Marco, so nennen wir ihn jetzt einmal, liebt schnelle Maschinen. Das sagt der junge Familienvater nicht nur selber von sich, sondern steht schwarz auf weiss in einem psychologischen Gutachten. Darin heisst es, der 32-Jährige weise eine überdurchschnittlich starke emotionale Bindung zu Fahrzeugen auf.

Nun, Marco lebt seine Leidenschaft zu hohen Geschwindigkeiten nur auf der Rennpiste aus, wie er betont. Im Alltag halte er sich an die Verkehrsregeln. Wären da nur nicht seine Ausrutscher. Wie 2008, als er wegen zu hoher Geschwindigkeit verwarnt wurde. Wie 2010, als er auf der Autobahn so schnell fuhr, dass er seinen Führerausweis für fünf Monate los war. Marcos Erklärungsversuch heute: «Ich hatte ein schnelles Auto und Freude an der Beschleunigung. Ich fand es cool, dachte, dass es mich befriedigt.» Es schien, als hätte ihn der erstmalige Entzug des Ausweises weiser gemacht.

Ausrutscher Nummer 3

Acht Jahre lang war Marco nicht auffällig. Bis zu einem schönen Sonntag, seinem dritten Ausrutscher, dem Tag, als er auf einem Töff mit 145 km/h über eine Landstrasse in Rottenschwil raste und kurz darauf von der Polizei angehalten wurde. Doch, das war noch nicht alles. Als ein Polizist mit dem Töff Richtung Polizeiposten fuhr, stellte er fest, dass die Hinterradbremse nicht funktionierte.

Nur kurz sei er so schnell unterwegs gewesen, beteuerte Marco vor Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner und den vier Bezirksrichtern in Muri. Nur, um ein Auto zu überholen, das mit 80 km/h unterwegs war. Es sei ihm schon klar gewesen, dass er im Moment des Überholens zu schnell war. 120 km/h, höchstens. Was auch zu schnell sei, das sehe er ein. «Aber 145 km/h hätte ich niemals erwartet.» In einer Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft hatte Marco noch eine Erklärung für seine hohe Geschwindigkeit beim Überholmanöver parat. Sicherheit. Und zwar hatte er das Gefühl, je schneller er überhole, desto weniger gefährlich sei es.   

Dass die Hinterbremse nicht einwandfrei funktioniere, hätte er gewusst, sagte Marco vor Gericht. «Doch wenn man vor dem Losfahren ein paar Mal gepumpt hat, hat sie jeweils funktioniert.» Zudem brauche man beim Töfffahren in 98 Prozent der Fälle nur die Vorderbremse. Das Ironische an der Geschichte: Marco war im Auftrag seines Vaters unterwegs, dem die Maschine gehörte. Und zwar sollte er den Töff zur Werkstatt fahren.
Elf Monate musste Marco wegen des Vorfalls seinen Ausweis abgeben. Dass dies als Strafe noch nicht reicht, sah der 32-Jährige ein. Er akzeptierte die Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten forderte. Seine Verteidigerin setzte sich nur dafür ein, dass ihrem gut verdienenden Mandanten die Geldstrafe erlassen wird. Darauf liess sich das Gericht jedoch nicht ein.

Marco wurde wegen Missachtung der Höchstgeschwindigkeit und für den nicht vorschriftsgemässen Zustand des Motorrads zu der geforderten bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Zudem muss er eine Busse von 3000 Franken zahlen.
Dieses Mal werde er die Lehren daraus ziehen, beteuerte Marco. «Ich weiss, dass mir dies nicht mehr passieren wird.»