«Politisieren in Wohlen ist nicht immer ein Schleck. Oft braucht es eine dicke Haut», sagt Thomas Burkard. Dennoch ist ihm die Wohler Politik nicht verleidet. Im Gegenteil, nach acht Jahren im Einwohnerrat will er die nächste Amtsperiode als Gemeinderat in Angriff nehmen: «Ich möchte mich weiterhin politisch für Wohlen engagieren, meine in der Legislative gewonnene Erfahrung künftig aber in der Exekutive einbringen.» Die Gelegenheit für einen Wechsel sei insofern günstig, als dass sein Kollege und Parteifreund Urs Kuhn nicht mehr als Gemeinderat kandidiert.

Neues Führungsmodell als Chance

Thomas Burkard reizt das Amt nicht zuletzt auch deshalb, weil sich mit der revidierten Gemeindeordnung und dem Geschäftsleitungsmodell neue Perspektiven eröffnen: «Diese Veränderungen waren auch ein grosses Anliegen von uns Grünen. Die Wohler Verwaltung mit ihren rund 100 Mitarbeitenden ist ein KMU, das in allen Bereichen endlich professionell geführt werden muss.» Für ihn ist klar, dass die Umsetzung der neuen Strukturen Zeit braucht: «Es ist ein Prozess, der dauert. Ich will mich in diesen Prozess einbringen und mithelfen, dass die Umstrukturierung reibungslos vonstattengeht.»

Für Thomas Burkard ist es «eine gute Sache», dass künftig im Gemeindehaus ein Geschäftsleiter agiert, der wie der CEO eines Unternehmens die Verantwortung für die administrativen Abläufe und das Personal übernimmt. So könne der Gemeinderat sich endlich mehr der strategischen Ebene widmen und müsse sich weniger mit operativen Details herumschlagen: «Es kann nicht die Aufgabe eines Gemeinderatsmitglieds sein, Vorlagen oder Powerpoint-Präsentationen zu erarbeiten», sagt der Gemeinderatskandidat. Viel wichtiger sei es, sich vermehrt mit der künftigen Entwicklung von Wohlen zu beschäftigen und in diesem Bereich entsprechende Konzepte zu entwickeln: «Das ist bisher vernachlässigt worden, auch weil die Zeit dazu gefehlt hat. Jetzt muss aber dringend ein Kulturwandel stattfinden.»

Und in welche Richtung möchte Thomas Burkard die Gemeinde Wohlen entwickeln? «Weg vom Kleinkrämertum. Wir müssen vermehrt Prioritäten setzen und in grossen Zusammenhängen denken.» Dazu, sinniert der grüne Politiker, brauche es aber wohl auch eine Veränderung im Gemeinderat. «Es braucht frischen Wind mit neuen Köpfen und neuen Ideen.»

«Meine Chance ist der Kopf»

Die Grünen sind in Wohlen ein relativ kleines Grüppchen. Rechnet sich Thomas Burkard da überhaupt Wahlchancen aus, zumal der Gemeinderat künftig nicht mehr sieben, sondern nur noch fünf Mitglieder haben wird? «Ich bin auf Stimmen aus dem bürgerlichen Lager angewiesen, das ist klar. Doch meine Chance ist der Kopf, man kennt mich in Wohlen, und ich bin als Einwohnerrat zweimal gut gewählt worden.»

Und zum Thema Grün: «In einer Behörde kann man nicht ideologisch fahren. Da muss man die Probleme lösen, welche die Leute im Dorf beschäftigen», sagt er und hofft, dass es diesbezüglich künftig etwas rascher vorwärtsgeht: «In Wohlen dauert es immer wahnsinnig lang, bis ein Projekt umgesetzt ist. Veränderungen sind aber im Gang, die Kommunikation ist offener und damit auch besser geworden. Zudem werden potenzielle Kritiker deutlich früher als auch schon ins Boot geholt. Das ist ganz in meinem Sinn.»