Wenn der amtierende Supermoto-Weltmeister nach dem Rennen sich vor dem Murianer Motorrad-Urgestein Dani Müller verneigt, muss etwas Besonderes passiert sein. Dazu erzählt Müller: «Ein Freund hat mich dem Weltmeister Thomas Chareyre als 40-Jähriger vorgestellt. Als ich ihn daraufhin korrigierte und ihm mitteilte, dass ich letztes Jahr 50 geworden bin, ging dieser vor mir auf die Knie.» Das sei eindrücklich gewesen, da habe er sich geehrt gefühlt, so Müller.

Vorausgegangen war ein atemberaubender Auftritt Müllers beim Supermoto-Klassiker im belgischen Mettet. Alles, was in der internationalen Szene Rang und Namen hatte, war am Start. 300 Teilnehmer kämpften im Ausscheidungsmodus um die begehrten 46 Finalplätze. Nur schon das Erreichen des Endlaufes war ein Erfolg. Müller war aber damit noch nicht zufrieden. Jetzt hatte er Lunte gerochen. Grund zu seinem Optimismus gaben ihm die starken Qualifikationszeiten. Im Halbfinal belegte er Rang sechs. Im Viertelfinal fuhr er sogar Bestzeit.

An Rang fünf geschnuppert

Dabei hatte das Wochenende für ihn alles andere als gut begonnen. «In den ersten Zeittrainings kam ich nicht auf Touren. Darauf habe ich mit meinem Team die Rennmaschine noch einmal von Anfang an überarbeitet und dadurch die ideale Abstimmung gefunden.»

In der Tat lief es danach dem Vize-Schweizer Meistervon 2015 wie am Schnürchen. Einer starken Qualifikation folgte ein unglaublicher Finallauf. Nach einem perfekten Start von Rang elf reihte er sich als Sechster hinter der Spitzengruppe ein. Zwischenzeitlich lag für ihn sogar Rang fünf in Reichweite. Entgegen jeder Alterslogik konnte er die Pace bis ins Ziel durchhalten. Der sechste Rang war schliesslich der verdiente Lohn für eine grandiose Leistung. Für Rang fünf fehlten nur rund drei Sekunden. Sieger des Klassikers wurde wenig überraschend Weltmeister Thomas Chareyre aus Frankreich. Aus Murianer Sicht hinterliess auch Patrick Tellenbach mit dem 13. Rang einen überzeugenden Eindruck.

Ein Jahr nach dem zweiten Gesamtrang in der Schweizer Meisterschaft verblüffte Müller als 50-Jähriger die Motorradsportwelt erneut. Dass der diesjährige Schweizer-Meisterschaft-Gesamtvierte zu solchen Leistungen fähig ist, überrascht in der Schweizer Szene niemanden mehr. Seit dem Auftritt in Belgien hat er sich aber auch international ein Denkmal gesetzt. «Für mich war Belgien der absolute Saisonhöhepunkt. Ich habe auf diesen Auftritt viele positiven Rückmeldungen erhalten, auch vom Ausland», erzählt Müller nicht ohne Stolz.

Nebenbei aufs Matterhorn

Gut möglich, dass ein anderes persönliches Highlight etwas zu dieser Leistung beigetragen hat. Im Sommer erfüllte sich nämlich der leidenschaftliche Berggänger einen lang ersehnten Wunsch. Während normaltickende Bergleute sich mit Wanderungen oder Bike-Touren begnügen, bestieg Müller das Matterhorn. Dass nun in seinem Hinterkopf die Eigernordwand herumschwirrt, zeigt auf, dass auch diese Sparte für ihn keine Grenzen zu haben scheint.

Für Müller kam dieser Erfolg im richtigen Zeitpunkt. «Meine Verträge laufen Ende Saison aus. Wie es weitergeht, weiss ich noch nicht.» Er könne sich vorstellen weitere zwei Jahre anzuhängen, fuhr er fort. «Dazu müssen aber alle Ausgaben abgedeckt sein», stellt er als Bedingung. Mit diesem Resultat hat er sich jedenfalls eine gute Verhandlungsposition erarbeitet.