Wohlen

SVP und CVP sagen Kampf gegen Asylunterkunft im «Salmen» an

Die Liegenschaft, die vor ein paar Tagen noch pink gestrichen war, ist nun weiss – hier sollen einst 40 Asylbewerber untergebracht werden. Dominic Kobelt

Die Liegenschaft, die vor ein paar Tagen noch pink gestrichen war, ist nun weiss – hier sollen einst 40 Asylbewerber untergebracht werden. Dominic Kobelt

Am Mittwoch hat das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) mitgeteilt, man werde ab Anfang Jahr 40 Asylbewerber in der Liegenschaft «Salmen» unterbringen. Ortsparteien fordern nun ein Standortkonzept und ein Baugesuch für die Umnutzung.

Neue Asylunterkunft in Wohlen (Tele M1, 21.12.2015)

Neue Asylunterkunft in Wohlen

Ungewohnt scharfe Töne schlägt Harry Lütolf, Parteipräsident der CVP Wohlen, gegen dieses Vorhaben an: «Der Flickenteppich an Asylunterkünften wächst in Wohlen weiter an. Kleinstunterkünfte wie der ‹Salmen› – ohne Umgelände und Einrichtungen für die Bereitstellung von Tagesstrukturen – können nicht effizient, effektiv und kostengünstig betrieben werden», heisst es in einer Medienmitteilung.

Die Liegenschaft sei zentral gelegen, jeder fahre mindestens einmal pro Woche am «Salmen» vorbei: «Durch den Entscheid des Kantons wird ein verwahrloster Zustand des ‹Salmen› auf Jahre zementiert. Ein unrühmliches Aushängeschild mitten in Wohlen!» Der Entscheid des Kantons untergrabe damit die geplante Aufwertung der Zentralstrasse, so wie es die CVP schon lange verlange und vom Gemeinderat angestrebt werde.

CVP fordert Standortkonzept

Lütolf stellt klar: «Die Gemeinde Wohlen muss ihre Pflichten im Asylwesen wahrnehmen und soll sich bei der Aufnahme von Asylsuchenden weiterhin solidarisch zeigen.» Trotzdem fordert er, mit dem Kanton müssten «Höchstzahlen» vereinbart werden, «damit Wohlen nicht länger für alle anderen Gemeinden einspringen muss». Mit den Plänen für den «Salmen» offenbare der Kanton «seine aktuelle Konzeptlosigkeit». «Wahllos wird jede Bruchbude angemietet, die dem Kanton angeboten wird.»

Der CVP-Politiker fordert grössere Asylzentren, dafür weniger Standorte. «Nur solche Zentren sind effizient und effektiv zu betreiben. Auch der Kanton hat als erklärtes Ziel, solche Zentren zu schaffen. Eine entsprechende Gesetzesreform wurde diesen Sommer im Grossen Rat verabschiedet. In der Praxis macht der Kanton aber weiterhin das Gegenteil.» Weiter fordert er die Gemeinde auf, proaktiv aufzutreten. «Unsere Behördenvertreter sollen sich mit dem Kanton zusammensetzen und für den ‹Salmen›, aber auch für die geplante unzweckmässige Unterkunft in der Kantonsschule Wohlen eine Alternative ausarbeiten oder vorschlagen. Weitere Kleinst-Asylunterkünfte in Wohlen sollen einbezogen werden. Es muss ein Standortkonzept her.»

SVP will Baugesuch

Auch die SVP lässt sich zur geplanten Asylunterkunft verlauten. Mit dem gewählten Vorgehen entstehe eine Win-win-Situation für Kanton und Liegenschaftsvermieter: «Der Kanton erhält so keinen Widerstand aus der Gemeinde, weil die Rechte der Nachbarn ausgehebelt werden, und der Vermieter verdient sich eine goldene Nase, kann er doch eine marode Liegenschaft für einige Jahre mit sicheren Einnahmen teuer vermieten», schreibt die SVP in einer Medienmitteilung. Die Verlierer seien Gemeinde und Bevölkerung.

Auch die SVP hat eine Lösung parat: «Der Gemeinderat sollte vom Departement Gesundheit und Soziales dringend ein Baugesuch für die Umnutzung der Liegenschaft ‹Salmen› verlangen. Diese Liegenschaft wurde unseres Wissens nicht für 40 Wohnplätze bewilligt und leidet schon im heutigen Zustand darunter, dass zu wenig Parkplätze vorhanden sind.» Das gleiche Problem habe sich im September 2014 bereits bei der Kantonsschule Wohlen gestellt, als die SVP Wohlen-Anglikon den Gemeinderat und das DGS mit Recht darauf hingewiesen habe, dass die Umnutzung der unterirdischen Anlage zwingend eine Baubewilligung brauche.

Auch die SVP gibt zu bedenken, dass die Gemeinde aktuell bereits 65 Asylbewerber beherberge. «Ab dem neuen Jahr werden es dann über 100 Asylbewerber sein. Eine ausreichende Anzahl, welche die Solidarität im Asylwesen mehr als genügend zum Ausdruck bringen wird», heisst es weiter. «Falls in der Kantonsschule weitere 80 Asylbewerber untergebracht werden, bietet die Gemeinde Wohlen über 180 Personen Asyl und hat damit den Sollbestand der Vorgabe des Kantons mit über 350 Prozent überschritten.» Bei aller Solidarität für die aktuelle Lage sei diese Zahl eindeutig zu viel und nicht zu akzeptieren. Wohlen habe heute schon sehr grosse Probleme, «zu einem guten Teil als Folge des hohen Ausländeranteils». Eine neue Asylunterkunft bringe die Gemeinde mittel- oder langfristig zusätzlich in Bedrängnis.

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