Andreas Glarner will in seiner Gemeinde Oberwil-Lieli keine Asylbewerber. Dafür ist er bereit, nächstes Jahr 290'000 Franken an Bussgeldern aus der Gemeindekasse zu zahlen (wir berichteten). Daraufhin hatte Glarner angekündigt, er wolle mit der Nachbarsgemeinde eine Lösung finden (wir berichteten).

Lieber Geld bezahlen als Unterkünfte einrichten: Oberwil-Lieli will weiterhin keine Asylsuchenden aufnehmen. (Tele M1, 16.9.2015)

Lieber Geld bezahlen als Unterkünfte einrichten: Oberwil-Lieli will weiterhin keine Asylsuchenden aufnehmen. (Tele M1, 16.9.2015)

Auf die Geschichte der Aargauer Zeitung wurde nun auch das deutsche Fernsehen aufmerksam. Ein Reporter des ARD-Morgenmagazins hat die Aargauer Gemeinde und ihren Gemeindeammann besucht.

  • Der ARD-Journalist fragt beim SVP-Politiker nach: «Was sagen Sie zu einer Familie, die am Grenzzaun steht? Einer Mutter mit zwei kleinen Kindern, die verzweifelt ist und bittet, Einlass nach Europa zu bekommen und dort Schutz zu erhalten.»
  • Glarner: «Dass sie die Reise vergebens gemacht hat.»
  • Reporter: «Und was sollen sie machen?»
  • Glarner: «Umkehren.»
  • Reporter: «Warum?»
  • Glarner: «Das sind potentielle Sozialhilfebezüger. Die werden uns für immer und ewig auf der Tasche liegen.»

Glarner fühlt sich falsch dargestellt

Andreas Glarner fühlt sich falsch dargestellt. «Das ist ein Bericht eines ultralinken Journalisten, der nur zum Ziel hatte, mich als herzlosen Bürgermeister darzustellen», sagt Glarner auf Anfrage von watson. Er habe noch viel mehr gesagt, das sei jedoch herausgeschnitten worden. Etwa, dass man vor Ort Hilfe leisten müsse.

Als nächstes präsentiert Andreas Glarner das Stück Land, das die Gemeinde aufgekauft hat, um die leeren Gebäude abzureissen, die sich darauf befanden – damit der Kanton keine Asylbewerber darin unterbringen kann. Glarner: «Wir hatten Befürchtungen, dass uns der Kanton Asylbewerber aufs Auge drücken will. Da haben wir gesagt: Besser abreissen und auf sicher gehen.»

Dass die Gemeinde Oberwil-Lieli 19'000 Franken Busse bezahlt hat, um keine Asylbewerber aufnehmen zu müssen, findet der deutsche Reporter eine «zynische Rechnung». Er fragt beim Kanton Aargau nach.

Gemäss Balz Bruder, Sprecher des Kantons Aargau, sei es nicht im Sinne des Gesetzgebers, aber die Auslegung des Gesetzes ermögliche es, sich von Flüchtlingen «freizukaufen». «Hoffentlich macht dieses Beispiel nicht Schule», sagt Bruder abschliessend.

Zum Schluss des Beitrags findet der ARD-Reporter deutliche Worte: «Ansichten, die anderswo als rechtsradikal gelten, sind hier salonfähig. Oberwil-Lieli, letztlich ein eher dunkler Fleck der Schweiz, der mit der humanitären Tradition des Landes so gar nichts zu tun haben will.»

NEU: watson Content Box (JSON Feed)