«Erfolg verpflichtet», hält Peter Wipf, Präsident Stiftung Künstlerhaus Boswil, fest.

«Nicht nur die hohe musikalische Qualität des Angebots muss beibehalten werden, höchste Priorität hat auch die Bereitstellung einer zeitgemässen Infrastruktur für die Besucherinnen und Besucher dieses ausserordentlichen Kulturortes.» Der Stiftungsrat sei zuversichtlich, dass die Ausstrahlung und die Attraktivität des Kulturortes Boswil stark genug sind, um die notwendigen Finanzmittel beschaffen zu können.

Neues Foyer geplant

Der Erfolg der Konzerte und die diesbezüglich nicht mehr zeitgemässen räumlichen Verhältnisse machen die Realisierung eines neuen Eingangs- respektive Pausenfoyers notwendig. Im Dialog mit dem Denkmalschutz und dem kantonalen Amt für Archäologie wurde von Architekt Boa Baumann und Musiker Fritz Hauser der seitliche Standort gewählt.

In einem länglichen Baukörper werden alle gewünschten Funktionen integriert. Der Publikumszugang soll über das neue Foyer erfolgen, das in einem geschützten Eingangsbereich die bisher unter prekären Verhältnissen stattfindenden weiteren Dienstleistungen (Kasse, Garderobe, Pausenbar, Zugang sanitäre Anlagen) unterbringt.

Der drei Ebenen (Kirche, Foyer, Toiletten) verbindende Lift erfüllt gleichzeitig alle Anforderungen an die behindertengerechte Erschliessung. Durch das neue Kirchenfoyer wird die Infrastruktur des Konzertraums entlastet.

Auf den in die Kirche eingebauten Windfang sowie den Treppenabgang zu den Toiletten kann künftig verzichtet werden. Dadurch erhöht sich die Publikumskapazität eines der besten Konzertsäle der Schweiz und die Grundform der Kirche wird gleichzeitig wieder hergestellt.

Umbau des Sigristenhauses

Das Sigristenhaus, bestehend aus Wohnhaus, Tenne und Scheune, geht auf die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück und beeindruckt als imposantes, bedeutendes Freiämter Bauernhaus. Das unter Denkmalschutz stehende Haus erfährt an seiner Aussenhaut nur geringfügige Änderungen.

Lediglich die Nordfassade wird komplett neu gestaltet und wieder näher an die wohl ursprünglich geschlos-
sene Holzfassade herangeführt. Den neuen Nutzungsabsichten des Künstlerhauses entsprechend, wird gemäss Vorschlag von Rösch/Furrer SAS-Architekten umfassend saniert, thermisch isoliert und umgebaut.

Im Erdgeschoss des Wohnhauses sind die Büroräumlichkeiten, in den Obergeschossen Gästezimmer untergebracht. Der Charakter der bestehenden historischen Räume wird möglichst belassen. Die neuen Bauteile werden sich sowohl strukturell wie auch optisch klar vom Bestand unterscheiden.

Struktur sichtbar machen

Durch das grosse Tenntor und einen Nebeneingang sind der Saal, die Musikstudios und sämtliche Gästezimmer über das zentrale Treppenhaus erreichbar. Das Treppenhaus durchdringt vom Keller bis zum dritten Obergeschoss den haushohen Luftraum. Das Zentrum des Gebäudes wird optisch freigespielt, die Struktur des ursprünglichen Strohhauses wird sichtbar gemacht.

Multifunktionaler Saal

Der multifunktionale Saal ist über einer neuen Betondecke in Holz erstellt, ebenso die darüber liegenden Musikstudios. Der über zwei Geschosse reichende Saal ist in seiner Grösse variabel: Durch das Öffnen eines zweiflügligen Tores kann die Saalfläche beinahe verdoppelt werden. In geschlossenem Zustand ist der Saal etwa 60 Quadratmeter gross. Auf der Nordseite erweitert sich der Luftraum bis unter den Giebel des Hauses, von wo auch das natürliche Licht den Raum erhellt. Der Saal ist flexibel bespielbar.

Zukünftig wird das Sekretariat im Wohnteil des Sigristenhauses untergebracht. Musikerinnen und Musiker werden in den darüber liegenden Räumen wohnen und arbeiten. Der in der heutigen Scheune neu entstehende Saal wird in der Alltagssituation als Probelokal genutzt. Tenne und Scheune erhalten jedoch durch die Option, den Saal in seiner gesamten Breite zu öffnen, eine erhöhte Nutzungsflexibilität.

Neues und Altes verbinden

Das von der Landschaftsarchitektin Jane Bihr-de Salis vorliegende Konzept der Umgebungsgestaltung verbindet Neues und Altes zu einem Gesamtbild, welches die Lesbarkeit der Geschichte ermöglicht und den aktuellen Bedürfnissen Rechnung trägt. Eine stufenlose Verbindungsachse vom Parkplatz her führt neu von ausserhalb der Mauern direkt ins Herz des Ensembles. Sie dient
zugleich der Zulieferung von Waren und ermöglicht es, den bisherigen talseitigen Zugangsweg zum Künstlerhaus zu schliessen und die Rasenfläche auf der Ostseite auszudehnen.

Zur Bewahrung und Stärkung der atmosphärischen Bescheidenheit des Orts werden gärtnerische Inszenierungen auf den Raum um Pfarr- und Sigristenhaus konzentriert. Die prägende, schlichte Schönheit von Bäumen und Grasflächen auf dem Kirchenhügel wird weitergeführt.

Eine grösstmögliche Wiedereinbettung der Burgruine hinter der Kirche ins Terrain und die Abtragung von nicht authentischen Mauerteilen tragen zur Geschichtsklärung und Grosszügigkeit bei.

Weitere Informationen zu den Plänen finden Sie auf www.kuenstlerhausboswil.ch