Wohlen

Suizid-Ausstellung mit vielen Emotionen: «Es ist kein einfaches Thema für die Besucher»

Ausstellungsmacher Martin Steiner vor dem Plakat zu «Leben, was geht!» in Wohlen.

Ausstellungsmacher Martin Steiner vor dem Plakat zu «Leben, was geht!» in Wohlen.

Bei «Leben, was geht!» erzählen in Wohlen Suizid-Hinterbliebene.

Der Tod ist ein heikles Thema, über das man in unserer Gesellschaft nicht gern redet. Geht es dabei auch noch um Suizid, wird es noch schwieriger. Genau deshalb ist es um so notwendiger, darüber offen und wertefrei zu diskutieren und informieren, findet Ausstellungsmacher Martin Steiner.

In Zusammenarbeit mit der Kantonsschule Wohlen, wo er als Lehrer unterrichtet, und dem Kanti Forum hat er das interaktive Ausstellungsprojekt «Leben, was geht!» erarbeitet.

Das Herzstück der Ausstellung in der Aula der Kanti ist vom 14. bis 19. März eine «Living Library». 20 familiär oder beruflich Direktbetroffene im Umfeld eines Suizids erzählen, wie sie davon betroffen waren und wie sie damit umgegangen sind. Zu Wort kommen beispielsweise ein Vater, eine Freundin, eine Tochter, ein Ehemann, Bestatterinnen, ein Seelsorger, eine Polizistin, ein Philosoph, eine Mutter oder ein Überlebender.

Am ersten Wochenende der Ausstellung werden 14 der 20 Personen selber anwesend sein und in Dialogen mit den Besuchern ins Gespräch kommen. Während den restlichen Tagen sind ihre Erzählungen in Podcast-Form zu hören, die zwischen 9 und 30 Minuten lang sind. Besonders die beiden ersten Tage versprechen viel. Martin Steiner sagt: «Für die Besucher wirds eine Begegnung aus erster Hand mit dem Thema. Der Gesprächsinhalt ist nie derselbe.»

Die Besucher sollen aus verschiedenen Blickwinkeln die Themen Suizid und ernsthafte Krisen kennen lernen, um darauf sensibilisiert zu sein und präventiv handeln zu können. Die Begegnungen spielen sich auf einer menschlichen Ebene ab. Gestaltet ist die Ausstellung mit verschiedenen Panels, Modulen und einem Postenparcours.

«Es ist kein einfaches Thema für die Besucher»

Die Ausstellung soll ein Pol der Ruhe sein. Jede Besucherin und Besucher kann sich ganz individuell damit auseinandersetzen. «Man muss sich auf alle Fälle Zeit nehmen. Gleichzeitig kann man selber entscheiden, wie weit man sich persönlich einbringen möchte. Es ist kein einfaches Thema, auch für die Besucher nicht. Die Geschichten brauchen viel Zeit und sind emotional. Das verlangt auch eine gewisse Öffnung der Besucher», sagt Steiner.

Nur schon die Podcasts beinhalten über drei Stunden Ton. Steiner bittet die Besucher, ihr Handy und Kopfhörer mitzubringen, da viele Module auch via Internet funktionieren (QR-Codes, um an einzelnen Posten teilnehmen zu können).

Die Ausstellung rund ums Thema Suizid soll nachhaltig wirken. Die Website mit den Podcasts bleibt auch in Zukunft verfügbar. «Hinterbliebene sol­len die Möglichkeit bekommen, ein Stück des Mittragens zu erleben, um über den Verlust hinwegzukommen. Die Reflexion der Trauerarbeit hört nicht mit der Beerdigung auf. Die Erin­nerung kommt immer wieder hoch», sagt Steiner. Für ihn ist «Leben, was geht!» die fünfte Ausstellung seit 2009. Eine Ausstellung mit vielen Emotionen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1