Bremgarten
Traditionsbeiz vor Abriss – wegen Überbauung mit Luxus-Wohnungen

Der bekannte «Zürcherhof» in Bremgarten, der letzte Weihnachten schloss, wird dem Erdboden gleichgemacht. An seiner Stelle ist ein Neubau ohne Gaststätte, aber mit acht Wohnungen geplant. Die Baukosten liegen bei 5,5 Millionen Franken.

Lukas Schumacher
Merken
Drucken
Teilen
Die markante neue Wohnüberbauung soll im Herbst 2017 fertiggestellt sein.

Die markante neue Wohnüberbauung soll im Herbst 2017 fertiggestellt sein.

Visualisierung
Neubau des Bremgarter «Zürcherhof»

Neubau des Bremgarter «Zürcherhof»

sl

Aus Alt wird Neu: Die bekannte Bremgarter Gaststätte «Zürcherhof» an der Zürcherstrasse und der benachbarte Wohnblock mit der grünen Fassade verschwinden. Im Februar 2016 ist der Abbruch der beiden Gebäude vorgesehen. Im März/April will die Bauherrin und neue Grundeigentümerin, das einheimische Bauunternehmen Armando Rocchinotti AG, mit der Erstellung der neuen Wohnüberbauung anfangen.

Der Neubau soll die Bezeichnung «Zürcherhof» tragen, ein mit Nostalgie verbundener Verweis auf das bald verschwundene Traditionsrestaurant des Bremgarter Wirtepaars Bruno und Heidi Stöckli. Laut Co-Geschäftsführer Renato Rocchinotti tritt der 72-jährige Bruno Stöckli, der frühere Besitzer des Restaurantgebäudes und des benachbarten Wohnblocks, als Partner der Bauherrschaft in Erscheinung. Das Ehepaar Stöckli werde eine der neuen Wohnungen im «Zürcherhof» übernehmen.

Acht grosszügige Wohnungen

Der markante, städtisch anmutende Neubau in der Kernzone umfasst acht grosszügige Viereinhalbzimmer-Wohnungen à rund 170 Quadratmeter, die man als Eigentumswohnungen verkaufen will. Im Parterre sind Büro- und Gewerberäumlichkeiten angeordnet, die vermietet werden sollen. Das Parkingkonzept sieht eine Tiefgarage mit 17 Parkplätzen, 7 Abstellplätze im Freien fürs Personal der im Parterre eingemieteten Firma sowie 5 Besucherparkplätze vor. Rund 8900 Kubikmeter umfasst das Bauvolumen auf dem knapp 1800 m2 grossen Grundstück.

Grössere Übung

Laut Stadtbehörde passt die geplante Neuüberbauung bestens zum «Rahmenplan Zürcherstrasse», den der Stadtrat, Experten sowie Fachleute des Kantons seit rund vier Jahren erarbeiten. Im November soll der Rahmenplan vorgestellt werden. Das Werk umfasst planerische Richtlinien und Grundlagen für die Zürcherstrasse, die umliegende Areale, den Eingang zum Obertorplatz, den Übergang zur Altstadt und für den öV-Knoten Bahnhof. Im Fokus stehen raumplanerische, städtebauliche und verkehrstechnische Aspekte. (sl)

Im Baugesuch, das man bis Ende Oktober bei der Bauverwaltung im Rathaus Bremgarten besichtigen kann, sind die reinen Erstellungskosten (ohne Land) mit 5,5 Millionen Franken aufgeführt. Das Flachdach soll extensiv begrünt werden, die Fassadenfarbe ist noch nicht bestimmt, beheizt wird der Neubau mittels Erdwärmesonde und Wärmepumpen.

Verfasst wurde das «Zürcherhof»-Projekt von den Schaufelbühl Architekten. Roger Rüegsegger, der Inhaber und Geschäftsleiter des Bremgarter Architekturbüros, hält den Herbst 2017 als Fertigstellungstermin für realistisch. Die Bauzeit dauere rund eineinhalb Jahre. Rüegsegger und die Bauherrschaft erwarten die Abbruch- und Neubaubewilligung der Stadtbehörde im Januar 2016. Grünes Licht muss auch der Kanton Aargau geben, primär weil die Neuüberbauung an die Zürcherstrasse, eine Kantonsstrasse, grenzt.

Schluss nach 50 Jahren

Wirtepensionär Bruno Stöckli gibt sich wortkarg. Er mag weder über die Geschichte des Restaurants Zürcherhof noch über seine Person viele Worte verlieren. Der Bremgarter wirtete auf dem «Zürcherhof», seinem Elternhaus, während 50 Jahren, wobei er das Lokal 1977 als Inhaber übernahm. An Weihnachten 2014 schloss Stöckli den «Zürcherhof», der auch Stammlokal des Fussballclubs Bremgarten war, für immer.

Nationale Bekanntheit erlangte Bruno Stöckli als Volksmusikant. Der Akkordeonist spielte in diversen Formationen und Ländlerkapellen mit. Stark gefragt war Stöckli auf Jodlerfesten, wo er Solojodler, Duette, Terzette und Quartette jeweils auf dem Akkordeon begleitete. Tonarten, Rhythmen und Punktierungen bereiteten Stöckli nie Probleme, obschon er nicht Noten lesen kann. Er verfügte über ein feines Musikgehör und war in der Lage, eine einmal gehörte Melodie aus dem Stegreif zu intonieren, je nach Wunsch auch einen halben Ton tiefer.