Bettwil/Buttwil
SVP-Wahlfeier: Manche ärgerten sich doppelt

Martin Köchli (Grüne) wurmt es doppelt, dass sein Sitz an Wolfgang Schibler (SVP) gegangen ist. Wo einige sogar ohne Wahlplakate gewonnen haben, soll die SVP mit dem Aufzeigen von Problemen politisieren, aber keine Lösungen anbieten.

Andrea Weibel
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Sieger - Wolfgang Schibler (SVP) will Susanne Hochuli (auf dem TV-Bild) auf die Finger schauen
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Neu gewählt - René Bodmer, SVP (links), mit Gregor Biffiger
Wahlfeier SVP

Sieger - Wolfgang Schibler (SVP) will Susanne Hochuli (auf dem TV-Bild) auf die Finger schauen

«Drei Sitze waren unser Ziel, dennoch haben wir damit gerechnet, dass Wolfgang Schibler nur erster Ersatzmann sein wird», gestand der wiedergewählte Grossrat Benjamin Brander (SVP, Muri) gestern an der Wahlfeier seiner Partei. «Jetzt freuen wir uns umso mehr, dass er einen dritten Sitz für uns ergattern konnte.» Esther Bachmann, die Präsidentin der SVP Bezirk Muri, konnte nur ständig wiederholen: «Das ist der Hammer.»
Erfolg ohne Wahlplakate
Die ebenfalls wiedergewählte Milly Stöckli (SVP, Muri) fügte hinzu: «Ganz toll ist auch, dass wir das alles ohne Plakatwerbung geschafft haben.» Die SVP Bezirk Muri hatte sich gegen Kandelaberplakate entschieden, «weil wir finden, dass unsere Leistungen mehr aussagen als Plakate», so Stöckli.
Der einzige, der selber für sich geworben hat - und das sehr aufwändig mit Plakaten in beinahe jeder Gemeinde des Bezirks - war der neu gewählte Grossrat Wolfgang Schibler (SVP, Bettwil).

Selbstbewusst erklärte er: «Ich habe nie gezittert, sondern das Ziel, den dritten Sitz zu holen, im Auge behalten. Wahrscheinlich wird sich eine Dame in Aarau nicht so sehr über meinen Sieg freuen.» Damit meinte er Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne), die den Kanton im Streit um die Asylunterkunft Bettwil vertreten hat. Durch diesen Streit und die Ablehnung des Asylzentrums ist Schibler bekannt geworden.
«SVP hat keine Lösungen»
Auch ein zweiter Grüner freut sich gar nicht über Schiblers Wahl: Noch-Grossrat Martin Köchli (Buttwil). Er wird seinen Sitz im März räumen müssen. «Es ist bedenklich, dass die SVP einzig mit dem Aufzeigen eines Problems so viele Stimmen machen konnte, ohne Lösungen im Asylbereich zu präsentieren, die machbar wären», hielt er fest. Dass sein Sitz an die SVP geht, wurmt ihn doppelt: «Es wäre so wichtig, dass die Politiker wieder glaubwürdige Lösungen erarbeiten würden und aus der Politik nicht nur einen Hockeymatch machen.»
Ursula Huber, die Co-Präsidentin der Grünen Bezirk Muri, zeigte sich ernüchtert über den Sitzverlust: «Nun müssen wir wieder von ganz unten anfangen.» Aber: «Ein Grund zum Aufgeben ist das nicht.» Genauso geht es Köchli: «Ich glaube, ich konnte in Aarau eine konstruktive Kraft sein. Und das Leben bringt noch viele Gelegenheiten, in denen ich mich enga-gieren kann.» Beispielsweise plane er bereits ein Romanprojekt.