Dottikon
Transportunternehmer Hanspeter Setz: «Ich hatte schon immer Treibstoff im Blut»

Hanspeter Setz hat ein bewegtes Leben hinter sich, in welchem das Thema Mobilität eine grosse Rolle gespielt hat. Sein Museum zeigt denn auch nicht einfach Lastwagen und Autos. Es ist die Verkörperung von Geist und Seele des Transportunternehmers und Technikfreaks.

Toni Widmer (Text und Fotos)
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Hanspeter Setz vor einem Scania und einem modernen Hybrid-Mercedes Actros.

Hanspeter Setz vor einem Scania und einem modernen Hybrid-Mercedes Actros.

Toni Widmer

Sein grösster Traum wäre eine Schweiz, die sich anders entwickelt. Weniger Staat und weniger Gesetze, mehr Freiheit für innovative Unternehmer. Dafür hat der Dintiker Transportunternehmer Hanspeter Setz, 73, jahrzehntelang gekämpft, schliesslich aber die Hoffnung aufgegeben. «Die überbordenden Vorschriften und die zunehmenden Abgaben machen einem mittelständischen Familienbetrieb das Leben zunehmend schwerer», nannte er einen der Gründe, weshalb er 1997 sein Lebenswerk der Schweizer Post verkaufte.

Hanspeter Setz hat auch viele Träume verwirklicht. Er war 17 Jahre alt, als 1959 sein Vater starb. Die aufstrebende Oskar Setz AG – eines der grössten Schweizer Handelsunternehmen für Landesprodukte – wurde führungslos. 1961, mit 20 Jahren, stieg der junge Kaufmann in die Firma ein und schlug seiner Mutter vor, den Handel mit Landesprodukten einzustellen und den Transportbereich der Firma auszubauen: «Ich hatte schon immer Treibstoff im Blut und sah hier meine Zukunft.»

Mutter und Schwester stimmten zu, Hanspeter Setz erwarb die Aktienmehrheit und eroberte ab 1962, zusammen mit seinen 20 Mitarbeitern und einer kleinen Flotte von blaugrün gespritzten Lastwagen, die Schweiz. «Erst haben wir jeden Transportauftrag angenommen», blickt der Unternehmer im Unruhestand zurück: «Mineralwasser, Holzschnitzel, Teer, Heizöl und vieles mehr wurde gefahren, auch im Fernverkehr.» Schon bald begrenzte der innovative Unternehmer sein Tätigkeitsgebiet auf einige wenige, zukunftsträchtige und lukrative Branchen im Stückgutsektor (Sportartikel, Foto, Unterhaltungselektronik und pharmazeutische Erzeugnisse) und beschränkte das Transportfeld auf die Schweiz. Die Spezialisierung lohnte sich und brachte höhere Erlöse.

Auch beim Fuhrpark setzte er den Hebel an. Anfänglich noch mit Saurer, Berna und FBW unterwegs, kaufte Setz 1962 den ersten Scania. Setz begründet: «Technisch waren die Schweizer Lastwagen den Schweden zwar voraus. Aber qualitativ waren sie schlechter. Ein Saurer musste nach 100 000 Kilometern komplett revidiert werden, der erste Scania hat 500 000 Kilometer überstanden.»

Nicht nur aus finanziellen Gründen setzte Hanspeter Setz auf die modernen Scania und später zu einem Teil auch auf Mercedes. Er wusste, dass motivierte Chauffeure in komfortablen Fahrzeugen eine gute Leistung bringen und bei den Kunden einen guten Eindruck hinterlassen. Für das Wohl seiner Setzlinge, wie er seine Mitarbeitenden nannte, war dem ansonsten strengen Patron nichts zu viel. Eine Philosophie, die sich auszahlte. Setz war über Jahrzehnte landesweit der Inbegriff für Qualität und Zuverlässigkeit im Transportgewerbe. Die blaugrünen Scania und Mercedes gehörten zum Schweizer Strassenbild wie die Baustellen. Mit dem Unterschied, dass sich über die freundlichen Setz-Chauffeure wohl weniger Leute ärgerten, als über die Verkehrsbehinderungen.

1999 kaufte Hanspeter Setz die alte Bally-Schuhfabrik in Dottikon und liess das denkmalgeschützte Gebäude umfassend sanieren. Im ehemaligen Kesselhaus richtete er ein erstes kleines Museum mit einigen wenigen Oldtimer-Lastwagen und -Autos ein. 2009 eröffnete er einen Neubau mit 2300 m Ausstellungsfläche. Unter dem Motto «Gestern – heute – morgen» sind dort mittlerweile gegen 100 Fahrzeuge zu sehen. Autos, die seine Eltern gefahren sind und solche, mit denen der junge Autofan Hanspeter durch die Region blochte. Lastwagen aus den ersten Jahren der Setz Transport AG und jene, die mit ihrer fortschrittlichen Technik Chauffeure und Kunden gleichermassen begeisterten.

Das Museum zeigt nicht nur das Lebenswerk von Hanspeter Setz. Es ist die eigentliche Verkörperung von Geist und Seele des Transportunternehmers und Technikfreaks. Fahrzeuge, die damals ihrer Zeit weit voraus waren. Technische Innovationen, an die er glaubte und mit denen er sich immer wieder auseinander setzte. Automobile Träume, die sich der erfolgreiche Unternehmer leisten konnte und leistete. Das Setz-Museum ist nicht öffentlich zugänglich. Hanspeter Setz öffnet für Besuchergruppen auf Anfrage (056 619 99 99) gerne.