Niederwil

«Stumpen-Drehen ist kein Kinderspiel»

Anna Hegi beim Herstellen eines Stumpens, unter kritischer Begutachtung von Besuchern..sl

Anna Hegi beim Herstellen eines Stumpens, unter kritischer Begutachtung von Besuchern..sl

Schneiden, pressen, formen rollen, einwickeln: Anna Hegi bot im «Reusspark» Einblick in die Verarbeitung von Tabak. Sie betont, dass das Drehen von Stumpen «alles andere denn ein Kinderspiel ist.»

Nach einem feinen Essen eine würzige Zigarre oder einen währschaften Stumpen zu rauchen, hat durchaus seinen Reiz. Nur auf den ersten Blick reizvoll ist das eigenhändige Drehen von Zigarren oder Stumpen. Vielmehr handelt es sich um eine sehr aufwändige und zudem trickreiche Angelegenheit. Da spart das Kaufen der braunen Endprodukte in einem Tabakgeschäft sehr viel Mühe und Zeit ein.

Viele Arbeitsschritte

Anna Hegi aus Sarmenstorf, Kulturvermittlerin und Kuratorin des Wohler Strohmuseums, zeigte im «Reusspark» das Verarbeiten von Tabakblättern. Hegi fertigte Stumpen an, «was alles andere denn ein Kinderspiel ist», wie sie anmerkte, «aber weniger mühsam als das Herstellen von Zigarren.» Schneiden, pressen, formen rollen, einwickeln und andere Arbeitsschritte mehr sind nötig, damit zu guter Letzt ein Stumpen entsteht. Die Dinger waren durchaus rauchbar. Wer wollte, konnte nämlich einen frisch gerollten Stumpen mitnehmen und ihn draussen in aller Ruhe rauchen.

«Vor allem das Tabakdeckblatt muss schön und unbeschädigt sein», erläutert Anna Hegi. Dieses Deckblatt, das selbstverständlich mitgeraucht wird, verleiht einem Stumpen oder einer Zigarre die optisch wichtige Aussenhülle.

Zigarrenfabrik von 1876 bis 1894

Vor rund 130 Jahren war das ehemalige Kloster Gnadenthal eine Zigarrenfabrikationsstätte. Nach der definitiven Klosteraufhebung durch das Aargauische Kantonsparlament im Jahr 1876 verkaufte der Regierungsrat die Klostergebäude an die Fabrikanten Eschmann und Merhart. Die beiden Unternehmer nutzen die Klosteranlage als Tabak- und Zigarrenfabrik.

Es gibt keinerlei schriftliche Aufzeichnungen über die Zahl der Arbeitsplätze in der Tabakfabrik Gnadenthal und über die Produkte, die hier hergestellt wurden. Mann weiss lediglich, dass die Fabrikation unrentabel war. Daher verkauften Eschmann und Merhart die Gnadenthal-Gebäulichkeiten 1894 an ein gemeinnütziges «Komitee» um Dekan Josef Nietlisbach aus Wohlen. Im gleichen Jahr richtete das «Komitee» in der früheren Klosteranlage ein Pflegeheim ein und legte so den Grundstein des heutigen «Reussparks», des regionalen Zentrums für Pflege und Betreuung.

Im Gegensatz zur Westschweiz und dem Bieler Seeland gibt es in unserer Region kaum noch Betriebe, die Tabakblätter kultivieren. Nebst der Familie Helfenstein in Stetten, die auf rund 40 Aren Tabak anbaut, befasst sich auch ein Betrieb in Sarmenstorf mit der Aufzucht der heiklen Tabakpflanze, die zu den Nachtschattengewächsen gehört.

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