Affäre in Wohlen
SVP-Gallati: «Das System Dubler kommt ins Trudeln»

Seit Wochen sorgt die Affäre um Ammann Walter Dubler in Wohlen für Unruhe. SVP-Einwohnerrat Jean-Pierre Gallati, der die Affäre ins Rollen brachte, signalisiert Kompromissbereitschaft, falls Dubler geht oder gehen muss.

Toni Widmer
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Jean-Pierre Gallati zur Affäre um Walter Dubler: «In Wohlen kann es nur besser werden.»

Jean-Pierre Gallati zur Affäre um Walter Dubler: «In Wohlen kann es nur besser werden.»

Annika Bütschi/AZ

SVP-Einwohnerrat Jean-Pierre Gallati hat seit Juni in drei Etappen verschiedene finanzielle Unregelmässigkeiten ans Tageslicht gebracht, die er dem Wohler Gemeindeammann Walter Dubler anlastet. Die Staatsanwaltschaft hat dazu eine Untersuchung eröffnet, das Verfahren ist pendent.

Herr Gallati, drei Vorstösse zur Causa Dubler. Wieso die Salamitaktik?

Jean-Pierre Gallati: Es geht nicht um Salamitaktik. Ich wäre froh, wenn in dieser Sache endlich auch andere handeln würden. Der Gemeinderat muss das Finanzgebaren des Gemeindeammanns umfassend untersuchen und schnell aufräumen. Es sind Anzeichen da, dass er das tut, aber zu zaghaft.

Warum haben Sie nicht gleich alle Ihnen bekannten Unregelmässigkeiten in einen Vorstoss verpackt?

Der Dreck, den ich bei der Prüfung der Rechnung 2014 gefunden habe ist so umfangreich, dass es gar nicht möglich war, alles in einen Vorstoss zu verpacken. Es geht hier um das System Dubler. Der Gemeindeammann agiert flächendeckend nicht sauber.

«System Dubler» – eine Erfindung von Ihnen?

Nein, es war die GLP-Gemeinderätin Doris Becker, die bei ihrem Rücktritt 2009 als Erste davon gesprochen hat. Das System Dubler beinhaltet absolute Günstlingswirtschaft, eine für Politiker nicht unübliche Egomanie und ein verwerfliches Geschäftsmodell im Bereich Finanzen, das auf Selbstbereicherung angelegt ist.

Es gibt Leute, die behaupten, es ginge Ihnen nicht nur darum, allfällige Machenschaften von Walter Dubler aufzudecken. Sie wollten Wohlen politisch an die Wand fahren.

Das ist eine völlig kranke Gedankenführung. Ich habe Belege für kriminelle Handlungen gefunden und es ist meine Aufgabe als Einwohnerrat und Steuerzahler von Wohlen, aktiv zu werden. Es ist eine unerträgliche Situation, dass dieser Mann, der bereits finanzielle Verfehlungen eingestanden und Geld zurückbezahlt hat, noch immer Tag für Tag die amtliche Verfügungsgewalt über unsere Steuergelder hat.

Mit Ihren etappenweisen Vorstössen legen Sie aber zurzeit das politische Geschehen in Wohlen lahm.

Wer sagt denn so etwas? Richtig ist, dass wir in Wohlen eine Führungskrise haben. Da muss man schnell handeln und informieren. Dem Gemeinderat ist es noch nicht gelungen, die Situation zu bereinigen. Aber ich bin überzeugt davon, dass er es schafft.

Der Gemeinderat ist nur beschränkt handlungsfähig, er hat keinerlei Disziplinargewalt gegenüber dem Gemeindeammann. Was soll der Gemeinderat Ihrer Meinung nach tun?

Er kann beim Regierungsrat Antrag stellen, dass dieser die nötigen Disziplinarmassnahmen ergreift, und er wäre an sich auch verpflichtet, Strafanzeige zu erheben, wenn er von finanziellen Unregelmässigkeiten des Gemeindeammanns erfährt. Zumindest jedoch sollte er im Rahmen des von der Staatsanwaltschaft angestrengten Verfahrens Zivilforderungen stellen. Ich bin zuversichtlich, dass er das noch tun wird.

Die Affäre Dubler hat Wohlen politisch lahmgelegt. Freut Sie das?

Das ist, gelinde gesagt, eine ziemlich einfältige Frage. Erstens liegt es nicht in meiner Absicht, Wohlen politisch lahmzulegen, und zweitens ist das auch überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil: In Wohlen bewegt sich gerade ziemlich viel. Das System Dubler hat Wohlen in eine Abwärtsspirale gebracht, wir sind von einer gesunden Gemeinde zu einer strukturschwachen Gemeinde geworden. Walter Dubler hat sich darauf konzentriert, in Aarau um Entwicklungshilfe zu betteln, anstatt die Gemeinde vorwärtszubringen. Jetzt kommt endlich das System Dubler ins Trudeln und somit kann es mit Wohlen nur noch aufwärtsgehen.

Wenn es mit Wohlen aufwärtsgehen soll, muss aber auch die SVP ihren Beitrag leisten. Wird sie das tun und sich kompromissbereiter zeigen als bisher?

Auf der persönlichen Ebene hatten die SVP und auch ich mit keinem Gemeinderatsmitglied ein Problem, ausser mit Walter Dubler. Wenn er geht oder gehen muss, wird das sicher dazu führen, dass sich der Gemeinderat künftig kooperativer zeigt und die Parteien integriert statt spaltet.

Was bedeutet das konkret?

Die erfolgreichen Gemeindeammänner sind die, die zu allen politischen Kräften und zur Bevölkerung ein gutes Verhältnis haben, offen informieren und mit sachlichen Argumenten überzeugen. Das System Dubler hingegen baut auf Druck, selektive Information und flächendeckende Manipulation. Nicht nur innerhalb von Wohlen, sondern auch nach aussen, gegenüber dem Grossen Rat und dem Regierungsrat. Diesbezüglich kann es in Wohlen nur besser werden.

Wenn Dubler weg ist, wird Wohlen aber dennoch nicht umgehend zum SVP-Eldorado.

Das verlangt ja auch niemand. Aber vielleicht wird die SVP dann besser integriert und mit einbezogen. Die SVP ist grundsätzlich kompromissbereit. Aber Kompromisse schliessen heisst, aufeinander zuzugehen. Bisher hat man selten bis nie einen Schritt auf uns zu gemacht, sondern lediglich verlangt, dass wir auf die anderen zugehen.

Ohne Dubler ist die SVP bei Badi und Eisbahn dabei?