Beinwil

Streit um Jobsharing: Verliert Gemeindeschreiberin nach Mutterschaftsurlaub ihre Stelle?

Wer wird hier in Zukunft mit wie vielen Stellenprozenten die Gemeindekanzlei führen?

Wer wird hier in Zukunft mit wie vielen Stellenprozenten die Gemeindekanzlei führen?

Der Gemeinderat Beinwil will die 100-Prozent-Stelle wegen Mutterschaft der Stelleninhaberin allerdings anderweitig vergeben.

Der Gemeinderat Beinwil sucht per Inserat eine neue Gemeindeschreiberin oder einen neuen Gemeindeschreiber, aber die bisherige Amtsinhaberin, Jasmin Koch-Scheuber, hat ihre Stelle nicht gekündigt und es wurde ihr auch nicht gekündigt.

Sie sieht Mutterfreuden entgegen und würde gerne in einem Teilzeitpensum weiterhin als Gemeindeschreiberin, mit entsprechenden organisatorischen und personellen Anpassungen, arbeiten. Der Gemeinderat allerdings wünscht sich die Stellenbesetzung mit einem 100-Prozent-Pensum.

«Ich kann mir die Führung der Gemeindekanzlei, zum Beispiel im Jobsharing oder mit organisatorischer Anpassung, gut vorstellen», sagt Jasmin Koch, die seit sechseinhalb Jahren auf der Gemeindekanzlei Beinwil arbeitet und seit 2018 Nachfolgerin von Erhard Huwyler ist. Sie denkt an ein Pensum von bis zu 60 Prozent.

«Mir gefällt es hier sehr gut, ich kenne die Gemeinde und bin überzeugt, dass ein Teilzeit-Modell funktionieren würde», sagt die zukünftige Mutter. Es ist ihr bewusst, dass solche Lösungen auf Gemeindekanzleien nicht gang und gäbe sind. «Es ist sicher ein gewisses Experiment», räumt sie ein, weiss aber von vereinzelten Gemeinden, die es eingegangen sind. Eine ist Hägglingen: Die Gemeinde weist mit 2414 Einwohnerinnen und Einwohnern eine rund doppelt so grosse Bevölkerung auf wie Beinwil.

Gemeinderat kontert Kritik in der Öffentlichkeit

Der Gemeinderat Beinwil hingegen sieht die Stelle mit einem 100-Prozent-Pensum optimal besetzt. «Wir wollen den Bürgerinnen und Bürgern den bisher bekannten Service weiterhin mit einer Ansprechperson bieten», erklärt Gemeindeammann Albert Betschart.

Der Gemeinderat als Arbeitgeber müsse primär die Interessen der Gemeinde verfolgen, kontert er die in der Öffentlichkeit vorgebrachte Kritik, dass der Rat mit diesem Vorgehen in Sachen familienfreundlicher Personalpolitik nicht gerade zeitgemäss handle. Vehement wehrt er sich gegen geäusserte Behauptungen, der Gemeinderat habe Koch gekündigt. «Bis und mit Mutterschaftsurlaub können wir gar keine Kündigung aussprechen», unterstreicht er.

Die Tür bleibt einen Spalt breit offen

Es ist auch noch nicht in Stein gemeisselt, dass Jasmin Koch ihren Job nach dieser Zeit los ist. «Es ist sehr schwierig, qualifizierte Gemeindeschreiberinnen und Gemeindeschreiber zu finden», erklärt Betschart und lässt damit die Tür grundsätzlich einen Spalt breit offen für eine mögliche Jobsharing-Lösung zusammen mit der heutigen Gemeindeschreiberin.

Der Gemeinderat Beinwil hatte Jasmin Koch 2017 auf dem Berufungsweg als Nachfolgerin von Erhard Huwyler ernannt. Sie war damals seit gut vier Jahren als Gemeindeschreiber- Stellvertreterin in der Gemeindeverwaltung Beinwil tätig, hat den zweijährigen Zertifikatslehrgang Öffentliches Gemeinwesen berufsbegleitend besucht und den Leistungsnachweis mit der Fachkompetenz zur Gemeindeschreiberin erfolgreich bestanden. In der Kanzlei in Beinwil sind heute in sämtlichen Abteilungen ausschliesslich Frauen beschäftigt.

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