Wohlen
Streitpunkt Asylunterkunft: SVP fährt Gemeinderat Wohlen heftig an den Karren

Die SVP Wohlen-Anglikon will nichts wissen von einer unterirdischen Unterkunft für 80 Asylsuchende in der Kanti Wohlen. Der Gemeinderat sei eingeknickt und habe sich vom Kanton über den Tisch ziehen lassen.

Michael Hunziker
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Jean-Pierre Gallati kritisiert den Gemeinderat Wohlen scharf.

Jean-Pierre Gallati kritisiert den Gemeinderat Wohlen scharf.

Tele M1

80 Asylsuchende will der Kanton ab Mitte Oktober in der Zivilschutzanlage unter der Kanti Wohlen unterbringen. Der Gemeinderat wehrt sich nicht gegen die geplante Unterkunft, ruft die anderen Gemeinden sogar zur Solidarität auf.

Ganz anders die SVP Wohlen-Anglikon. Die Partei fährt grobes Geschütz auf. «Wenn es einen Preis gebe für den dümmsten Gemeinderat im Kanton Aargau, dann müsste sich der Gemeinderat Wohlen dringendst bewerben und hätte grosse Chancen zu gewinnen», sagt Vizepräsident Jean-Pierre Gallati gegenüber dem Fernsehsender Tele M1.

Für ihn steht fest: Der Gemeinderat habe sich vom Kanton – «locker und ohne jede Gegenleistung» – über den Tisch ziehen lassen, habe die Bevölkerung schlicht und einfach verraten. Im Vorfeld sei nicht einmal das Gespräch mit der eigenen Regionalpolizei gesucht worden. «Die Folgeprobleme wurden einfach ausgeblendet.»

Andernorts – Stichwort Bettwil, Bremgarten, Brugg – werde Widerstand geleistet und dann eine Lösung ausgehandelt, fährt Gallati fort. In Wohlen laufe es umgekehrt. Ziehen Asylsuchende unter der Kanti ein, störe dies die Schüler sowie das ganze Quartier.

Sowieso: Die Zivilschutzanlage sei teilweise von der Gemeinde mitfinanziert und für die Schweizer Bevölkerung gebaut worden. Sie dürfe gar nicht für die Unterbringung von Asylsuchenden genutzt werden, ist Gallati überzeugt. «Wir sind gezwungen, unsere politischen Rechte wahrzunehmen.» Die SVP überlege sich jetzt, welche Massnahmen Sinn machen. Unternommen würden alle möglichen politischen Schritte, kündigt Gallati an.

Thematik lässt nicht kalt

Die Aussage, der Gemeinderat habe sich vom Kanton über den Tisch ziehen lassen, sei Blödsinn, sagt Vizeammann Paul Huwiler.

Der Kanton sei auf die Gemeinde zugekommen und es sei der Grundsatzentscheid gefällt worden, zusätzlich 80 Asylsuchende aufzunehmen. Die Zivilschutzanlage sei erstellt worden, um Leute unterzubringen. Laut Huwiler finden derzeit die Verhandlungen zwischen Gemeinderat und Kanton statt. Im Detail geregelt würden die Bereiche Sicherheit oder Betreuung.

In Wohlen gelte es, die Relationen im Auge zu behalten, betont Huwiler. Schliesslich sei die Rede von einem Asylsuchenden auf 1000 Einwohner. Mit Blick auf das Weltgeschehen dürfe die Thematik Asylbewerber und Flüchtlinge nicht kalt lassen.