Dottikon
Stromsparen wäre so einfach: Dottiker IT-Spezialist zeigt, wie es geht

Von Al Gore persönlich ausgebildet, will Jean-Claude Schneeberger aus Dottikon sein Wissen weitergeben. «Jeder kann leicht etwas für die Umwelt und sein Portemonnaie tun – Viele wissen nur noch nicht wie.» Der IT-Spezialist will es ihnen zeigen.

Andrea Weibel
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Jean-Claude Schneeberger will mit dem Verein "Etwas Tun" den Leuten Tipps geben, wie sie im normalen Alltag sehr viel Energie sparen können, ohne sich dabei einzuschränken.

Jean-Claude Schneeberger will mit dem Verein "Etwas Tun" den Leuten Tipps geben, wie sie im normalen Alltag sehr viel Energie sparen können, ohne sich dabei einzuschränken.

Andrea Weibel

Dass wir etwas gegen die immensen CO2-Mengen tun müssen, ist klar. Aber wie jeder ganz einfach bei sich zu Hause einen Beitrag leisten kann, wissen viele nicht», hält Jean-Claude Schneeberger fest. «Dabei kann man viel Geld sparen, ohne auf Komfort zu verzichten.»

Aus diesem Grund hat er den Verein «EtwasTun» ins Leben gerufen. «Die meisten Teilnehmer des Trainings mit Al Gore in Istanbul wollten auf politischer Ebene etwas ändern», berichtet er. «Das geht mir aber viel zu lange.» Seine Strategie ist es, den Leuten Tipps zu geben, wie sie ihre Haushaltgeräte mit kleinem Aufwand so einstellen oder verbessern können, dass sehr viel Energie gespart werden kann (siehe Box).

Dichtungen, Zeitschalter und ein neuer Duschkopf

Dichtungen, Zeitschaltuhr und ein neuer Duschkopf

Mit seiner vierköpfigen Familie kann Jean-Claude Schneeberger jährlich 1746.40 Franken sparen, indem er den Energieverbrauch drosselt - ohne Komfortverlust. Hier einige Tipps dazu: «Bei der Unterhaltungselektronik sparen wir 120 Franken, indem ich alles an eine Zeitschaltuhr aus dem Baumarkt gekoppelt habe. So sind sie nicht dauernd auf Stand-by.» 250 Franken spart er jährlich bei der Gasheizung, indem er sie richtig eingestellt hat. «Das ist ein Tüfteln und Ausprobieren, aber nach zwei Wochen hat man es.» Bei Kühlschrank, Gefriertruhe und Waschmaschine spart er durch neue Dichtungen oder teilweise auch durch den Kauf von neuen Geräten 26.40 Franken pro Jahr. «Ausserdem sparen Durchflussbegrenzer an den Wasserhähnen und ein Luft ansaugender Duschkopf rund 50 Prozent Warmwasser und somit Energie zum Aufheizen», ist Schneeberger begeistert.

Den weitaus grössten Batzen sparen seine Familie und er aber bei den Fahrzeugen. Bei einer Jahresleistung von rund 20 000 Kilometern spart er bis zu 1350 Franken. «Einerseits geht das durch einen ökologischen Fahrstil. Auf der Autobahn begrenzen wir uns beispielsweise auf 100 km/h, das schont auch das Auto.» Am meisten spart er aber durch die Anschaffung eines E-Bikes. «Meinen Arbeitsweg nach Wildegg lege ich per Auto in 13 Minuten zurück. Mit dem E-Bike brauche ich 18 Minuten, spare etwa 20 Franken pro Tag und tue gleichzeitig etwas für meine Fitness - gibt es etwas Besseres?» (aw)

Schneeberger ist ein Tüftler. Und damit hat auch alles begonnen. «Rund 70 Prozent des Energieverbrauchs einer Bürofirma fällt auf die IT zurück», hält er fest. «Ich besitze zwei IT-Firmen, da haben energiesparende Systeme nicht nur ökologische, sondern auch finanzielle Vorteile.» Er erstellt unter anderem IT-Lösungen für die Hörgerät-Entwicklung, die äusserst leise sein müssen. «Das heisst, dass wir auf Kühlung verzichten müssen, weil die sehr laut ist. Und als wir ein System, das möglichst wenig aufheizt, entwickelt haben, merkten wir, wie viel Energie das sparen kann.»

Das Team um Inhaber Schneeberger fand Gefallen am Gedanken, Energie zu sparen, und entdeckte überall im Büro Möglichkeiten dazu. «Als Erstes hängten wir den Elektroboiler an eine Zeitschaltuhr, so sparen wir täglich umgerechnet fast einen Liter Benzin.» Durch diesen simplen Trick hat es Schneeberger endgültig gepackt. Er will – ganz im Sinne seines Vereinsnamens – etwas tun.

Mit zwei Freunden aus Deutschland als Experten, darunter ein Luftfahrtingenieur, und seinen fünf Angestellten, die sich teilweise während der Arbeitszeit, teilweise ehrenamtlich engagieren wollen, stellt er nun Tipps für jedermann zusammen. «Diese Tipps wollen wir allen zugänglich machen. Mitglieder unseres Vereins haben aber zusätzlich die Möglichkeit, uns persönlich zu sich nach Hause kommen zu lassen, um mit unseren Messgeräten die Stromlecks aufzuspüren und vor Ort zu schliessen.»

Als Kick-Off hat der Verein sich einen Kindergarten in Adligenswil ausgesucht, der unter sehr hohen Stromkosten leidet. «Dort wollen wir im Januar vorbei gehen, um das Stromleck zu stopfen und öffentlich zu beweisen, dass es machbar ist – auch für Laien.» Es ist denkbar, dass sie das Angebot für Schulen oder soziale Institutionen gratis anbieten. Dafür müssen aber erst einige Vereinsmitglieder gefunden werden, die sich ebenfalls einsetzen oder zumindest finanziell mithelfen wollen. «Wir müssen etwas tun, damit auch unsere Kinder auf dieser schönen Erde leben können und nicht bloss unsere Versäumnisse ausbaden müssen», so Schneeberger.