Wohlen
Strohmuseum lanciert Designwettbewerb – 61 junge Künstler machen mit

61 junge Künstler aus der ganzen Schweiz machen beim Designwettbewerb des Wohler Strohmuseums mit. Sie wollen nicht nur neue Interpretationsansätze für die Hutgeflechtindustrie finden, sondern auch neue Produkte kreieren.

Jörg Baumann
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Michelle Huwiler und Jurypräsident Christoph Schindler mit einem Musterbuch der Strohindustrie . Jörg Baumann

Michelle Huwiler und Jurypräsident Christoph Schindler mit einem Musterbuch der Strohindustrie . Jörg Baumann

Das Strohmuseum in Wohlen sucht mit einem Designwettbewerb noch unbekannte Talente. Sie sollen die traditionelle Freiämter Hutgeflechtindustrie frisch interpretieren und neue Produkte entwickeln, die sich auf das alte Handwerk beziehen.

Die Idee stösst auf ein grosses Echo: Bis gestern haben sich 61 Personen aus der ganzen Schweiz angemeldet, darunter auch viele Junge. «Unser Museum wird gut besucht. Wir wollen es aber auch den jüngeren Menschen noch näher bringen», sagte die Museumsleiterin Anna Hegi gestern vor den Medien.

Mit der Strohkunst wurde schon im 16. Jh. Geld verdient

Helle Köpfe aus dem Taglöhnerstand entdeckten schon im 16. Jahrhundert, wie man aus Roggenstroh «Gold machen» und Tausenden von Arbeiterinnen und Arbeitern zum täglichen Brot und zu einem bescheidenen Verdienst verhelfen konnte. An diese Tradition knüpft seit 1976 das Strohmuseum in Wohlen an. Dieses befand sich bis im vergangenen Jahr in der ehemaligen Freiämter Bank am Kirchenplatz. Mit dem Umbau der Strohfabrikantenvilla Isler konnte das Museum 2013 mit der Hilfe von potenten Geldgebern höchst attraktive Räume beziehen. Seit der Eröffnung ist es praktisch immer ausgebucht und gehört damit bereits zu den am besten besuchten Kleinmuseen in der Schweiz. (BA)

Keine Grenzen gesetzt

Wer am Designwettbewerb «Prix Paille» teilnimmt, soll seine Fantasie schweifen lassen dürfen: «Die eingereichten Produkte können, müssen aber nicht aus Stroh bestehen», meinte die Historikerin Michelle Huwiler von der Museumsgestaltungsfirma ImRaum (Baden und Wohlen).

Erwünscht sind «zeitgenössische Produkte in einer modernen Funktion», so Huwiler. Die Wettbewerbsjury unter dem Präsidenten Christoph Schindler, Leiter Objektdesign an der Hochschule Luzern, ist offen für alle guten Ideen, die sich unter das Motto «Aufbruch aus der Tradition» einordnen lassen.

So bewertet die Jury ein Strohprodukt genau so unbestechlich wie einen Schmuckgegenstand oder ein Stoffdesign. Alle eingereichten Arbeiten werden anonymisiert, damit sie neutral bewertet werden können.

Als Vorbereitung auf den Wettbewerb lädt das Strohmuseum die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 12. und 15. Juli zu einem Workshop ein.

Diese können die Ausstellung und das Archiv im Strohmuseum besichtigen, sich von der Strohflechterin Ottilia Leemann die Flechttechniken zeigen lassen und an einem Vortrag von Rolf Hellat, Hutdesigner in Zürich, teilnehmen.

Bis zum 31. Juli sollen die Teilnehmer eine Beschreibung ihrer Objekte und die dafür angewendete Technik einreichen. Aus den präsentierten Vorschlägen wählt die Jury bis zum 10. August zwölf Projekte aus, die in die zweite Wettbewerbsrunde kommen.

Die Preisverleihung findet im November 2014 statt. Die drei besten Projekte werden mit 5000, 3000 und 1000 Franken prämiert.

Alle Prototypen, die aus der zweiten Runde hervorgehen, werden ab April 2015 bis Frühling 2016 an der neuen Sonderausstellung im Museumspark präsentiert – in grossen, wettersicheren Überseekisten, wie sie einst in der weltweit tätigen Strohgeflechtindustrie täglich im Einsatz standen. Tradition bleibt eben doch Tradition.