«Es isch halt einfach nid s’glich, ohni euise Chäber», sagen die Wohler Fasnächtler. Seit Irma Koch dort vor 53 Jahren das Zepter übernommen hat, wird das Restaurant Weber im Volksmund ebenso wie die Wirtin «De Chäber» genannt. Die kleine Beiz ist einer der Dreh- und Angelpunkte des gesellschaftlichen Lebens in Wohlen, vor allem auch über die Fasnachtszeit.

Kult-Wirtin muss ins Altersheim

Kult-Wirtin muss ins Altersheim

Über die Fasnacht 2016 ist der «Chäber» zum grossen Bedauern nicht nur der Närrinnen und Narren geschlossen. Irma Koch, sie wird im Oktober 87 Jahre alt, musste sich im Januar wegen einer schweren Lungenentzündung im Spital Muri behandeln lassen und danach zur Erholung die Klinik Barmelweid aufsuchen.

Gerüchte über Schliessung
Am Fasnachtssonntag machten in Wohlen Gerüchte die Runde, Irma Koch werde nach ihrer Kur auf der Barmelweid – sie darf in den nächsten Tagen nach Hause – nicht mehr in den «Chäber» zurückkehren. Sie lebe fortan im Alterszentrum Casa Güpf. Das «Wohnzimmer von Wohlen», wie es Bundesrätin Doris Leuthard im Vorwort zum Buch beschrieben hat, das zum 80. Geburtstag von Irma Koch erschienen ist, bleibe geschlossen.

«Das ist ein Gerücht, das so nicht stimmt. Mir geht es Gott sei Dank wieder deutlich besser. Ich kann diese Woche nach Hause und dann schauen wir weiter», erklärte «Chäber» der az, die am Montag zwischen zwei Arztterminen kurz mit ihr sprechen konnte.

Landammann Urs Hofmann bei Irma Koch zu Gast

Landammann Urs Hofmann bei Irma Koch zu Gast

«Die Zukunft vom ‹Chäber› ist zurzeit noch völlig offen. Vorderhand bleibt er sicher geschlossen. In ein paar Tagen oder Wochen wissen wir mehr darüber, ob und wie es weitergeht», sagt auch Beat Koch. Der Neffe von Irma Koch ist ihr behilflich, zusammen mit weiteren Verwandten und Freunden. Es sei jedoch richtig, sagt Beat Koch weiter, dass seine Tante vorderhand nicht in den «Chäber» zurückkehren, sondern ein Ferienzimmer in der Casa Güpf beziehen werde. «Das ist auch Irmas Wunsch.

 Sie hat dort die Betreuung, die sie im Moment braucht.» Die Zukunft des Restaurants, sagt Beat Koch weiter, sei zwar wichtig und man werde dieses Thema auch angehen. Vordringlich sei jedoch die Gesundheit seiner Tante: «Für uns zählt jetzt vor allem, dass Irma so bald wie möglich wieder ganz auf die Beine kommt. Das hat erste Priorität.»

So schwer vielen der Gedanke daran auch fallen wird: Man muss sich wohl oder übel damit befassen, dass die Ära «Chäber» und damit die Geschichte der wohl legendärsten Beiz im Freiamt in absehbarer Zeit zu Ende geht.

Bei Irma Koch am Stammtisch: Kurzer Video-Einblick in den «Chäber»-Alltag.

Bei Irma Koch am Stammtisch

Aargauerin des Jahres 2014
Der «Chäber» ist seit über 50 Jahren mehr als ein Restaurant. Der «Chäber» ist eine Institution. Irma Koch hat die kleine Beiz im Alter von 33 Jahren übernommen und da seither ohne Unterbruch gewirtet. Für ihr Lebenswerk und ihr grosses Herz, von dem vor allem auch sozial benachteiligte Gäste immer wieder profitieren durften, ist sie denn auch mehrfach ausgezeichnet worden.

Irma Koch wird Aargauerin des Jahres 2014.

Irma Koch wird Aargauerin des Jahres 2014

Am 27. Oktober 2014, an ihrem 85. Geburtstages, erhielt Irma Koch den Wohler Kulturpreis. Einen Monat später, am 22. November 2014, gewann sie den NAB-Award und wurde Aargauerin des Jahres. Auf die Frage, wie lange sie denn noch wirten wolle, sagte sie damals: «Ich wirte noch so lange, wie der Herrgott will.»