Vater Guido und Sohn Andreas Hufschmid kennen das Thema Foodwaste gleich von drei Seiten: Sie sind als Landwirte Produzenten, sie sind selbstredend auch Konsumenten und sie sind mit ihrer Kompostieranlage, der Hufschmid Grüngutverwertung in Nesselnbach, auch Entsorger von Lebensmitteln, die aus irgendwelchen Gründen nicht verzehrt werden.

«Manchmal ist es tatsächlich auch für die Bauern nicht einfach, und man könnte schnurgerade die Wände hochgehen», erinnert sich Guido Hufschmid an ein nachhaltiges Erlebnis bei der Kartoffelernte. Es war ein gutes Hördöpfel-Jahr, und auf dem «Dorfschür»-Betrieb hatte man eine prächtige Ernte eingefahren. «Wir sind mit den ersten Ladungen zum Weiterverarbeiter gefahren, alles war gut.

Bei einer nächsten Fuhre hiess es plötzlich: ‹Wir können diese Kartoffeln nicht annehmen, sie haben zu wenig Stärke.› Es war die gleiche Kartoffelsorte vom gleichen Feld», erinnert sich Hufschmid und fügt an: «Ich denke, es war nicht die fehlende Stärke, sondern das Überangebot. Da kamen auf einmal zu viele Kartoffeln, und dann haben sie einfach mit fadenscheinigen Gründen die Türe zugemacht.» Ihm sei damals nichts anderes übrig geblieben, als die Kartoffeln in der Region loszuwerden: «Da mussten wir preislich natürlich Konditionen machen, aber immerhin sind die Hördöpfel damals nicht auf dem Kompost gelandet. Einen Teil haben wir allerdings dennoch dem Vieh verfüttern müssen.»

Tonnenweise Steinpilze

Es sei einfach so in der Landwirtschaft, sagen Vater und Sohn Hufschmid: «Der Bauer schliesst Anbauverträge mit einem Besteller ab und pflanzt das entsprechende Produkt an. Dann gibt es ein gutes Erntejahr mit Überproduktion und der Besteller nimmt nur noch die Filetstücke. Den Rest müssen wir zum Tiefstpreis verkaufen oder allenfalls sogar entsorgen.»

Nicht nur das Überangebot sei schuld gewesen, als vor ein paar Jahren ein Gemüseproduzent 50 Tonnen Randen in die Grüngutverwertung gebracht habe: «Einen Teil der riesigen Menge konnte der Bauer tatsächlich nicht verkaufen, weil die Nachfrage zu gering war. Anderseits hatte er einen Teil der Randen aber auch falsch gelagert, und ein weiterer Teil wies sonstige Qualitätsprobleme auf.»

Entsorgt worden sei auf ihrer Anlage auch schon frisch gerüsteter Nüsslisalat, und einmal sei gar ein Lastwagen mit fünf Tonnen tiefgefrorenen Steinpilzen vorgefahren: «Auf dem Transport von Weissrussland in die Schweiz ist offenbar wegen einer Motorpanne die Kühlkette kurz unterbrochen worden, die Steinpilze durften deshalb nicht mehr in den Handel gelangen. So ist das Gesetz, eine leichte Abweichung von der vorgeschriebenen Temperatur und schon wird etwas ungeniessbar. Wir selber haben damals etwas von den Pilzen probiert. Sie haben hervorragend geschmeckt, und Bauchschmerzen haben wir davon auch keine bekommen», schmunzelt Guido Hufschmid.

Vergärbares geht an Biogasanlage

In Hufschmids Betrieb in Nesselnbach werden Grünabfälle aller Art zu Kompost verarbeitet, der anschliessend als natürlicher Gründünger wieder zurück in den Nahrungskreislauf gelangt. Auch Rindendekor, Fichtenholzschnitzel und Gartenbauerde werden in Nesselnbach produziert. Die vergärbaren Grünabfälle wie Rasen, Gras, Gemüse- oder Essensreste sortiert man aus und speist sie in die benachbarte Biogasanlage von Werner Humbel ein. Mit ihm arbeiten die Hufschmids eng zusammen.

Wie die Verwertung von Abfällen zu Biogas macht auch eine fachgerechte Kompostierung ökologisch sehr viel Sinn. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sie spürbar zur Reduzierung des CO2-Ausstosses beiträgt.