielsweise im Video den Jugendarbeiter beim Fussball-Jonglieren mit einer WC-Papierrolle zu schlagen oder in einem kleinen Wettbewerb den nächsten Sticker der Jugendarbeit Kelleramt zu kreieren.

Auch virtuell kümmern sie sich um die Jugend. „Am Donnerstag tauschten wir uns auf Initiative der Jugendlichen via der App „Houseparty“ aus. Dort kann man via Videokonferenz miteinander sprechen oder spielen“, erklärt Meier. Statt von Angesicht zu Angesicht trifft man sich nun digital. „Auch wir müssen uns neu erfinden und schauen, wie wir die Jugendlichen beschäftigen können“, sagt Meier.

Der Verein für Jugend und Freizeit VJF mit Sitz in Wohlen betreut rund 20 Jugend- und Integrationsprojekte in den Kantonen Aargau, Solothurn und Zürich wozu auch die Jugendarbeit Kelleramt gehört. VJF-Co-Geschäftsführer Lukas Vogt ist sehr zufrieden, wie die rund 50 Mitarbeiter die spezielle Situation gemeistert haben.

„Am Anfang war es kurzfristig eine grosse Herausforderung. Mittlerweile sind wir aber gut unterwegs. Wir sind mit unserer IT sehr gut ausgerüstet und können vieles zurzeit via Telefonkonferenzen erledigen“, sagt Vogt. Vor allem letzte Woche hätten die Polizei und einige Gemeinden um Unterstützung gebeten.

„Unsere Mitarbeitenden sensibilisierten draussen die Jugendlichen zum Beispiel wegen den Gruppenbildungen. Sie waren dabei kreativ mit einem Massband unterwegs, um den Mindestabstand von zwei Metern zu verdeutlichen. Jetzt spüren wir eine deutliche Abnahme von Jugendlichen im öffentlichen Raum. Die Regionalpolizei Muri hat sich diesbezüglich auch bei uns bedankt“, schildert Vogt die Erfahrungen.

VJF unterstützt Gemeinde bei Corona-Hotline

Via Telefon, Email oder sozialen Medien stehen die Jugendarbeiter bei Problemen und Fragen nach wie vor zur Verfügung. „Wir sind genau gleich präsent, halt einfach digital. So pflegen wir die Beziehung zu den Jugendlichen. Gerade die psychische Gesundheit ist in diesen Tagen besonders wichtig, wenn man so lange daheim bleiben muss. Meine Mitarbeiter sind mit Elan und Initiative am Werk“, sagt Vogt.

Ausserdem unterstützt der VJF zurzeit auch andere Projekte im Rahmen der Coronapandemie. 300 Stellenprozent sind aktuell für die Telefon-Hotline der Gemeinde Wohlen eingesetzt, auch in Villmergen und Muri hilft der VJF bei der Unterstützung der Bevölkerung mit Botengängen. „Falls weitere Gemeinden Hilfe benötigen, können sie mit uns in Kontakt treten.  Die Jugendlichen sind sehr initiativfreudig und helfen gerne“, sagt Vogt.

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