Wohlen
Suchtkranker Wohler Disco-Schütze muss Strafe absitzen

Ein 42-jähriger Serbe, der im Rausch in einer Wohler Disco um sich schoss, wird nicht vorzeitig entlassen. Das Obergericht reduzierte seine Strafe lediglich um einen Monat.

maja sommerhalder
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Tatort

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«Ich muss mich selber therapieren und will mein Leben nicht in Gefängnissen und Suchtstationen verbringen», sagt Ivan (Name geändert) vor dem Aargauer Obergericht. Der 42-jährige Serbe will erreichen, dass seine zweijährige Freiheitsstrafe um sechs Monate reduziert wird.

Das Bezirksgericht Bremgarten hat den grossen und kräftigen Mann im Mai dieses Jahres verurteilt, weil er am 15. März 2009 in einer Wohler Disco mit einer Pistole drei Schüsse abfeuerte. Dass er damals keinen der 200 Discobesucher verletzte oder tötete, war pures Glück. Ivan, der in dieser Nacht im Drogen- und Alkoholrausch war, will vor dem Obergericht nur so viel zu seiner Tat sagen: «Ich habe einen grossen Fehler begannen und schäme mich.»

Warum hat er geschossen? «Wegen Eheproblemen rutschte ich immer tiefer in die Alkohol-, Drogen-, Medikamente- und Spielsucht. Ich litt unter Depressionen und habe nur noch schwarz gesehen.»

«Ich habe die Sucht im Griff»

Wegen der Suchtprobleme muss er einen Teil seiner Freiheitsstrafe in einer stationären Massnahme verbringen. Seit August lebt er in einer Klinik für Suchtkranke, wo er sicher noch bis zum nächsten März bleiben muss. Ivan findet aber, dass er schon jetzt geheilt und bereit für die Freiheit ist: «In der ersten Zeit im Gefängnis litt ich unter furchtbaren Entzugserscheinungen.

Nach ein paar Monaten war ich aber sauber und bin es immer noch. Ich habe meine Sucht unter Kontrolle.» Zudem habe er schon ein Jobangebot: «Ich könnte im Café eines Freundes arbeiten und hätte dann endlich mehr Zeit für meine Kinder.» Er wünscht sich auch, dass er seine Eheprobleme lösen kann und wieder mit seiner Frau zusammenkommt. Auch sein Anwalt findet, dass eine ambulante Therapie ebenso erfolgversprechend ist.

Noch zwei Therapiephasen

Staatsanwältin Stéphanie Beynon sieht das aber anders und findet, dass an der Freiheitsstrafe von 24 Monaten nichts zu beanstanden ist. Sie macht darauf aufmerksam, dass Ivan schon seit seiner Jugend unter Süchten leidet und psychische Störungen hat: «Die Reue des Täters darf nicht über seine Gefährlichkeit hinwegtäuschen.» Beynon ist auch der Meinung, dass Ivan noch in der Suchtklinik bleiben sollte: «Die erste Phase der dreistufigen Therapie wurde eben erst abgeschlossen.»

Das Obergericht gibt der Staatsanwältin recht und reduziert die Freiheitsstrafe lediglich um einen Monat – dies aber nur aus technischen Gründen. Nach der Gerichtsverhandlung muss Ivan deshalb sofort wieder zurück in die Suchtklinik – er hat noch zwei Therapiephasen vor sich, bis er wieder in die Freiheit darf.