Oberwil-Lieli

SVP-Hardliner Glarner macht ernst: Er will eine syrische Flüchtlingsfamilie aufnehmen

Hat ihn der Besuch in einem Flüchtlingslager empathischer gemacht? Die Gemeindeversammlung von Oberwil-Lieli wird im November über die Aufnahme einer syrischen Flüchtlingsfamilie befinden.

Hat ihn der Besuch in einem Flüchtlingslager empathischer gemacht? Die Gemeindeversammlung von Oberwil-Lieli wird im November über die Aufnahme einer syrischen Flüchtlingsfamilie befinden.

Dank des Asylverbunds mit Rudolfstetten-Friedlisberg kann die reichste Aargauer Gemeinde Oberwil-Lieli Zehntausende Franken sparen. Ammann Andreas Glarner schlägt der Gemeindeversammlung nun sogar vor, eine syrisch-christliche Flüchtlingsfamilie aufzunehmen.

Oberwil-Lieli kann fünf Flüchtlinge an die Nachbargemeinde Rudolfstetten-Friedlisberg abtreten – und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Gemeinde kommt nämlich erstens ihrem erklärten Ziel näher, keine Flüchtlinge aufnehmen zu müssen und kann zweitens die vom Kanton auferlegten Strafzahlungen massiv senken. Ein wahrer Kunstkniff.

Wie viel die Gemeinde einspart, will Ammann und Nationalrat Andreas Glarner (SVP) nicht bekannt geben. "Ich möchte dies nicht kommentieren. Sie können davon ausgehen, dass es für uns viel günstiger kommt", sagt Glarner auf entsprechende Nachfrage. 

Es geht um viel Geld

Klar ist: Wenn sich Oberwil-Lieli weiterhin weigert, Flüchtlinge aufzunehmen, dann verrechnet ihr der Kanton Aargau pro Flüchtling und Tag 110 Franken. Weil Oberwil-Lieli aktuell zehn Personen unterbringen müsste, wären dies aufs Jahr ausgerechnet fast 400'000 Franken.

Die Regelung mit der Nachbargemeinde kommt viel günstiger. Diese übernimmt fünf Flüchtlinge. Reduzieren sich dadurch die Kosten von Oberwil-Lieli um die Hälfte, würde die Gemeinde aufs Jahr gerechnet 100'000 Franken einsparen.

Impressionen von der Gemeindeversammlung von Mitte Juni. Oberwil-Lieli hat beschlossen, keine Flüchtlinge aufzunehmen:

Am Donnerstag gab Rudolfstetten-Friedlisberg bekannt, dass die beiden Gemeinden am 29. Juli einen Asylverbund gegründet haben. Der Gemeinderat von Oberwil-Lieli wird den Entscheid am 25. November noch der Gemeindeversammlung vorlegen. Für Rudolfstetten-Friedlisberg ist die Sache beschlossen, wie Gemeindepräsident Josef Brem (parteilos) auf Anfrage erklärt.

Andreas Glarner wird der Gemeindeversammlung aber nicht nur den neuen Asylverbund schmackhaft machen.

Er will auch ein Projekt für Hilfe vor Ort in Syrien vorlegen und vorschlagen, "eine syrische Familie aufzunehmen", so Glarner. "Wenn möglich eine christliche Familie. Die Syrer sind die einzigen, die ein Bleiberecht in der Schweiz haben."

Glarners Reise ins Camp

Diese beiden Vorschläge mögen überraschen und sind als Resultat von Glarners Reise zu zwei Flüchtlingscamps im Norden Griechenlands zu werten. 

Im TalkTäglich von TeleM1 sagte er unmittelbar nach der Reise Mitte Juli: "Wir müssen den Menschen vor Ort helfen." Dieser Satz warf die Frage auf: Hat Glarner eine politische Kehrtwende vollzogen? Noch gut in Erinnerung ist der Schweiz seine Antwort auf die Frage eines ARD-Reporters, was er einer Flüchtlingsmutter mit zwei kleinen Kindern am Grenzzaun zu Europa sagen würde. Glarner: "Dass sie die Reise vergebens gemacht hat."

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