Die volle Härte des Gesetzes bekommt ein 30-jähriger Drogenhändler zu spüren, der unter dem Pseudonym «Swissguru» im Darknet kiloweise Rauschgift beschafft und verkauft hatte und bei dem eine Pistole mit Munition, ein Elektroschockgerät und zwei Schlagstöcke sichergestellt wurden: Sechs Jahre muss er ins Gefängnis.

Zu dieser Strafe verurteilte ihn diese Woche das Aargauer Obergericht, nachdem er gegen das Urteil des Bezirksgerichts Bremgarten in Berufung gegangen war. Dabei wäre er nach der erstinstanzlichen Verurteilung mit fünf Jahren Freiheitsstrafe noch glimpflicher davongekommen.

Für illegale Drogenschäfte ein Bitcoin-Konto eröffnet

Vom Sommer 2015 bis zu seiner Verhaftung im Juli 2017 erwarb der damals drogenabhängige Vital (Name geändert) rund 15,2 Kilogramm Suchtmittel mit einem sehr hohen Reinheitsgehalt. Darunter befanden sich unter anderem Amphetamin, Kokain, Marihuana, LSD-Trips und Ecstasy-Tabletten.

86'000 Franken betrug der Gesamtwert der Drogen. Aus dem gewerbsmässigen Rauschgifthandel, den er professionell aufgezogen hatte, resultierte für den Beschuldigten ein Gewinn von etwa 21'500 Franken. Zum Zweck der Geldwäsche eröffnete der Beschuldigte speziell für seine illegalen Drogengeschäfte ein Bitcoin-Konto in Deutschland und wickelte seinen gesamten Handel in dieser Kryptowährung ab.

Für die Verfehlungen verurteilte ihn das Bezirksgericht Bremgarten im Oktober 2018 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünf Jahren und blieb damit zwei Jahre unter dem von der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten beantragten Strafmass von sieben Jahren.

Durch die Beanstandung der Strafzumessung erhoffte sich Vital, am Obergericht mildere Richter zu finden. Eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfache Geldwäscherei und mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz schien seinem Verteidiger angemessen. Doch das Gericht sprach sich für die Erhöhung der Freiheitsstrafe auf sechs Jahre aus.

Wem hilfts, wenn er ins Gefängnis kommt?

Die Auswirkung der Strafe auf den Angeklagten war für dessen Verteidiger das wesentliche Thema in seiner Berufungsbegründung. Was mit der Freiheitsstrafe angerichtet werde, sei eine Grundsatzfrage: «Wem ist gedient, wenn man ihn ins Gefängnis steckt?»

Bei seinem Mandanten handle es sich um einen jungen Schweizer, der mittlerweile voll im Leben stehe, der einen guten Job ausübe und eine Lohnerhöhung bekommen habe und der in seinem Betrieb sogar befördert worden sei. Er sei inzwischen von der Drogensucht losgekommen und lebe mit seiner Freundin in einer gemeinsamen Wohnung.

Die Staatsanwaltschaft wies die Berufung vollumfänglich ab, weil keine Begründung vorliege, welche eine dreijährige Freiheitsstrafe rechtfertigen würde. Der Beschuldigte habe zu Beginn der Untersuchung kein vollumfängliches Geständnis abgelegt. Der polizeiliche Sachbearbeiter, ein EDV-Spezialist, musste zuerst in mühsamer Kleinarbeit Passwörter und Codes entziffern, und erst dann habe sich der Angeklagte geständig gezeigt.

Verurteilter zeigt Reue

Bei der Befragung vor dem Obergericht sagte Vital aus, dass es ihm mittlerweile körperlich und mental besser gehe. Zudem zeigte er Reue und betonte: «Meine Verfehlungen tun mir von Herzen leid, und ich bedaure die Taten zutiefst.» Er sei damals ins Drogengeschäft eingestiegen, weil er wissen wollte, ob und wie die Sache via Internet funktioniere. «Am Anfang war es der Reiz des Darknets. Ich bin dann immer mehr in die Sache hineingerutscht», sagte er.

Auf die Frage des Gerichts, wie er auf das Pseudonym «Swissguru» gekommen sei, hatte Vital keine Erklärung. Aber mit Guru im geistigen Sinne habe diese Namenswahl keinen Zusammenhang gehabt. Immerhin sei er sicher gewesen, dass man ihm im Darknet nicht auf die Schliche kommen würde.

Aussergewöhnlicher Fall von Drogenkriminalität

Das Obergericht befand, es handle sich hier um einen aussergewöhnlichen Fall von Drogenkriminalität, alleine schon deshalb, weil der Reinheitsgrad der Rauschmittel, mit denen der Beschuldigte gehandelt hatte, ausserordentlich hoch gewesen sei.

Hinzu komme die Art und Weise der Ausübung der Delikte im Darknet. Deshalb verurteilte das Obergericht den Angeklagten für sein «mittelschweres bis schweres Verschulden», wie es in der Begründung hiess, zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren.