Gerichtsfall

Streit wegen einer Hecke artet aus: Revolver gezückt oder nur beschimpft?

Zwei Männer schnitten ihre Hecke, dem Dritten passte das nicht.

Zwei Männer schnitten ihre Hecke, dem Dritten passte das nicht.

Zwei Männer haben in Muri im Auftrag eines Hausbesitzers Hecken geschnitten. Das hat einem Mieter nicht gefallen. Er hat die beiden Heckenschneider aufs Übelste beschimpft und zuletzt den einen mit dem geladenen Revolver bedroht. Das sagt die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Die Sache mit dem Revolver ist eine «infame, perfide Lüge», erklärt hingegen der Beschuldigte und sein Anwalt betonte vor dem Bezirksgericht Muri, es gäbe keinen Beweis für die Anklage. Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner wird das Urteil, auf Wunsch der Beklagten, schriftlich eröffnen.

Es war vor zwei Jahren. Ueli und Koni (Namen geändert), zwei Kollegen, waren von einem Hausbesitzer beauftragt, die Hecke bei dessen Haus zu schneiden. Das passte Sepp, der dort zur Miete wohnt, gar nicht. Laut Anklageschrift bezeichnete er Ueli unter anderem als «Hirnamputierter», «blöde Siech» und «Arschloch» sowie Koni als «Schnuderbub» und «Lölibub» und meinte, die beiden sollten «verrecken». Das brachte Sepp schliesslich eine Klage wegen mehrfacher Drohung und Beschimpfung ein.

Sechs Schuss und Finger am Abzug

Es kam aber an diesem Tag gemäss Ankläger noch dicker: Laut Ueli hat Sepp einen mit sechs Schuss geladenen Revolver und dem Finger am Abzug mehrere Minuten auf ihn gerichtet und so «jemanden vorsätzlich, das heisst mit Wissen und Willen, in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr gebracht». Koni rief die Polizei, diese kam und beschlagnahmte den sich in der Jackentasche von Sepp befindlichen geladenen Revolver.

Bei der Befragung durch die Gerichtspräsidentin blieb Ueli bei seiner Aussage: Er habe weder auf die Beschimpfungen noch auf die Bedrohung mit der Waffe gross reagiert. «Es nützt ja doch nichts». Kollege Koni, als Auskunftsperson befragt, erklärte, es sei «schon möglich», dass sie sich gegenseitig beschimpft hätten. Aber als Ueli den Sepp mit Wasser aus einer Tonne bespritzt hat und Sepp die Waffe gezückt haben soll, war Koni um die Hausecke weg. Er habe deshalb nicht gesehen, dass Sepp den Revolver auf seinen Kollegen gerichtet hatte. Er glaubte ihm seine Aussage einfach und rief deshalb die Polizei zu Hilfe.

Der Beschuldigte machte bei der Befragung durch die Gerichtspräsidentin keine weiteren Aussagen. Er sei zwar «ein Freund der freien Rede», machte er klar, doch habe er zu den bisher gemachten und protokollierten Aussagen keine weiteren hinzuzufügen. Die von Ueli und Koni gemachten Behauptungen seien nichts als infame, perfide Lügen. Seit einem Einbruch habe er immer eine geladene Waffe in seiner Jackentasche, das sei ein offenes Geheimnis.

Verteidiger: «Muss von Unschuld ausgehen»

«An jenem Tag hatte ich ungeschickterweise diese Jacke an.» Weshalb die Polizei den Revolver fand, beschlagnahmte und übrigens eine ganze Waffensammlung mitnahm, die aber absolut legal zustande gekommen sei. Der Anwalt von Sepp machte deutlich, dass die Beschimpfungen gegenseitig erfolgt seien und sein Mandant von Ueli zudem aus einer Regentonne mit Wasser bespritzt worden sei.

Die geltend gemachten mehrfachen Drohungen seien strafrechtlich nicht nachweisbar. Auch sei der Beweis nicht möglich, dass Sepp seine Waffe gegen Ueli gerichtet hat. «Keine dritte Person hat das beobachtet, es gibt auch keine Videoaufzeichnung». Deshalb müsse man klar von der Unschuldsvermutung ausgehen.

Ueli und Koni ihrerseits haben von Sepp ein Verfahren wegen Irreführung der Rechtspflege und der Falschaussage angehängt bekommen. Dieses ist noch hängig.

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