Wohlen

Transmenschen, Technik und trinkende Waldarbeiter

Petrissa Villiger, Samuel Kuhn, Veit Karpf und Tobias Hildbrand (v.l.) wurden mit dem Rotarypreis ausgezeichnet.

Petrissa Villiger, Samuel Kuhn, Veit Karpf und Tobias Hildbrand (v.l.) wurden mit dem Rotarypreis ausgezeichnet.

Der Rotary Club Freiamt hat drei Maturaarbeiten ausgezeichnet. Was die Kantischüler geleistet haben, ist ausergewöhnlich.

Die Kanti ähnelt einem Labyrinth. Nicht unbedingt die Gänge zwischen den Schulzimmern, die sind übersichtlich. Aber die Zeit, die man dort verbringt, bietet Abkürzungen, Zusatzschlaufen, es gibt interessante Seitenpfade, und wenn man seinen Weg beginnt, weiss man meistens noch nicht, wo man am Ende herauskommt. Samuel Kuhn und Veit Karpf haben sich in diesem Labyrinth offenbar gut zurechtgefunden – denn als Maturaarbeit haben sie eins nachgebaut. Das Holzbrett, auf dem sich eine Kugel durch die Gänge bewegt, wird aber nicht durch Menschenhand gesteuert. Ein Computer erfasst mit einer Kamera, wo sich die Kugel und wo das Ziel befindet. Eine Software rechnet den kürzesten Weg aus – ähnlich wie ein Navigationssystem – und sagt zwei Servomotoren vorzu, in welche Richtung sie das Brett zu neigen haben. Tönt kompliziert? Ist es auch. Deswegen wurden die beiden Schüler mit dem Rotarypreis ausgezeichnet. «Ich war skeptisch, als die beiden zu mir kamen und ihre Idee präsentierten. Sie klang futuristisch und ambitiös. Die beiden waren aber unbeeindruckt von meinen Bedenken», sagte Betreuer Mark Heinz in seiner Laudatio.

Lösen eines Labyrinths mittels Bilderkennung

Lösen eines Labyrinths mittels Bilderkennung

Maturaarbeit an der Kantonsschule Wohlen (2015/16)

Breites Themenfeld
Zwei weitere Arbeiten wurden mit dem ersten Platz und damit mit 1000 Franken Preisgeld ausgezeichnet: Tobias Hildbrand führte Interviews «mit bemerkenswerter Empathie», wie Betreuerin Sabin Fässler beschrieb. Er beschäftigte sich mit der Identitätsentwicklung bei Transmenschen. Bei diesen weicht das biologische vom empfundenen Geschlecht ab. «Alle meine Interviewpartner empfanden die Kindheit als eine Art ‹verwirrendes Spiel› und die Pubertät als schlimm bis traumatisch», schilderte Hildbrand seine Arbeit. «Leider sind auch heute noch verbale oder sogar tätliche Angriffe gegen Transmenschen keine Seltenheit.» Der Arbeitsprozess sei für ihn eine spannende und gewinnbringende Erfahrung gewesen, beschreibt der Kantischüler. «Ich war überrascht, wie offen die Transmenschen waren, obwohl sie selber oft vor verschlossenen Türen stehen.»
Wiederum ein ganz anders Thema hat sich Petrissa Villiger ausgesucht. «Die Nutzung und Bedeutung des Waldes im Oberfreiamt früher und heute» ist das Resultat aus vielen Stunden in Gemeindearchiven, aus Experteninterviews und Waldumgängen. Die Arbeit sei ein «relevanter Beitrag zur Lokalgeschichte des Oberfreiamts», so Betreuer Matthias Schwank. «Es war gar nicht so einfach diese Arbeit zu betreuen – besonders für einen Zürcher», sagte Schwank schmunzelnd. Auch Villiger gab Einblick in ihre Arbeit und zeigte unter anderem, wie früher Ziegen und Schweine in den Wald getrieben wurden, weil sie dort Futter fanden, und wie Waldarbeiter alles von Hand erledigen mussten, sich dafür aber auch den einen oder anderen Most gönnten.
Jasmin Schnellmann bekam für ihre Arbeit «Konzept und Gestaltung eines vegetarischen Kochbuchs» einen Anerkennungspreis von 300 Franken. Genauso Lorina Locher für ihre Arbeit «Lokale Immunsuppression für die Transplantation von Gliedmassen». Insgesamt wurden an der Kanti Wohlen dieses Jahr 144 Maturaarbeiten eingereicht.

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