Tägerig
Bis zu 500 Fahrzeuge pro Tag: Das ist zu viel für die Quartierstrasse

Seit sieben Jahren beschäftigt der Gestaltungsplan Floss- und Stockacher die Tägliger Gemüter. Nun hat das kantonale Baudepartement die Einsprache der Anwohner des Grütweges gutgeheissen. Die Erschliessung der Überbauung muss neu geplant werden. Das freut nicht alle.

Nathalie Wolgensinger
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Der Veloweg nach Mellingen, der Gheidweg, durchtrennt das Baugebiet Floss-und Stockacher in Tägerig. Wie die Überbauung erschlossen werden soll, darüber scheiden sich die Geister.

Der Veloweg nach Mellingen, der Gheidweg, durchtrennt das Baugebiet Floss-und Stockacher in Tägerig. Wie die Überbauung erschlossen werden soll, darüber scheiden sich die Geister.

Severin Bigler (8. Juni 2021)

Es ist die letzte grosse Baulandreserve, die Tägerig überbauen kann. Die Planungsarbeiten für das 20'000 Quadratmeter grosse Baufeld im Gebiet Floss- und Stockacher dauern nun schon sieben Jahre an. Bevor der Gemeinderat den Gestaltungsplan überhaupt vorlegen konnte, mussten erst diverse Landumlegungen realisiert werden. Vor zwei Jahren war es dann soweit: Der Gemeinderat präsentierte seine Pläne für das letzte zusammenhängende Baugebiet am Ortsrand der beschaulichen Freiämter Gemeinde.

Dass das Vorhaben auf Widerstand trifft, zeichnete sich an dieser Infoveranstaltung deutlich ab. Es waren vornehmlich die Anwohnerinnen und Anwohner des Grütwegs die ihre Bedenken gegen die Erschliessung über ihre Quartierstrasse äusserten.

Die Planbeschwerde verhalf ihnen zu ihrem Recht

Der Gestaltungsplan sah nämlich vor, dass die Zufahrt zu den 20 Ein- und Mehrfamilienhäusern im Floss- und Stockacher mit bis zu 88 Wohneinheiten via Grütweg erfolgt. Die 450 Meter lange Quartierstrasse, bisher eine Sackgasse, sollte dazu von 5 auf 7 Meter verbreitert werden. Die Anwohner des Grütwegs hätten, gemäss Prognosen der Planer, bis zu 500 Fahrten pro Tag zu gewärtigen.

Die Tägliger beteiligten sich an der Mitwirkung, und auch die Anwohner der Grütstrasse reichten ihre Vorschläge ein, um ihre Quartierstrasse vom drohenden Mehrverkehr zu entlasten. Doch bewirkt hatten sie damit nichts. Der Gemeinderat legte den Gestaltungsplan wie angekündigt mit der Erschliessung via Grütweg im Januar 2019 öffentlich auf.

Am nordöstlichen Rand der Gemeinde, angrenzend an Landwirtschaftsland, soll die letzte grosse Baulandparzelle Tägerigs überbaut werden.

Am nordöstlichen Rand der Gemeinde, angrenzend an Landwirtschaftsland, soll die letzte grosse Baulandparzelle Tägerigs überbaut werden.

Severin Bigler (8. Juni 2021)

Damit zog er den Groll der Anwohner des Grütwegs auf sich. Um ihre Anliegen durchsetzen zu können, legten sie mit Hilfe eines Anwalts eine Planbeschwerde ein. Christian Bertschinger, der Wortführer der Anwohner, begründet dies wie folgt:

«Wir wünschen uns eine ausgewogene Erschliessung, die nicht einzig zu Lasten des Grütweges geht. Es wurde nämlich keine Interessenabwägung gemacht. Aus diesem Grund legten wir die Beschwerde ein.»

Diese wurde Ende März dieses Jahres vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt gutgeheissen.

Die Planung wird so um Jahre zurückgeworfen

Dies sehr zum Erstaunen des Gemeinderates, insbesondere des Gemeindeammanns Beat Nietlispach. Betonte er doch stets, dass eine Erschliessung via Gheidweg, wie dies die Anwohner des Grütweges forderten, nicht möglich sei.

Die Einmündung einer Erschliessungsstrasse in einen Veloweg sei zu gefährlich, begründete er damals. Dass man die Einwände der Beschwerdeführer guthiess, nimmt Gemeindeammann Nietlispach allerdings zur Kenntnis. Er konsterniert:

«Nun müssen wir uns nochmals damit befassen und andere Varianten prüfen. Wir sind in der Pflicht.»

Man habe diese Variante der Erschliessung gemeinsam mit den zuständigen Behörden ausgearbeitet und damals auch grünes Licht dafür erhalten.

Am meisten ärgert ihn aber, dass die Gemeinde ein Jahr lang warten musste, bis sie diesen Entscheid in Händen hielt. Das verzögert das Projekt um Jahre. Denn nun müssen sich die Verantwortlichen nochmals an einen Tisch setzen und eine neue Lösung finden. Dabei setzt man doch alle finanziellen Hoffnungen auf die erwarteten 200 neuen Einwohner, welche die klamme Lage des 1470-Seelen-Dorfes aufpolieren sollen.