Muri
Töff-Fahrer rast ausserorts mit 146 km/h – dafür kassiert er 14 Monate Freiheitsstrafe

Es ist schon fast ein Klassiker: Wer ausgangs Muri Richtung Geltwil etwas heftig am Gaskabel zieht, ist schnell viel zu schnell. Das wird richtig teuer.

Eddy Schambron
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Ein Töfffahrer hatte seine schwere Maschine ausgangs Muri Richtung Geltwil so beschleunigt, dass er «mit einer toleranzbereinigten Geschwindigkeit von 146 km/h» unterwegs war. (Symbolbild)

Ein Töfffahrer hatte seine schwere Maschine ausgangs Muri Richtung Geltwil so beschleunigt, dass er «mit einer toleranzbereinigten Geschwindigkeit von 146 km/h» unterwegs war. (Symbolbild)

Keystone

Am Montag kassierte ein Motorradfahrer 14 Monate Freiheitsstrafe bedingt mit einer Probezeit von zwei Jahren. Dazu kommen 2000 Franken Busse und die Verfahrenskosten. Er hatte seine schwere Maschine ausgangs Muri Richtung Geltwil so beschleunigt, dass er «mit einer toleranzbereinigten Geschwindigkeit von 146 km/h» unterwegs war.

Gemessen wurde das von einem Messgerät der Polizei. Und deshalb gab es sowohl für den Beschuldigten als auch für seinen Anwalt nichts zu deuteln: Die zulässige Höchstgeschwindigkeit war um 66 Stundenkilometer überschritten.

Das Bezirksgericht unter Vorsitz von Simone Baumgartner erlebt nicht alle Tage eine so einvernehmliche, lockere und kurze Verhandlung wie gestern. «Es tut mir leid», sagte der 48-jährige Töfffahrer. Er sei froh, dass wegen seiner Fahrt kein Unfall passiert sei. Er sei sich gar nicht bewusst gewesen, dass seine Maschine so schnell beschleunigt. Er hat das schwere Motorrad inzwischen mit einem erheblichen Verlust verkauft und sogar Gefallen am öffentlichen Verkehr gefunden. «Ich habe dafür gesorgt, dass zu hohe Tempi für mich kein Thema mehr sein können.»

Ein Raser, das sah auch das Gericht so, war dieser Angeklagte ganz bestimmt nicht. «Sie haben einfach aus Freude am Fahren zu sehr aufs Gas gedrückt», stellte Baumgartner fest. Die Fahrbahn war trocken, die Sicht problemlos, der Motorradfahrer überholte nicht und das Blitz-Foto zeigte auch, dass zum Zeitpunkt der Geschwindigkeitsübertretung kein Verkehrsaufkommen herrschte.

Nur leicht über dem Minimum

Das ändert aber nichts an den Fakten. «Die Anklage ist unbestritten, es gibt keinen Ansatz, sie anzuzweifeln», meinte auch sein Anwalt angesichts des Blitzfotos und der Tatsache, dass der Fahrer gleich von der Polizei gestoppt und aus dem Verkehr genommen wurde. Die Staatsanwältin hatte einen Rahmen für das Strafmass von einem bis vier Jahren zur Verfügung und beantragte mit 14 Monaten bedingt eine Freiheitsstrafe leicht über dem Minimum.

«Es war Sonntag, es war schön, man musste mit mehr Freizeitverkehr, beispielsweise Velofahrern oder die Strasse überquerenden Wanderern und damit mit einer höheren Gefahr für einen Unfall rechnen», begründete sie die zusätzlichen zwei Monate. Für den Mann sprachen sein ungetrübter Leumund, dass er eindeutig seine Lehre aus dem Vorfall gezogen hat und die Konsequenzen ohne Wenn und Aber trägt.

Sowohl der Angeschuldigte als auch sein Anwalt befanden, wie später das Gericht, das Strafmass angemessen. Somit konnte es zum abgekürzten Gerichtsverfahren kommen, das in diesem Fall wirklich kurz war und in ausgesprochener Minne ablief.

Manchmal werde bemängelt, dass im abgekürzten Verfahren ein Angeklagter die Folgen seines Tuns nicht oder kaum spüre, sagte Baumgartner. In diesem Fall sei das aber bestimmt nicht so: «Auch wenn jetzt das Gerichtsverfahren sehr kurz war, es ist nicht spurlos an Ihnen vorbeigegangen», stellte sie fest. Und ganz befreit von den Folgen der schnellen Fahrt ist der Töfffahrer auch nach dem Gerichtsurteil noch nicht. «Das Strassenverkehrsamt wird Ihnen im administrativen Verfahren noch den einen oder anderen Brief schicken.»