Am 13. Juni 2012 würde die fünfte Etappe in Wohlen enden, und am 14. Juni ginge die sechste Etappe in der Freiämter Metropole weiter. «Für Wohlen bietet sich damit die Möglichkeit, den Fokus einer breiten Öffentlichkeit auf sich zu richten und über die Region hinaus eine positive Ausstrahlung zu entfalten», schreibt der Gemeinderat im Antrag an den Einwohnerrat.

Der Preis für diese positive Ausstrahlung wären 100000 Franken, wovon 20000 Franken für Infrastruktur, Bauamt, Polizei und Feuerwehr eingeplant sind.

Anglikerstrasse als Zieleinfahrt

Als Radsportverein ist der Velo-Club Wohlen Feuer und Flamme für das Grossereignis. «Es würde uns natürlich sehr freuen, Ankunfts- und Startort zu sein, und wir würden gern all unsere Erfahrung einbringen, um bei der Gestaltung der Strecke zu helfen», bestätigt Ernesto Hitz, Präsident des Velo-Clubs.

Anforderungen für die Ankunft wie auch für den Start sind eine genügend breite Strasse und ein grosser Platz. «Da gibt es meiner Meinung nach in Wohlen nicht allzu viele Möglichkeiten», sagt Hitz. «Spontan fallen mir nur die Anglikerstrasse beim Schützenhaus und der Schützenhausplatz ein.» Dort wurde 2009 auch die Zieleinfahrt des GP Rüebliland, des internationalen Junioren-Etappenrennens, durchgeführt, erinnert sich der begeisterte Radsportler. «Dort kann man auch von aussen zufahren, ohne dass man durchs ganze Dorf hindurch muss.»

«Nur positive Folgen»

Diese Überlegungen müssten vorerst aber noch warten. «Zuerst geht es darum, dass der Kredit vom Einwohnerrat bewilligt wird. Danach kann über Streckenführung, Ankunfts- und Startplatz diskutiert werden», erklärt Hitz.

Die Orts-SVP hat sich bereits gegen den Antrag ausgesprochen. Ihr fehlt ein Konzept für das Standortmarketing, zudem sei die Gemeindekasse leer. Und wenn, dann sollten Breiten- und Juniorensport unterstützt werden, nicht «der Doping-Sport», heisst es in ihrem Schreiben.

Ernesto Hitz möchte keine Stellung zur SVP-Meinung nehmen. Für ihn ist jedoch klar, dass ein solches Ereignis ausschliesslich positive Folgen für die Gemeinde haben kann. «Die Tour de Suisse wäre beste Werbung für Wohlen. Es wäre eine sehr gute Gelegenheit, die Gemeinde bekannter zu machen. Und zwar für einmal nicht durch die Politik oder ein Städte-Ranking.» Zudem habe Wohlen grosse Zeiten im Radsport erlebt und habe sich in der 121-jährigen Tradition des Velo-Clubs einen Namen gemacht.

Bereits 1965 war Wohlen Etappenankunfts- und Etappenstartort des Rennens. 1981 fand im Rahmen der Tour de Suisse ausserdem ein Prolog in Wohlen statt.

«Kein schlechtes Licht für Wohlen»

Weiter befürchtet die SVP, es könnten Negativschlagzeilen entstehen, durch Doping-Skandale oder Stürze wie in Wettingen am 15. Juni 2010. Dort ereignete sich auf der Zieleinfahrt ein Massensturz, der den Zuschauern kurz den Atem stocken liess. Die Fahrer sind damals nach einer kurzen Schrecksekunde aber wieder aufgestanden und haben ihren Weg ins Ziel in gemächlicherem Tempo fortgesetzt.

Diesen Vorwurf weist Hitz klar zurück: «So etwas kann eben geschehen. Das wirft aber kein schlechtes Licht auf die Gemeinde.» Im Gegenteil, der Gemeinde werde durch spektakuläre Szenen noch mehr mediale Aufmerksamkeit geschenkt. Aber natürlich hoffe man nicht auf Stürze. «Es zeigt nur, dass die Tour perfektes Standortmarketing für eine Gemeinde ist», bekräftigt Hitz.