Dass es in Wohlen noch keine Grüngutgebühr gibt, ist – je nach politischer Sichtweise – der Verdienst oder die Schuld von Peter Tanner. Der 59-jährige SVP-Einwohnerrat, der selber gerne im Garten wirkt und sich mit der Pefi-Waldstiftung für mehr Naturwahrnehmung einsetzt, stand an der Spitze des Komitees, das gegen eine Grüngutgebühr kämpfte. Für Tanner ist klar: Er und seine Partei werden auch den neuesten Versuch des Wohler Gemeinderats bekämpfen. Dieser plant laut dem «Wohler Anzeiger», bereits per 1. Januar 2013 eine verursachergerechte Grüngutgebühr einzuführen. Derzeit ist die Bauverwaltung mit der Erarbeitung von diversen Varianten beschäftigt, eine Vorlage soll im Sommer oder Herbst im Einwohnerrat behandelt werden.

Widerstand schon angekündigt

«Die Kommission für Natur und Umwelt wurde über diese Pläne des Gemeinderats informiert», sagt Tanner. Er selber sei bei der entsprechenden Sitzung nicht dabei gewesen, SVP-Fraktionspräsident Edwin Brunner habe aber klar Position bezogen: «Wir sind gegen neue Gebühren und werden deshalb die Vorlage für eine Grüngutgebühr sicher bekämpfen.»

Tanner betont, das Wohler Stimmvolk habe die Gebühr seit 1996 schon dreimal abgelehnt. «Aus meiner Sicht gibt es absolut keinen Grund, nun wieder damit zu kommen», sagt er.

Kanton verlangt Grüngutgebühr

Dies sieht «Aarau» anders: Gemäss einer Erhebung der kantonalen Abteilung für Umwelt ist Wohlen eine von 17 Gemeinden im Freiamt, die keine mengenabhängige Grüngutgebühr kennt. All diesen Gemeinden empfiehlt das Departement für Bau, Verkehr und Umwelt, ihre Abfallreglemente anzupassen. Peter Tanner ist von dieser Forderung wenig beeindruckt. «Im ganzen Kanton sind es
43 Gemeinden, die keine derartige Grüngutgebühr haben, wir sind also in bester Gesellschaft», erklärt er.

In Wohlen werden die Kosten für die Grünabfuhr bisher mit Steuergeldern finanziert. 800000 Franken gibt die Gemeinde jährlich dafür aus, dies entspricht rund 3 Steuerprozenten. Zuletzt wollte der Gemeinderat die Grüngutgebühr einführen und den Steuerfuss im Gegenzug entsprechend senken – dennoch scheiterte die Vorlage an der Urne. Ob mit oder ohne Steuersenkung, für Tanner ist klar: «Das Volk muss auf jeden Fall das letzte Wort haben, dies sollte der Einwohnerrat berücksichtigen.»