Reusstal/Bünztal

Stromleitung: Bundesrat folgt Regierungsrat beim «Strategische Netz 2025»

archiv/az

Die bestehenden Hochspannungsleitungen im Reusstal.

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Der Planungskorridor wird so erweitert, wie die Aargauer Regierung gewünscht hat. Das, nachdem 2012 die Planung von vorne beginnen musste.

Der Bundesrat hat am Mittwoch das Planungsgebiet für die Übertragungsleitung zwischen dem Unterwerk Niederwil und Obfelden im Sachplan Übertragungsleitungen (SÜL) festgesetzt. Damit können nun die möglichen Leitungskorridore für den Ausbau und den Ersatz der bestehenden, rund 17 Kilometer langen 220-kV-Leitung durch eine 380-kV-Leitung beginnen. Mit seinem Entscheid folgt der Bundesrat der Aargauer Regierung, die im Oktober 2015 den Planungsraum vom Reusstal ins Bünztal erweitert hat.

Die Hochspannungsleitung Niederwil–Obfelden ist Teil des Leitungsbauvorhabens Beznau–Mettlen, das vom Bundesrat 2009 als Teil des strategischen nationalen Übertragungsnetzes festgelegt worden ist. Zudem gehört der Leitungszug auch zu den neun prioritären Leitungsbauvorhaben der Swissgrid für das «Strategische Netz 2025». Sie müssen unabhängig von der Energiestrategie 2050 dringend realisiert werden, um bestehende Netzengpässe zu entschärfen.

Planung schon seit 1992

Der Ersatz der Leitung sollte seit langem realisiert sein. Schon 1992 war das Vorverfahren für die Umweltverträglichkeitsprüfung gestartet worden, und fünf Jahre später hatten sich Kanton und Gemeinden auch über die Trasseeführung geeinigt. Die Rechnung war aber ohne die Bevölkerung im Reusstal gemacht worden. Gegen das Vorhaben gab es insbesondere aus Landwirtschaftskreisen starken Widerstand. Kanalisiert wurde dieser vom Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR). Er kämpfte für eine umweltverträglichere Linienführung und – vor allem – für eine Verkabelung im Boden.

Ganze Übung von vorn 

2012 ging es zurück auf Feld 1. Die Planung begann von vorne. Das Bundesamt für Energie setzte eine aus Vertreterinnen und Vertretern von Behörden und Umweltverbänden zusammengesetzte Begleitgruppe ein. Sie hatte den Auftrag, im neuen Sachplanverfahren mit Kantonen, Behörden, Verbänden und Interessengruppen nach einem gangbaren Weg zu suchen. Damit wollte man eine möglichst hohe Planungssicherheit im späteren Genehmigungsverfahren erhalten.

Diese Planungsgruppe prüfte sieben Teilräume auf ihre Eignung zur Planung der neuen Leitung und empfahl schliesslich das Planungsgebiet im Reusstal festzusetzen. Im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens gab es für den VSLR einen nächsten Erfolg: Der Regierungsrat ging auf einen seiner Vorschläge ein und erweiterte das vorgesehene Planungsgebiet vom Reusstal ins Bünztal. Die Option Bünztal/Oberfreiamt freut die allenfalls betroffenen Gemeinden nicht. Sie haben aber signalisiert, dass sie eine neue Leitung durch ihre Region nicht grundsätzlich ablehnen, sofern diese im Boden verlegt wird. Und genau das ist ja auch Ziel des Vereins Verträgliche Starkstromleitung.

Mit der vom Bundesrat vorgenommenen Festsetzung im Richtplan ist diesbezüglich allerdings noch gar nichts entschieden. In der nächsten Phase werden jetzt innerhalb des Planungskorridors verschiedene Varianten für den Leitungsbau geprüft – Freileitungen und Verkabelungen.

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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