Muri

Tamara Cantieni: Eine Freiämterin erobert die Comedy-Bühne

Tamara Cantieni auf Zeitreise: Kurz vor ihrem ersten grossen Solo-Auftritt als «Bad Influencerin» sitzt sie nochmals auf dem Flugzeug im Murianer Quartier Bühlfeld, auf dem sie schon vor 40 Jahren gespielt hat.

Tamara Cantieni auf Zeitreise: Kurz vor ihrem ersten grossen Solo-Auftritt als «Bad Influencerin» sitzt sie nochmals auf dem Flugzeug im Murianer Quartier Bühlfeld, auf dem sie schon vor 40 Jahren gespielt hat.

Tamara Cantieni ist in Muri aufgewachsen und ging nach Zürich, um Schauspielerin zu werden. Jetzt startet sie ihr erstes Solo-Programm.

«Früher war das Flugzeug noch so gross wie ein Jumbojet», beteuert Tamara Cantieni, als sie im Murianer Bühlfeld auf den Spielplatz zugeht. Sie stapft auf das alte Gestänge zu – und schon hängt sie kopfüber daran herunter, die langen blonden Haare streifen den Boden. Sie lacht laut. «Früher ging das irgendwie besser. Aber es geht noch», sagt die 45-Jährige breit grinsend.

Hier im Bühlfeld ist sie aufgewachsen, hat vom Kindergarten bis zur Bezirksschule alle Stufen in Muri besucht. Ihre Mutter wohnt noch im Dorf. «Schon meine Zeichenlehrerin, Frau Bachmann, von der Bez Muri fand, ich müsse auf die Bühne», erinnert sie sich. «Ich brachte da schon gern Leute zum Lachen.»

«Ich bin transfinanziell»: Comedienne Tamara Cantieni

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Sie scheint ein Dauerabo für Glück zu haben

Ihre Laufbahn zeigt es: Tamara Cantieni scheint ein Dauerabo für Glück zu haben. Frau Bachmanns Worte im Ohr, bewarb sie sich an der staatlichen Schauspielakademie in Zürich. «Ich wusste nicht, dass sich da 800 bis 1000 Leute für die 12 Plätze bewarben. Keiner schafft es beim ersten Mal. Na ja, fast keiner. Ich hatte riesiges Glück.»

Doch die Klassiker lagen ihr nicht richtig. So wollte sie nach dem Schauspielerdiplom und einem Jahr in Wien ein Praktikum bei Radio Zürisee machen. «Aber die wollten mich nicht als Praktikantin, sondern gleich als Moderatorin. Türe auf, rein, los!», erinnert sie sich. Sie heiratete, wurde Mutter von zwei Kindern und merkte nach einigen Jahren: «Ich muss wieder auf die Bühne.»

Glücksabo ahoi: «Da rief mich ein Kollege vom Theater an und fragte, ob ich in seiner Komödie mitspielen wollte.» Sie zögerte: «In der Akademie sagte man uns, wir seien die Elite der Schauspieler. Mit einer so seriösen Ausbildung kann ich doch nicht Comedy machen. Mittlerweile weiss ich, dass es genau das ist, was ich will.» Vor allem eines macht sie glücklich: «Wenn ich jemanden zum Lachen bringe, egal ob auf der Bühne oder auf der Strasse, habe ich schon gewonnen.»

Das zeigt sie auch auf ihrem Blog www.morethanblond.ch für «Lifestyle mit Humor». «Da habe ich gemerkt, dass es viel besser ankommt, wenn man Produkte mit etwas Humor bewirbt.» Das war das letzte noch fehlende Puzzleteil.

Nun hat sie alles beisammen: Schauspielausbildung, Radiostimme, Bloggersprache, viel Humor und jede Menge Geschichten aus dem Leben. Da ist zum Beispiel ihre Katze Lady, die jeden, wirklich jeden ausser ihr mag. Oder Cousine Jelena, die mit schlechten Beautytipps durchs Internet geistert.

Oder die Verkäuferin, die sogar die Polizei holt, weil sie sie aus dem Luxusladen bugsieren will. Cantieni erklärt: «Ich habe entdeckt, dass ich immer die Wahl habe: Will ich mich aufregen oder darüber lachen? Manchmal muss man sich aufregen. Aber zu lachen bringt einem viel mehr.» Darum nimmt sie in ihrem Soloprojekt die Realität, gibt ihr einen kleinen Twist und beweist so, wie lustig das Leben aus dem richtigen Blickwinkel sein kann.

Sie hätte fast alles hingeschmissen

Heute Freitag ist Premiere in Zürich. Im September, 40 Tage davor, hätte sie beinahe alles hingeschmissen. «Es wollte einfach kein Stück entstehen. Ich fand keinen roten Faden, um die Episoden, die ich erzählen wollte, zu verbinden.» Sie rief ihre Regisseurin Anikó Donáth an und sagte ihr, sie solle alles abblasen.

Beim Brainstorming mit ihr fiel der Begriff, der alles verändern sollte: Bad Influencer. Tamara erzählt nun alles unter dem Aspekt der Gesellschaft, die fast schon in den sozialen Medien lebt. «Es ist grossartig.» Im Stück heisst es beispielsweise: «Früher nannte man jemanden, der nichts tut, einen Arbeitslosen. Heute sind das Influencer. Die zelebrieren ihr Nichtstun im Internet und bekommen auch noch Geld dafür», sagt Cantieni.

Wer einen Traum hat, sollte ihn leben

Im Programm zeigt sie, wie hart das Leben als Influencer sein kann. Aber natürlich auch, wie urkomisch und surreal das Wirken auf den sozialen Medien ist. Dabei ist ihr Ziel – neben schallendem, herzlichem und befreiendem Lachen – auch, allen zu sagen: «Wenn man einen Traum hat, sollte man den ausleben. Es kommt nie eine bessere Zeit dafür als jetzt.» Sie weiss das, denn nichts täte sie lieber, als mit ihrem ersten Solo-Programm auf der Bühne zu stehen. Und nochmals kopfüber am Flugzeug im Bühlfeld zu hängen.

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