Kommentar

Tägliger Sozialhilfebezüger: Die Gemeinden sind am Anschlag

Toni Widmer
So berichtete der «Reussbote» ursprünglich über den Fall.

So berichtete der «Reussbote» ursprünglich über den Fall.

Tägerig ist nicht die einzige Gemeinde im Freiamt, in der die Kosten für die Sozialhilfe in die Höhe schnellen. Auch – beispielsweise – Dottikon und Villmergen melden für das letzte Jahr deutlich steigende Zahlen von Sozialhilfebezügern und entsprechend höhere Ausgaben.

Es geht aber nicht nur ums Geld. Es geht auch um die Ressourcen. «Der administrative Aufwand pro Fall ist heute doppelt so hoch wie früher», bilanziert der Tägliger Sozialvorsteher Thomas Widmer. Warum das? Weil unser System auch jenen hilft und sie oft auch noch über lange Zeit schützt, die solcher Hilfe und solchen Schutzes nicht würdig sind. Weil sie nehmen, was zu nehmen ist und nicht bereit sind, auch selber etwas zur Verbesserung ihrer Situation beizutragen. Wenn sich eine Gemeinde gegen solche Schmarotzer wehren will, ist das erstens sehr zeitintensiv und kostet, zweitens, zusätzlich viel Geld.

Die Gemeinden sind vielenorts am Anschlag. Nicht nur finanziell, sondern auch ideell. Sich dauernd mit Problemfällen herumschlagen zu müssen und trotz allen Bemühungen oft wenig bis nichts zur Verbesserung der Situation beitragen zu können – das macht müde. Und es macht wütend.

Kommt dazu, dass unter der nach wie vor zu wenig restriktiven und konsequenten Behandlung von unkooperativen und renitenten Sozialhilfebezügern letztlich jene sozial schwachen Menschen leiden müssen, denen die finanzielle Hilfe vom Staat zu Recht zustehen würde. Solche gibt es wirklich, aber offenbar immer weniger.

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Toni Widmer

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