Die ausserordentliche Generalversammlung der SVP Wohlen dauerte nur wenige Minuten und war vermutlich die kürzeste in der Parteigeschichte. Weder musste Tagespräsident Jean-Pierre Gallati viele Worte über den einzigen Kandidaten verlieren, noch war die Wahl umstritten. Einstimmig beschlossen die Parteimitglieder ihren Präsidenten Roland Vogt ins Rennen um den freien Sitz im Gemeinderat zu schicken.

Seit 2010 im Einwohnerrat
«Im August wurde bekannt, dass Markus Gsell aus gesundheitlichen Gründen zurücktritt. Diesen Schritt gilt es zu würdigen, nicht jeder Gemeinderat hätte sich das eingestanden», eröffnete Vogt die Versammlung. Dass die SVP mit einem Kandidaten antrete, sei ein Muss, schliesslich sei man die wählerstärkste Partei. «Gemeindeammann Walter Dubler bringt Wohlen viele negative Schlagzeilen. Es braucht Veränderung», so Vogt.

Der 34-Jährige arbeitet bei der Stadtpolizei Zürich, war früher Verkäufer in der Garage Breitschmid, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er ist Trainer der U11-Mannschaft des FC Wohlen. Im Einwohnerrat ist Vogt seit 2010 und dort auch in der Geschäftsprüfungskommission (GPK) tätig.

«Ich will ein neues Gedankengut in den Gemeinderat bringen»: SVP-Gemeinderats-Kandidat Roland Vogt auf den Zahn gefühlt.

«Ich will ein neues Gedankengut in den Gemeinderat bringen»: SVP-Gemeinderats-Kandidat Roland Vogt auf den Zahn gefühlt.

Neun Jahre ohne SVP-Vertreter
Der letzte SVP-Vertreter im Wohler Gemeinderat war Christian Müller, der 1990 gewählt wurde. Müller trat 2006 aus der Volkspartei aus und beendete seine Amtsperiode als Parteiloser. Den Sprung in die Exekutive versuchten 2009 Urs Stäger, Marlis Spörri und der wild kandidierende Peter Tanner, alle drei verpassten die Wahl klar. Roland Vogt kandidierte dann 2013 für den Gemeinderat, ihm fehlten schliesslich 300 Stimmen: Der Sitz von Mathias Jauslin (FDP) ging an den Grünliberalen Markus Gsell, der nun zurücktritt.

Die Wahlchancen von Vogt sind durchaus in Takt. Auf die Frage, ob die SVP im Gemeinderat vertreten sein sollte, sagt Einwohnerrat Thomas Geissmann (FDP): «Unbedingt. Die FDP würde das sehr begrüssen.» Die Liberalen stellen keinen Gegenkandidaten auf. Darauf verzichten auch die anderen Parteien, soweit bisher bekannt. «Ich kenne Roland Vogt aus der Arbeit in der GPK. Er kann mit anderen Parteien zusammenarbeiten, er ist für uns ein valabler Kandidat», so Geissmann.

«Wir wollen Einfluss nehmen und so Ordnung schaffen in Wohlen»: SVP-Fraktionspräsident Edi Brunner im Interview.

«Wir wollen Einfluss nehmen und so Ordnung schaffen in Wohlen»: SVP-Fraktionspräsident Edi Brunner im Interview.

Parteien wollen SVP einbinden
Ein valabler Kandidat, so tönt es auch vonseiten der CVP: «Roland Vogt ist für uns wählbar, er ist umgänglich und man kann mit ihm diskutieren. Er hat vielleicht nicht mit allen amtierenden Gemeinderäten das beste Verhältnis, da muss er sich arrangieren können. Ich bin mir aber sicher, dass ihm dies gelingt», sagt Harry Lütolf, Präsident der CVP Wohlen. Wie sich die CVP verhalten werde, hänge auch davon ab, ob noch andere Kandidaten antreten werden. Eine Alternative sieht Lütolf in Sandra Lehmann (GLP).

Diese hat sich auch überlegt, zu kandidieren, sich aber dagegen entschieden. «Mit meinem Mandat als Grossrätin habe ich genügend zu tun.» Die GLP werde aller Voraussicht nach auch keinen Kandidaten aufstellen. «Wir haben entschieden, dass wir einen geeigneten SVP-Kandidaten unterstützen würden. Ob Roland Vogt dazugehört, haben wir aber noch nicht besprochen», sagt Lehmann. Von einem SVP-Gemeinderat würde sie sich wünschen, dass er dazu beitrage, wieder einen klaren Weg zu finden. «Die SVP muss konstruktiv mitarbeiten, damit wieder mehrheitsfähige Projekte erarbeitet werden können.»

Auch die SP streitet der SVP das Recht auf einen Sitz im Gemeinderat nicht ab. «Die Kandidatur von Roland Vogt haben wir noch nicht besprochen», sagt SP-Vizepräsidentin Corinne Manimanakis. Von einem SVP-Gemeinderat erwarte sie, dass er teamfähig sei und mit Weitsicht politisiere.