Betrugsfall
Suspendierter Ammann Walter Dubler fordert von der Gemeinde Wohlen Geld zurück

Gestützt auf ein Gutachten, das der Gemeinderat Wohlen in Auftrag gegeben hat, fordert der suspendierte Gemeindeammann von der Gemeinde Geld zurück.

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Dubler fordert jenen Teil der Honorare aus seiner Tätigkeit als Verwaltungsrat der BDWM Transport AG zurück, die in der Zeit von 2010 bis 2015 der Gemeinde Wohlen ausbezahlt worden sind. (Archivbild)

Dubler fordert jenen Teil der Honorare aus seiner Tätigkeit als Verwaltungsrat der BDWM Transport AG zurück, die in der Zeit von 2010 bis 2015 der Gemeinde Wohlen ausbezahlt worden sind. (Archivbild)

Was Christian Bär als Verteidiger des suspendierten Wohler Gemeindeammanns Walter Dubler im Plädoyer an der Verhandlung vor dem Bezirksgericht Zurzach angetönt hat, ist offenbar passiert.

Dubler fordert jenen Teil der Honorare aus seiner Tätigkeit als Verwaltungsrat der BDWM Transport AG zurück, die in der Zeit von 2010 bis 2015 der Gemeinde Wohlen ausbezahlt worden sind. SVP-Grossrat Martin Keller hat gegenüber der az bestätigt, dass er an der BDWM-Generalversammlung vom nächsten Mittwoch in Bremgarten in dieser Sache Fragen stellen wird.

Gemeindeammann Walter Dubler wurde als Wohler Vertreter vom Gemeinderat in den Verwaltungsrat der BDWM delegiert und hat diesem Gremium seit 2001 angehört. Nach seinen bekannt gewordenen finanziellen Verfehlungen, für die er in erster Instanz vom Bezirksgericht Zurzach zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt worden ist, hat er mittlerweile seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat eingereicht.

Die Honorare als Verwaltungsrat hat Walter Dubler in der ganzen Zeit nie in vollem Umfang der Gemeinde Wohlen abgeliefert, obwohl er das laut Reglement mit Einkünften aus Nebenämtern eigentlich hätte tun müssen. Jedoch nicht für die Zeit von 2010 bis 2015, sagt ein Gutachten, welches der Gemeinderat Wohlen 2015 nach einer Anfrage des damaligen SVP-Einwohnerrats Jean-Pierre Gallati beim Badener Juristen Michael Merker in Auftrag gegeben hat.

Merker folgert, dass Dubler nach einer 2010 erfolgten Statutenänderung der BDWM als Verwaltungsrat nicht mehr Vertreter der Gemeinde Wohlen war, sondern es sich dabei um ein rein privates Mandat handelte. Wie einer Aufstellung der BDWM zu entnehmen ist, die mit der Beantwortung eines politischen Vorstossen im Herbst 2015 öffentlich wurde, geht es um rund 55 000 Franken.

Rechtsstreit zeichnet sich ab

Der Wohler Vizeammann Paul Huwiler wollte die Rückforderung von Dubler auf Anfrage der az «weder bestätigen, noch dementieren». Auf die Frage, ob die Gemeinde Wohlen allein aufgrund des vorliegenden Gutachtens auf eine solche Rückforderung eintreten würde, sollte sie denn tatsächlich eingereicht werden, sagte Huwiler: «Der Gemeinderat vertritt jederzeit die Interessen der Gemeinde Wohlen und handelt nach dem Legalitätsprinzip. Jede Handlung hat sich auf einen entsprechenden Erlass zu stützen, beziehungsweise auf einen in der jeweiligen Angelegenheit ergangenen Entscheid der zuständigen Instanz.» Was so viel heisst wie: Wenn Dubler eine solche Forderung stellt, wird die Gemeinde Wohlen diese wohl gerichtlich beurteilen lassen.

Fordert Gemeinde Geld zurück?

Nun hat Walter Dubler jedoch von 2001 bis 2010 rund 15 000 Franken Honorare und Spesen aus seiner Tätigkeit als BDWM-Verwaltungsrat auf sein privates Konto auszahlen lassen. Das geht aus einer im September 2015 erfolgten Antwort des Gemeinderates auf eine Anfrage von Jean-Pierre Gallati hervor. Laut Reglement hätte Dubler dieses Geld der Gemeinde Wohlen überweisen müssen. Das lässt sich auch aus dem Gutachten von Michael Merker schliessen.

Stellt Dubler tatsächlich eine Rückforderung für die Honorare in der Zeit von 2010 bis 2015, fordert dann die Gemeinde Wohlen auch jene 15 000 Franken zurück, die er von 2001 bis 2010 unrechtmässig bezogen hat? Auch dazu wollte sich Paul Huwiler nicht äussern: «Der Gemeinderat gibt keine Auskünfte zu laufenden oder möglichen künftigen Verfahren.»
Die az hat Dublers Anwalt Christian Bär per Mail um eine Stellungnahme in dieser Angelegenheit gebeten, aber bisher keine Antwort erhalten.