Kelleramt
«Take-aways werden auf dem Land kaum Aussicht auf Erfolg haben»

Viele Landbeizen schliessen, trotzdem eröffnet in Oberlunkhofen ein Take-away – ein gewagtes Projekt. Oder doch nicht?

Malte Aeberli
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Ein frisch zubereiteter Döner im Kebab-Haus von Seyfi Mete stillt vielen Wohlern den Hunger: «Das gute Essen und die zentrale Lage bringen den Erfolg.» mae

Ein frisch zubereiteter Döner im Kebab-Haus von Seyfi Mete stillt vielen Wohlern den Hunger: «Das gute Essen und die zentrale Lage bringen den Erfolg.» mae

Malte Aeberli

Der Magen knurrt. Ein Gebrüll wie ein Bär mitten im Wald von Kanada. Es ist höchste Zeit, etwas zu essen. Immer öfter ist der Gang zur Dönerbude, zum Asia-Take-Away oder zum Pizzastand der kürzeste Weg, den Hunger zu stillen.

Schweizweit essen die Leute immer schneller, zeigt eine Studie der HSG St. Gallen. Die Tendenz weg von den Beizen hin zum Take-away ist nicht von der Hand zu weisen.

In Oberlunkhofen schliesst per Ende Mai das «Central» und auch das Restaurant zum Kreuz und das «Litzi» in Jonen stehen vor einer unsicheren Zukunft.

Schnelles Essen, schneller Bau

Josef Füglistaller, Präsident von Gastro Aargau und Wirt des Kellerämterhofs in Oberlunkhofen, sagt dazu lapidar: «Wenn das die Gesellschaft so will, kann man daran auch nichts ändern.» Die Leute seien mittlerweile halt auch schneller in den Ballungszentren und hätten da eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich zu verpflegen. Die Kellerämter müssen aber bald nicht mehr bis in die Stadt, um einen Take-away zu finden.

Schweizer essen immer schneller

Die Zeit rast. Früh aufstehen, ab auf den Bus zur Arbeit oder Schule. Gemäss einer Studie der HSG in St. Gallen nehmen sich die Schweizer weniger Zeit zum Essen. «Es wird immer weniger am Esstisch, zu festen Zeiten gegessen, sondern ausser Haus, wenn es gerade passt», sagt Melanie Bassett, Autorin der Studie über das Essverhalten der Schweizer Bevölkerung in der NZZ. Neben der Arbeit, Pendeln und Freizeitaktivitäten bleibt immer weniger Zeit, die Speisen sorgfältig zuzubereiten. Besonders das Mittagessen falle diesem Trend zum Opfer. Eine grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung nehme das Mittagessen im Restaurant, im Take-away, der Kantine oder am Arbeitsplatz ein. Das Abendessen wird nach wie vor mehrheitlich zu Hause genossen. Fast jeder dritte Schweizer frühstückt aber schon nicht mehr in den eigenen vier Wänden.
Der Wunsch, sich gesund zu ernähren, ist dennoch da. «Wegen Alltagszwängen oder Bequemlichkeit könnten viele diesen Wunsch nicht erfüllen», so Bassett. So ist jeder Dritte unzufrieden mit seiner Ernährung. (mae)

In der direkten Nachbarschaft des Kellerämterhofs eröffnet die Thailänderin Sangduan Anderhub im Frühling dieses Jahres ihren Thai-Take-away «Chaophraya». Bisher war in der kleinen Scheune unter anderem auch schon ein Blumenladen untergebracht. Bald werden nun also andere, fernöstliche Düfte aus dem Häuschen an der Zugerstrasse dringen. Stören tut das Josef Füglistaller überhaupt nicht: «Die Take-aways sind keine Konkurrenz für uns. Höchstens Mitbewerber.» Sie seien in einem ganz anderen Bereich tätig. «Im Gasthaus geht es darum, zusammenzusitzen, das Essen zu geniessen, Witze zu reissen, oder auch mal über ernste Themen zu sprechen. Es geht um Kontakt.» Beim Take-away sei die schnelle Verpflegung das Ziel.

Sangduan Anderhub hat Erfahrung. Im letzten Herbst hat die Thailänderin ihren Schnellimbiss im Zentrum von Muri nach fünf Jahren verkauft. Nun der Neustart im Kelleramt. «Oberlunkhofen ist optimal gelegen», sagt Anderhub. Denn über die Zugerstrasse würden viele Leute nach Hause fahren; nach Unterlunkhofen, Arni oder Ottenbach.

Wer schnelles Essen macht, kann auch schnell bauen. So sagt der Gemeindeschreiber von Oberlunkhofen, Erwin Eichenberger: «Sie hat ohne Bewilligung begonnen das Lokal umzubauen; also haben wir ihr einen Baustopp verordnet.» Letzte Woche kam nun das Okay vom Gemeinderat. Sangduan Anderhub darf weiterbauen. Mitte April soll dann Eröffnung sein. Anderhub hofft auf viel Laufkundschaft aus der Region. Schliesslich habe sie auch mit ihrem alten Geschäft Erfolg gehabt. Warum sollte das jetzt anders sein?

«Geringe Erfolgschancen»

Darauf hat Josef Füglistaller eine klare Antwort: «Ein Take-away-Geschäft ist auf Laufkundschaft angewiesen.» Diese sei in Oberlunkhofen nicht oder nur spärlich vorhanden. «Die Schüler und Handwerker aus der Region werden wohl lieber weiter zu Hause essen», stellt er klar.

Auch die Nachfolgerin von Anderhub in Muri hatte ihre Startschwierigkeiten – trotz Laufkundschaft. «Anfänglich hatte ich sehr wenig Leute im Geschäft», so Renuli Rüegg. Jetzt laufe es aber besser. Der Dönerbudenbesitzer Seyfi Mete aus Wohlen sieht es gleich wie Füglistaller: «Zunächst braucht es schmackhaftes, schnelles Essen und anschliessend Kundschaft, die es haben möchte.» Ohne Leute im Laden werde es schwer.