Wohlen

Suchtberatung: Alter schützt vor Torheit nicht – auch beim Alkohol

Pasquale Carucci, Leiter der Suchtberatungsstelle Freiamt, gibt den älteren Menschen gute Ratschläge. BA

Pasquale Carucci, Leiter der Suchtberatungsstelle Freiamt, gibt den älteren Menschen gute Ratschläge. BA

Die Suchtberatungsstelle Freiamt veranstaltete ein Gespräch am runden Tisch in der Casa Güpf. Diskutiert wurde das Tabuthema Alkohol im Alter. Pasquale Carucci, Leiter der Suchtberatungsstelle gab Auskunft.

Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren – aber es müssen nicht mehrere Gläser Alkohol am Tag sein. Unter dieses Motto stellte gestern Pasquale Carucci, Leiter der Suchtberatungsstelle Freiamt, im Restaurant Casa Güpf in Wohlen ein Gespräch am runden Tisch über das Thema «Alkohol und Genuss im Alter».

Junge Leute, die sich am Wochenende betrinken, sind längst ein Thema. In einer Tabuzone halten sich hingegen heute die älteren, alkoholabhängigen Menschen auf. Sie geniessen den trügerischen Schutz der Gesellschaft, die über das bestehende Problem nicht unbedingt reden will. Die Präventionskampagne des Eidgenössischen Bundesamtes für Gesundheit sorgt dafür, dass die Zahlen und Fakten ans Licht kommen.

Aufklären, nicht denunzieren

«Wir wollen nicht mit dem Finger auf die betroffenen Menschen zeigen. Wir laden die Bevölkerung zu einem Dialog über die Suchtproblematik ein», sagte Carucci.

Neun Prozent der 60- bis 69-Jährigen trinken in der Schweiz laut Statistik regelmässig zuviel Alkohol. Nachher nimmt der Missbrauch wieder ab. Chronische Trinker verkürzten ihr Leben im Extremfall um 20 Jahre, erklärte Carucci.

Ähnliches gelte für süchtige Raucher. «Man muss wissen, dass der Alkohol im Körper eines alten Menschen schneller anschlägt.

Deshalb ist es gut, wenn man den Konsum einschränkt. Ein Glas Wein zum Essen ist nicht schädlich. Man muss den Wein aber geniessen können und darf es damit nicht übertreiben.»

Eine Gesprächsteilnehmerin im Pensionsalter erklärte, wie sie ihre Trinkgewohnheiten im Griff hält: «Ich schenke mir jeweils zum Nachtessen ein Glas Wein ein, aber lasse die Flasche in der Küche stehen. So bleibt es bei einem Glas. Denn sonst müsste ich ja wieder von der Stube in die Küche zurückgehen. .»

In einer Krise besonders gefährdet

Menschen in einer Lebenskrise seien im Alter stark gefährdet, sagte Carucci. Wer sich einsam, abgeschoben und unverstanden fühle, der gerate eher unter die Räder. Es sei ratsam, sich rechtzeitig mit der Suchtberatungsstelle in Verbindung zu setzen. Altersspezifische Hilfe bietet auch die Beratungsstelle der Pro Senectute in Wohlen an.

Meistgesehen

Artboard 1