Streitpunkt ist die Frage, ob das Areal des Aussenverkaufs an die gesetzlich geregelte Nutzfläche des Coop-Gebäudes angerechnet werden muss oder nicht. Ein Anwohner, der sich auf den Standpunkt stellt, die bewilligte Fläche werde mit dem Aussenverkauf überschritten, hat nun vor dem Aargauer Verwaltungsgericht recht bekommen.

Die Richter urteilten, die Aussenverkaufsfläche müsse bei der Berechnung der Ausnützungsziffer (AZ) mitberücksichtigt werden. Die AZ gibt – vereinfacht ausgedrückt – an, wie gross der Teil eines Grundstücks ist, der überbaut und genutzt werden darf. Gleich hatte im November 2010 bereits der Rechtsdienst des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) entschieden. Der BVU-Rechtsdienst hob damals eine nachträgliche Baubewilligung des Wohler Gemeinderats für den Coop-Aussenverkauf auf. Dagegen wehrte sich
die Coop-Genossenschaft mit einer Beschwerde beim Verwaltungsgericht, die nun abgewiesen wurde.

Gemeinde muss 8000 Franken zahlen

Verloren hat damit nicht nur Coop, sondern auch der Gemeinderat Wohlen. Dieser hatte sich nämlich der Haltung des Grossverteilers angeschlossen und beim Verwaltungs-
gericht beantragt, die Beschwerde von Coop sei gutzuheissen. Mit dem gegenteiligen Urteil aus Aarau wird der Gemeinderat nun aber verpflichtet, die Ausnützungsziffer inklusive Aussenverkauf zu berechnen – was die Behörde bisher nicht tat.

Auch finanziell hat das Urteil des Verwaltungsgerichts Folgen für die unterlegenen Parteien. Coop muss die ganzen Kosten für die Verfahren vor BVU und Verwaltungsgericht tragen, insgesamt 4360 Franken. Ausserdem wurden Coop Basel und der Gemeinderat Wohlen verpflichtet, dem Wohler Anwohner seine Anwaltskosten aus den beiden Beschwerdeverfahren zu bezahlen. Dies ergibt pro Partei einen Betrag von knapp 8000 Franken.

Offen steht Coop und dem Wohler Gemeinderat auch die Möglichkeit, das für sie negative Urteil des Verwaltungsgerichts mit einer öffentlich-rechtlichen Beschwerde beim Bundesgericht in Lausanne anzufechten.

Überdacht und gewerblich genutzt

Damit würde aber lediglich beurteilt, ob der Entscheid des Verwaltungsgerichts Bundesrecht, Völkerrecht, kantonale verfassungsmässige Rechte oder interkantonales Recht verletzt. Inhaltlich dürfte sich am Entscheid aus Aarau allerdings kaum mehr etwas ändern, auch wenn Coop oder der Gemeinderat Wohlen ans Bundesgericht gelangen sollten.

Das Verwaltungsgericht begründet sein Urteil, wonach die Fläche des Coop-Aussenverkaufs bei der AZ-Berechnung zu berücksichtigen sei, im Wesentlichen mit zwei Aspekten. Erstens sei der Bereich überdacht und damit als Teil des Gebäudes zu betrachten. Zudem diene der Aussenverkauf dem Gewerbe und sei fester Bestandteil des Verkaufsraums.