«Ich habe angefangen Rosen zu malen, weil man mir das nicht zutraute», hatte die bekannte Rosenmalerin Lotte Günthard dem Dottiker Richard Huber bei einem Besuch in den 60er-Jahren erzählt. Der Ehrgeiz des Baumschulisten war entfacht. «Was Günthard kann, kann ich auch», sagte er sich und beschloss, Rosen zu züchten. Obwohl die Meinung vorherrschte, in der Schweiz könnte so etwas niemandem gelingen.

«Ich erinnere mich noch ganz genau, wie es angefangen hat», sagt Tochter Diana. Sie führt das Lebenswerk ihres 2013 verstorbenen Vaters weiter, welches sie seit den Anfängen begleitet hat: «Ich ging noch zur Schule, als Vater an einem Sonntagmorgen sagte: ‹Mädchen komm, jetzt gehen wir Rosen züchten›. Bis dahin hatte mein Vater zwar Rosen gepflanzt und veredelt. An eine eigene Züchtung hatte er sich bis dahin noch nie herangewagt.»

Der Anfangserfolg sei mässig gewesen, blickt Diana Huber zurück: «Wir versuchten Rosen mit Duftwolken, sogenannte Edelrosen zu kreuzen und hatten uns da gleich zu Beginn auf ein sehr schwieriges Terrain gewagt.»

Stadt Luzern und Zirkus Knie

1967 wollte Richard Huber seine erste eigene Rose auf den Namen «Stadt Luzern» taufen. «Das war aber nicht so einfach, denn Pfarrer Oeschger hatte anfänglich etwas dagegen. Die Taufe sei ein heiliges Sakrament und der Kirche vorbehalten. Er hat dann unsere erste eigene Rose schliesslich aber doch getauft. Für uns war das eine Riesensache», erzählt Diana Huber.

1975 folgte der erste grosse Event: «Auf Schloss Lenzburg haben wir zehn Eigenzüchtungen getauft, unter anderem die ‹Stadt Luzern› und die ‹Zirkus Knie›. Jede Rose hatte eine andere Farbe.» Ebenfalls 1975 holte sich Richard Huber die erste Goldmedaille für seine Züchtung «Lady Di». Die hatte er aber nicht etwa der damaligen englischen Prinzessin gewidmet, sondern seiner Tochter mit dem gleichen Vornamen.

Geduld bringt Rosen

In Japan hat sie soeben ihre erste eigene Goldmedaille geholt, mit der Duftrose «Etienne». «In Europa haben wir in den vergangen 40 Jahren schon viele Auszeichnungen geholt. Die Medaille in Japan ist für mich aber etwas ganz Besonderes. Wir sind sozusagen in die Weltklasse der Rosenzüchter vorgestossen. Darauf bin ich sehr stolz», sagt die Dottikerin.

Wo liegt denn ihr besonderes Geheimnis beim Rosenzüchten? «Es braucht sehr viel Geduld und die Fähigkeit, Rückschläge wegzustecken», sagt Diana Huber. Die Technik an sich sei nicht so schwierig, aber sehr aufwendig: «Die Rose ist eine Zwitterblüte. Wenn man züchten will, muss man sie zuerst in den weiblichen und männlichen Teil trennen. Dann wird die weibliche Rose befruchtet und eingehüllt, um Fremdbestäubungen zu verhindern. Das Ergebnis sind Hagenbutten mit ausgebildeten Samen, die wir dann aussähen.»

Die grosse Kunst hingegen ist der richtige Zeitpunkt: «Darauf kommt es beim Kreuzen und beim Pflanzen an. Da muss nicht nur das Wetter stimmen.»

Bis eine Neuzüchtung in den Verkauf gelangt, dauert es Jahre: «Im dritten Jahr nach der Kreuzung haben wir etwa 3 Rosen, im vierten Jahr etwa 15, im fünften Jahr rund 200. Bis eine Neuzüchtung in den Handel kommt, vergehen 7 bis 8 Jahre», erläutert die Rosenzüchterin.

Den traditionsreichen Dottiker Betrieb hat Diana Huber übrigens schon vor zehn Jahren übernommen: «Wir haben das öffentlich nie gross kommuniziert und Vater war ja bis kurz vor seinem Tod noch täglich im Geschäft.» Huber beschäftigt heute rund 15 Angestellte. Die Rosenzucht ist jedoch nicht das Hauptgeschäft.

«Wir sind nach wie vor stark im Baumschulbereich und im Pflanzencenter. Unsere Bäume und Sträucher ziehen wir – wie unsere Rosen – zu einem wesentlichen Teil selber auf. Entsprechend können wir unsere Kunden auch richtig beraten», erklärt Diana Huber.