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Feuerwehrleute wegen Unwettern im Dauereinsatz: Wir fragten, wie es ihnen geht

Das anhaltend schlechte Wetter schlägt nicht nur aufs Gemüt, durch die ständige Hochwassergefahr sind die Feuerwehrleute in der Region in Daueralarmbereitschaft. Höchste Zeit, da mal nachzufragen, wie es ihnen geht – und danke zu sagen.

Sharina Frey/ArgoviaToday
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Feuerwehr Bremgarten und Werkhof installieren in der Unterstadt wieder die Schutzwände gegen das Hochwasser. (13.Juli 2021)

Feuerwehr Bremgarten und Werkhof installieren in der Unterstadt wieder die Schutzwände gegen das Hochwasser. (13.Juli 2021)

Mzm

Eines vorweg: Ja, es kam nicht so schlimm wie befürchtet – noch nicht. Das Argovialand wurde von den grossen Fluten vorerst verschont. Die Feuerwehren in der Region mussten aber trotzdem einsatzbereit bleiben. «Das geht schon an die Substanz. Auch bei der Planung, weil man ja schauen muss, dass nicht immer dieselben im Einsatz sind. Aber die Verfügbarkeit hängt auch von den Jobs meiner Leute ab», sagt uns Daniel Walser, Vize-Kommandant der Feuerwehr Stadt Bremgarten.

Feuerwehrleute sind auch immer noch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Familienväter und -mütter, Freunde und Freundinnen, Privatpersonen. Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen ihr eigenes Leben für das von Fremden hinten anstellen. Das bestätigt auch der Kommandant der Feuerwehr Mittleres Wynental, Andi Bösiger:

«Das Familienleben wird in solchen Zeiten zweitrangig.»

Und weiter: «Immer wieder müssen wir unseren Familien sagen: Heute kann ich nichts unternehmen, weil ich vielleicht für die Feuerwehr rausmuss», bestätigt auch der Kommandant der Feuerwehr Mittleres Wynental, Andi Bösiger.

«Wir sind alle motiviert»

Dennoch bestätigen uns beide Feuerwehren, dass die Motivation ihrer Truppen ungebrochen ist. «Meine Leute sind selbstlos und leisten ihren Feuerwehrdienst aus Überzeugung. Dass es aktuell zu vielen Einsätzen kommt und man in Daueralarmbereitschaft ist, wirkt eher motivierend. Denn: wir wollen helfen!», so Andi Bösiger. Und auf die Frage, ob denn nach dieser Zeit viele ihrer Feuerwehr den Rücken kehren werden, gibt es eine klare Antwort aus Bremgarten: «Die Gefahr besteht immer, wenn man so oft durch die Feuerwehr absorbiert wird. Aber ich mache mir bei meinen Leuten keine grossen Sorgen – ihr oberstes Ziel ist es, für die Bevölkerung da zu sein. Deshalb sind sie zur Feuerwehr gekommen.»

Schon Anfang der Woche hat sich die Feuerwehr Stadt Bremgarten auf das Schlimmste vorbereitet.

Schon Anfang der Woche hat sich die Feuerwehr Stadt Bremgarten auf das Schlimmste vorbereitet.

TeleM1

Die Dankbarkeit ist gross – aber es gibt schwarze Schafe

Im Gegenzug bekommen die Heldinnen und Helden des Alltags den Rücken durch die Bevölkerung gestärkt. «Es ist wirklich schön zu sehen, wie dankbar die Menschen sind. Immer wieder bekommen wir Kaffee, ein Znüni oder sogar mal etwas für die Kaffeekasse. Und die Menschen wollen mithelfen. Man merkt, sobald wir auf Platz sind, sind die Leute einfach froh, weil sie durchatmen können», sagt Andi Bösiger. Daniel Walser ergänzt aus Bremgartner Sicht: «Es kommt immer wieder vor, dass die Bevölkerung helfen will. Im Speziellen in der aktuellen Situation. Beim letzten Einsatz haben Privatpersonen mitgeholfen und das Material für uns getragen. Wir haben einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung.»

Es gebe aber auch durchaus schwarze Schafe, so Walser: «Vereinzelt gibt es schon solche, die nicht verstehen, warum wir gewisse Gebiete absperren müssen, die möglichst an vorderster Front gaffen wollen und nicht einsehen, wie gefährlich es ist.» Ein Gros der Leute sei aber einfach dankbar, bestätigen sowohl die Wynentaler als auch die Bremgartner.

Egal ob Feuer, Büsi oder Wassermassen – sie sind bereit

Für Donnerstagabend sind beide Feuerwehren gerüstet. Egal, ob es gilt, die Region vor einem kleinen Aarezufluss wie der Wyna oder vor der massigen Reuss zu beschützen: Auf unsere Feuerwehren können wir bauen. «Seit ich bei der Feuerwehr bin, bin ich begeistert von der Vielseitigkeit. Brennt es? Steckt euer Büsi in einem Baum? Sollen wir die Liegenschaft vor den Wassermassen schützen? Wir sind da!», schwärmt Daniel Walser.

Bleibt also nur zu sagen: Danke für euren Einsatz!