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Thomas Leitch entfernt illegale Plakate eigenhändig

Der SP-Kandidat Thomas Leitch reagiert auf die Beschwerde von www.wahlwerbung-aargau.ch, übernimmt die Verantwortung für die Plakatverstösse - und rechtfertigt sich: Er habe seine Helfer nicht gut genug instruiert.

fabian hägler
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Vorher - nachher: Thomas Leitch entfernt illegale Plakate

Vorher - nachher: Thomas Leitch entfernt illegale Plakate

AZ

Bruno Bühler aus Zufikon darf sich freuen: Seine Website, die Politiker mit illegalen Wahlplakaten an den Pranger stellt, zeigt Wirkung. Thomas Leitch, SP-Nationalratskandidat aus Wohlen, hat gestern Morgen eigenhändig zwei Plakate abmontiert, die auf www.wahlwerbung-aargau.ch aufgeführt waren.

«Das ist mir natürlich schon etwas peinlich», sagt Leitch, als ihn die az Aargauer Zeitung mit den Plakatverstössen konfrontiert. Er sei erst durch den Zeitungsartikel auf die Website aufmerksam geworden, erklärt der SP-Kandidat und Grossrat.

Helfer nicht gut genug instruiert

Leitch rechtfertigt sich: «Ich habe die Plakate nicht selber montiert, sondern hatte sehr viele Helferinnen und Helfer.» Der Sekundarlehrer und SP-Bremgarten-Bezirkspräsident sagt selbstkritisch: «Offensichtlich habe ich nicht alle von ihnen gut genug instruiert. Es tut mir leid, dass einige meiner Plakate falsch hängen.»

Leitch erklärt grundsätzlich: «Die illegale Platzierung der Plakate ist nicht mit böser Absicht oder aus Nachlässigkeit passiert.» Leitch trägt aber die Verantwortung, «weil ich besser hätte informieren müssen».

Der SP-Kandidt wusste – unabhängig von Bühlers Website – bereits von falsch platzierten Plakaten im Raum Lenzburg. «Ich habe diese, die zum Teil mitten auf Kreuzungen und über Schildern hingen, gleich wieder entfernt», betont der Politiker.

Angeprangerte Plakate entfernt

Und er teilt Bühler in einem Mail mit: «Am Mittwochmorgen habe ich eigenhändig das Plakat in der Oberebene Bremgarten und bei Baden in Richtung Neuenhof entfernt.» Diese beiden Standorte, wo Plakate über einer 60er-Tafel und bei einem Fussgängerstreifen hingen, waren online angeprangert worden. Leitch betont, er wolle sich an die Gesetze halten. «Ich habe extra eine Leiter im Auto, damit ich Plakate entfernen kann.»

Plakate innert 24 Stunden weg

Leitch verspricht für die Zukunft auch Besserung: «Künftig werde ich jedes mir gemeldete falsch platzierte Kandelaberplakat innert 24 Stunden entfernen», schreibt der Wohler in seinem Mail an Bruno Bühler.

Und Leitch geht noch weiter: «Ich werde einer gemeinnützigen Insti-
tution, die Sie mir nennen können, 100 Franken spenden.» Auf Bühlers Wunsch hin erhält die Stiftung Haus Morgenstern in Widen die Spende.

Bühler ist zufrieden: «Es ist super, wie Herr Leitch reagiert hat, und ich hoffe, dass noch viele weitere Politiker seinem Beispiel folgen werden.» Wie angekündigt, würden die Bilder der inzwischen nicht mehr aktuellen Plakatverstösse von Thomas Leitch umgehend von der Website entfernt.

Politiker üben auch Kritik

Allerdings reagieren nicht alle Aargauer Politiker gleich wie Leitch. Es gibt auch Kritik an Bühlers Website. SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner, von dem auch falsch platzierte Plakate auf wahlwerbung-aargau.ch zu finden sind, sagte zu Tele Züri: «Herr Bühler, sammeln Sie besser für das rote Kreuz, dann machen Sie etwas Gescheites.» FDP-Nationalrat Philipp Müller spricht von «missionarischem Eifer», und CVP-Nationalrätin Ruth Humbel sagt, es sei «eine schwierige Situation und bedauerlich, dass dies gewisse Leute stört.»

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