Wohlen

Strom aus Trinkwasser? 20 Haushalte profitieren bald von innovativer Idee

Zwei solche Trinkwasserstollen gibt es im Gebiet Niesenberg. zvg

Zwei solche Trinkwasserstollen gibt es im Gebiet Niesenberg. zvg

Die IBW Technik AG hat die nötigen Baubewilligungen für ein innovatives Projekt erhalten und realisiert in den nächsten Monaten ein Trinkwasserkraftwerk. Die Turbine in einem Wohler Reservoir wird mit Quellwasser vom Niesenberg gespiesen.

Seit über 100 Jahren bezieht Wohlen Trinkwasser vom Osthang des Lindenbergs. Bald wird damit nicht nur der Durst gelöscht, gekocht oder geduscht, sondern auch Strom produziert. Eine Turbine im Wohler Reservoir Bärholz, die mit dem Wasser vom Lindenberg angetrieben wird, soll spätestens im Herbst 2014 in Betrieb genommen werden. Sie produziert jährlich eine Strommenge von rund 60'000 KWh (Kilowattstunden). Das entspricht dem Verbrauch von gegen 20 Haushaltungen.

Bis zu 30 Prozent Quellwasser

Das Wasser wird in mehreren Quellen in Ober- und Unterniesenberg gefasst. Unter anderem in zwei Stollen, die in den Jahren 1894 bis 1898 acht Meter unter der Erdoberfläche in den Sandstein getrieben worden sind.

Heute bezieht Wohlen sein Trinkwasser zu einem grossen Teil aus dem schier unerschöpflichen Grundwasservorkommen im Lenzhard. Die alten Quellen wurden jedoch in den 1990er-Jahren sorgfältig saniert und das Quellwassernetz sogar noch ausgebaut. Dies auch im Sinne einer Notwasserversorgung.

Laut Urs Münger, Geschäftsleiter der IBW Technik AG, können heute zwischen 20 und 30 Prozent des Wohler Jahresbedarfs mit Quellwasser abgedeckt werden. 2012 waren es 28 Prozent, davon stammten 20 Prozent aus den Quellen am Niesenberg, jener beim Entenweiher in Büttikon sowie den Quellfassungen am Anglikerberg. 8 Prozent war überschüssiges Quellwasser aus der Verbundlösung mit Sarmenstorf.

Leitungen sanierungsbedürftig

Den Ausschlag für das Trinkwasserkraftwerk-Projekt gab die bestehende Transportleitung, die vom Niesenberg über Uezwil und Büttikon ins Tal führt. Sie ist über 110 Jahre alt und, auch weil sie aus sprödem Grauguss besteht, leckanfällig. Immer öfter mussten in den letzten Jahren auch dort Teile der Leitung verlegt werden, wo sie durch Baugebiete führt. Weil die Leitung drucklos ist und das Wasser direkt ins Versorgungsnetz gespeist wird, besteht zudem ein gewisses Sicherheitsrisiko bei allfälligen Verschmutzungen.

Jetzt wird die alte Transportleitung durch eine 6,14 Kilometer lange Kunststoffleitung ersetzt.

Wasserdruck wird genützt

Sie führt zu einem grossen Teil über Wege und kaum mehr durch die offene Flur oder durch Baugebiete und soll bis im Frühling fertig sein. Ab der Quelle in Büttikon bis ins Bärholz in Wohlen wird sie doppelt geführt. In der alten Leitung floss das Wasser drucklos nach Wohlen. In der alten Leitung floss das Wasser drucklos nach Wohlen. In der neuen hingegen kann jetzt durch den Höhenunterschied von 120 Metern Druck aufgebaut werden.

Die Brunnstube in Unterniesenberg wird zu einem Wasserschloss umgebaut. Es funktioniert als Ausgleichsbecken, hält den Druck auf 120 Metern konstant und steuert die Leistung der Turbine. Je mehr Quellwasser der Turbine, die im Reservoir im Wohler Bärholz installiert ist, zufliesst, desto grösser ist auch ihre Leistung.

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