Dottikon
Tödlicher Unfall auf Zebrastreifen: Aargauer Obergericht muss zum dritten Mal urteilen

Ein tödlicher Unfall auf einem Fussgängerstreifen in Dottikon (AG) muss vom Aargauer Obergericht ein drittes Mal beurteilt werden. Der Fall erweist sich in sachverhaltsrechtlichen Hinsicht als sehr heikel.

Urs-Peter Inderbitzin
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Zum tödlichen Unfall auf dem Fussgängerstreifen kam es im Dezember 2010. Bild: Michael Spillmann
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Zebrastreifen in Dottikon
Der Fussgängerstreifen sieht heute so aus. Nach dem tödlichen Unfall reagierten Gemeinde und Kanton, indem Markierung und Beschilderung des Fussgängerstreifens auf der Bahnhofstrasse verbessert wurden. Dazu wurde der Warteraum für Passanten gesichert und ein Aufmerksamkeitsfeld für Sehbehinderte aufgetragen. Auch die Beleuchtung wurde angepasst. Zirka zwei Jahre später kam es zu einem weiteren schweren Unfall auf dem gleichen Fussgängerstreifen. Dabei wurde eine 83-jährige Frau von einem Auto angefahren und schwer verletzt. (pz)  
Zirka zwei Jahre nach dem tödlichen Unfall kam es beim selben Fussgängerstreifen zu einem zweiten schweren Unfall: Eine 83-Jährige wurde von einem Auto erfasst und schwer verletzt.

Zum tödlichen Unfall auf dem Fussgängerstreifen kam es im Dezember 2010. Bild: Michael Spillmann

AZ

Der schwere Unfall hatte sich am 22. Dezember 2010 kurz nach 7 Uhr morgens und damit bei Dunkelheit ereignet. Es herrschte an diesem Morgen Nebel und die Fahrbahn war nass. Ein dunkel gekleideter Mann überquerte damals einen Fussgängerstreifen an der Bahnhofstrasse in Dottikon (AG). Er wurde dabei von einem von links kommenden Fahrzeug angefahren und auf die Gegenfahrbahn geschleudert. Dort erfasste ihn ein Mercedes Viano, der mit rund 30 km/h herannahte. Der Fussgänger wurde bis zum Stillstand des Viano mitgeschleift. Er erlitt tödliche Verletzungen.

Obergericht zum Dritten

Das Bezirksgericht Bremgarten sprach den Viano-Lenker vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei. Anders sah es das Aargauer Obergericht. Dieses bestrafte den Lenker wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 50 Franken sowie zu einer Busse von 2000 Franken.

Zudem wurde er verpflichtet, den Angehörigen ein Schmerzensgeld von insgesamt 40 000 Franken zu bezahlen. Im Mai 2015 hiess das Bundesgericht eine dagegen eingereichte Beschwerde des Unfallfahrers gut und wies den Fall zu neuer Beurteilung an das Obergericht zurück. Dieses verurteilte den Lenker im zweiten Anlauf zu derselben Strafe.

Opfer in erster Phase nicht erkennbar

Auch dieses Urteil hat das Bundesgericht jetzt aufgehoben. Nicht einverstanden waren die Lausanner Richter mit dem Obergericht, soweit dieses davon ausging, für den Lenker sei das Unfallopfer bereits erkennbar gewesen, als sich dieser an der Kreuzung Bahnhofstrasse/Mitteldorfstrasse befand. Diese Auffassung ist laut Bundesgericht willkürlich und verstösst gegen den Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagte".

Ein Gutachten war zum Schluss gelangt, aufgrund der Dunkelheit, des Nebels und der dunklen Kleidung vor einem ebenfalls dunklen Hintergrund war das Opfer in diesem Zeitpunkt praktisch nicht erkennbar, zumal sich der Lenker bei regem Berufsverkehr auch auf andere Verkehrsteilnehmer konzentrieren musste.

Weitere Abklärungen nötig

Einig ging das Bundesgericht mit Obergericht insoweit, dass der Lenker in einem späteren Zeitpunkt seine Aufmerksamkeit nicht dem Fussgängerstreifen gewidmet hatte und deshalb das Opfer pflichtwidrig unvorsichtig zu spät bemerkt hatte. Der Kollisionsort liegt laut dem Urteil aus Lausanne 3,3 bis 5,6 Meter vor dem Fussgängerstreifen. Hätte der Lenker früher reagiert, wäre das Fahrzeug eher zum Stillstand gekommen und das Opfer wäre weniger weit mitgeschleift worden.

Die tödlichen Verletzungen waren höchstwahrscheinlich entstanden, als der Viano über den Kopf und den Brustkorb des Opfers fuhr. Ob diese massiven Körperverletzungen mit Todesfolgen weniger schwerwiegend ausgefallen wären, wenn das Opfer über eine kürzere Distanz mitgeschleift worden wäre, dies muss das Obergericht unter Beizung von Sachverständigen abklären und dann in sein neues, nunmehr drittes Urteil in diesem sachverhaltstechnisch heiklen Verfahren einfliessen lassen.

Urteil 6B_262/2016 vom 6.1.2017

Der Fussgängerstreifen sieht heute so aus. Nach dem tödlichen Unfall reagierten Gemeinde und Kanton, indem Markierung und Beschilderung des Fussgängerstreifens auf der Bahnhofstrasse verbessert wurden. Dazu wurde der Warteraum für Passanten gesichert und ein Aufmerksamkeitsfeld für Sehbehinderte aufgetragen. Auch die Beleuchtung wurde angepasst. Zirka zwei Jahre später kam es zu einem weiteren schweren Unfall auf dem gleichen Fussgängerstreifen. Dabei wurde eine 83-jährige Frau von einem Auto angefahren und schwer verletzt. (pz)  

Der Fussgängerstreifen sieht heute so aus. Nach dem tödlichen Unfall reagierten Gemeinde und Kanton, indem Markierung und Beschilderung des Fussgängerstreifens auf der Bahnhofstrasse verbessert wurden. Dazu wurde der Warteraum für Passanten gesichert und ein Aufmerksamkeitsfeld für Sehbehinderte aufgetragen. Auch die Beleuchtung wurde angepasst. Zirka zwei Jahre später kam es zu einem weiteren schweren Unfall auf dem gleichen Fussgängerstreifen. Dabei wurde eine 83-jährige Frau von einem Auto angefahren und schwer verletzt. (pz)  

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