Handys und Smartphones haben das Telefonieren extrem leicht gemacht. Praktisch jeder besitzt ein mobiles Gerät, mit dem er jederzeit und vor allem überall erreichbar ist. Telefonkabinen, «öffentliche Sprechstellen» wie sie die Swisscom nennt, gehören der Vergangenheit an.

Genauso sehen die Telefonkabinen am Wohler Bahnhof auch aus: als ob sie in Vergessenheit geraten wären. Zwei Kabinen befinden sich direkt neben dem Kiosk und weitere zwei bei der Post in der Nähe des Bahnhofes. Werden diese Telefonkabinen überhaupt noch benutzt? Könnten sie abgeschafft werden?

Reger Telefonkartenverkauf

Gemäss Swisscom werden die Telefonkabinen von drei relevanten Kundengruppen benutzt. Erstens von preisbewussten Leuten, die ins Ausland telefonieren, zweitens von Touristen und drittens von sogenannten «Notfall»-Nutzern. «Notfälle» kommen vor, wenn beim Handy der Akku oder das Guthaben leer ist. Zur Nutzung der Telefonkabinen in Wohlen will die Swisscom keine Angaben machen. Die Aargauer Zeitung hat daher in eigener Sache recherchiert und ist auf erstaunliche Ergebnisse gestossen.

Standort Bahnhof Wohlen: Die Telefonkabinen sind wie ausgestorben. Bei einer Kabine fehlt sogar die Tür. Doch tatsächlich: Nach einigen Minuten betritt ein Mann die Kabine und telefoniert. Ob er oft so telefoniert?

«Das habe ich schon seit langem nicht mehr gemacht. Ich hatte per Zufall noch eine Telefonkarte in der Tasche und habe sie aufgebraucht, um kurz ins Ausland zu telefonieren», sagt der Telefonkabinen-Nutzer.

Ein einzelner Zufall? Anscheinend nicht. Auch die Kioskverkäuferin bestätigt den Gebrauch der Kabinen: «Wir verkaufen pro Tag sicher zwei bis drei Telefonkarten», so Hurije Ickin. Vor allem ältere Leute kaufen die Karten. Einige Male pro Woche werde auch Kleingeld gewechselt.

Die Gemeinde darf mitreden

Nichtsdestotrotz bestätigen die Zahlen der Swisscom den Eindruck, dass die Telefonkabinen ein Relikt sind aus einer Zeit ohne Handys. Innert Jahresfrist ging die Anzahl Gespräche schweizweit um 30 Prozent zurück. «Die Nutzungshäufigkeit oder die Rentabilität allein ist kein Grund, um die Aufhebung der Sprechstellen zu rechtfertigen», so Annina Merk von der Swisscom.

Der Telefonkonzern will das Nischengeschäft weiterhin betreiben. Die Swisscom musste im Jahr 2012 jedoch 900 Telefonkabinen abbauen. Grund für die Schliessung ist, man höre und staune, die sinkende Nachfrage aufgrund der Verbreitung von Handys und die Betreibungskosten. Der Telefonkonzern muss für Standortmieten, Unterhalt, Reparaturkosten und Vandalismus aufkommen. Vielerorts ist das einfach nicht mehr rentabel.

Ein Abbau in Wohlen sei aktuell aber nicht geplant, so Merk. Sowieso käme eine Schliessung nur mit Einverständnis der Gemeinde infrage. Von Gesetzes wegen ist mindestens eine öffentliche Sprechstelle Pflicht.

Obdachlose suchen nach Wärme

In der Wohler Bevölkerung gehen die Meinungen zu den Telefonkabinen auseinander. «Ich finde es wichtig, dass sie stehen bleiben. Auch in der heutigen Zeit haben noch nicht alle ein Handy», sagt eine Passantin. Ein Wohler Bus-Chauffeur hingegen meint: «Diese Kabinen sind überflüssig. Ich sehe im Winter nur die Obdachlosen dort herumlungern, weil sie ein warmes Plätzchen suchen.»

Ob die Telefonkabinen wirklich nötig sind oder nicht, darüber kann gestritten werden. Klar ist: Genutzt werden sie allemal – entweder zum Telefonieren oder als warme Unterkunft von «echten» Notfall-Nutzern.