Die SVP-Einwohnerräte Marco Palmieri und Christian Lanz haben eine dringliche Motion eingereicht mit dem Ziel, den Steuerfuss in Wohlen um 8 % zu senken. Ist das realistisch? Die az hat den Wohler Finanzminister Roland Vogt gefragt.

Roland Vogt, die Rechnung 2016 schloss um fast eine Million Franken besser ab als erwartet, und dank dem neuen Finanzausgleich kann Wohlen künftig mit über 2,5 Mio. Franken zusätzlichen Einnahmen rechnen. Schwimmt die Gemeinde im Geld?

Roland Vogt: Nein. Wir müssen den Gürtel weiterhin eng schnallen. Nach wie vor ist der Pro-Kopf-Steuerertrag vergleichsweise sehr gering und dennoch müssen wir in den nächsten Jahren Investitionen von rund 100 Mio. Franken finanzieren: Badi und Eisbahn, aber auch Bahnhof, Schulraum und später die Zentralstrasse sowie in die Werterhaltung der gemeindeeigenen Liegenschaften müssen wir investieren. Das ist nicht so einfach bei der geringen Selbstfinanzierung, die wir ausweisen. Sie war auch 2016 deutlich zu klein. Wenn wir sie nur schon um etwa eine Million Franken pro Jahr verbessern könnten, stünden wir deutlich besser da.

Ihre Parteikollegen Marco Palmieri und Christian Lanz sehen das anders. Sie wollen den Steuerfuss auf 105 % senken. Was sagen Sie dazu?

Eine Steuersenkung um 8 % erachte ich zum jetzigen Zeitpunkt als unrealistisch.

Warum? Immerhin kommt Wohlen jetzt über den Finanzausgleich zu ansehnlichen Zusatzeinnahmen.

Der Finanz- und Lastenausgleich betrug bisher rund 1,5 Mio. Franken, neu liegt er bei rund 4 Mio. Das ist Geld, welches wir bekommen, um unsere Aufgaben als Zentrumsgemeinde besser finanzieren zu können. Entsprechend müssen wir es auch einsetzen. Die 2,5 Mio. sind nicht einfach ein Geschenk, das wir nach Belieben verwenden können.

Im Abstimmungskampf zum Finanzausgleich wurde aber versprochen, dem Bürger etwas zurückzugeben.

Das ist richtig. Und es wäre ja auch schön, wenn wir jetzt einfach etwas Geld unter die Bevölkerung verteilen könnten. Wir müssten wir jetzt unsere Steuern um 3 % senken. Doch ob das möglich ist, müssen wir im Rahmen der Budgetierung abklären.

Also hat der Bürger letztlich nichts von dem Geld und wurde bei der Abstimmung somit übers Ohr gehauen?

Halt, so ist das natürlich nicht. Der höhere Zustupf aus dem Finanzausgleich hilft uns, die finanzielle Situation der Gemeinde längerfristig zu verbessern. Und davon profitiert letztlich auch jeder einzelne Steuerzahler. Zum Beispiel sind wir dank den 2,5 Mio. Franken in der Lage, die Zentrumslasten besser zu verteilen und mehr zu investieren.

Der Gemeinderat gibt also künftig einfach (noch) mehr Geld aus?

Auch diese Folgerung ist falsch. Es gibt in Wohlen einen ansehnlichen Nachholbedarf an Investitionen, die man über Jahre hinausgeschoben hat. Kommt dazu, dass wir in den nächsten Jahren mit steigenden Kosten, unter anderem im Sozial- und Gesundheitsbereich, rechnen müssen.

Das heisst, Wohlen kann künftige Investitionen besser verkraften.

Genau. Es gibt uns etwas Luft und ermöglicht uns hoffentlich auch, die Pro-Kopf-Verschuldung zu reduzieren. Sicher ist es immer so, dass zusätzliche Einnahmen dazu verleiten können, das Geld lockerer auszugeben. Der Gemeinderat Wohlen ist sich aber bewusst, dass er nach wie vor auf die Ausgabenbremse treten und den eingeschlagenen Sparkurs beibehalten muss. Davon abzurücken und das Geld locker auszugeben wäre ein falsches Signal an die Bevölkerung und auch an die umliegenden finanzstarken Gemeinden, die jetzt unter Umständen mehr in den Finanzausgleich zahlen müssen.

Im Zusammenhang mit laufenden und bevorstehenden Grossprojekten hat der Gemeinderat mehrmals von einer Verknüpfung mit dem Steuerfuss gesprochen. Ist denn zumindest diesbezüglich eine Entspannung möglich?

Im Zusammenhang mit dem Sportpark Bünzmatt, also den Projekten Badi und Eisbahn, hat der Gemeinderat von einer Steuererhöhung von 1 bis 1,5 % gesprochen. Es ist möglich, dass es zu einer Anpassung kommt. Aber es ist noch keineswegs sicher, denn wir haben – wie eingangs erwähnt – in der nächsten Zeit noch viele Investitionen zu verkraften.

Die Steuern werden also kaum fallen, aber auch nicht steigen?

In der aktuellen finanziellen Situation wird es kaum zu einer Steuererhöhung kommen. Aber definitiv zeigen wird das erst die Budgetierung, die wir im Gemeinderat jetzt in Angriff genommen haben.