Wohlen

«Still und heimlich gekommen – so gehen wir auch wieder»: Ära Brun im Wohler «Rössli» geht zu Ende

Verlassen das «Rössli»: Küchenchefin Rita Camenzind, die Pächter Madeleine und Herbert Brun.

Verlassen das «Rössli»: Küchenchefin Rita Camenzind, die Pächter Madeleine und Herbert Brun.

Die Pächter des beliebten Gilde-Gasthofs wirten am nächsten Sonntag zum letzten Mal. Knapp 25 Jahre prägten sie das Wohler «Rössli», nun gehen Herbert und Madeleine Brun in Pension. Eine grosse Abschiedsparty wird es trotz vielen lieb gewonnenen Stammgästen nicht geben.

Die Titelschrift auf dem laminierten A4-Zettel auf einem Tisch der «Rössli»-Terrasse bringt es auf den Punkt. «Time to say goodbye» steht dort. Knapp 25 Jahre oder fast ein Vierteljahrhundert wirteten Herbert und Madeleine Brun als Pächter des Gasthof Rössli in Wohlen. Nun ist der Zeit des ­Abschieds gekommen. Am 19. Juli, nächsten Sonntag, geht für die beiden 64-Jährigen mit der Pension ein Lebensabschnitt zu Ende. Gleichzeitig ist es auch das Ende der dienstältesten Wohler Wirtefamilie.

Die Reaktionen darauf seien überwältigend. «Wir haben mittlerweile einen ganzen Korb voller Dankeskarten und Briefe erhalten. Das ist einerseits schön, aber auch traurig», sagt Brun. Er zeigt zwei der handschriftlich geschriebenen Karten. Ein Ehepaar schreibt: «Danke für Ihre Gastfreundschaft, die wir immer erleben durften. Danke an die Küche, die unsere Änderungen immer umsetzte.»

Besonders rührend sind die Zeilen, die eine Familie den Bruns schreibt: «Alles hat angefangen mit Tränen, weil wir plötzlich keinen Koch für unsere Hochzeit hatten. Eigentlich waren auch Sie auch ausgebucht, aber Ihr Herz war stärker, zu unserem Glück.» Solche Momen­te haben dem «Rössli»-­Team immer wieder Kraft gegeben.

«Wir hatten immer sehr Freude an Gastronomie»

Die jahrelange Treue und Unterstützung der Gäste habe durch gute und weniger gute Zeiten geholfen. «Wir hatten immer sehr Freude an der Gastronomie und sind froh, dass wir überlebt haben», sagt Herbert Brun. Schwierige Phasen hat es immer wieder gegeben. Beispielsweise die Einführung der 0,5-Promille-Grenze oder des Rauchverbots, die Finanzkrise oder gerade aktuell die Coronapandemie.

Der gelernte Metzger machte sich zusammen mit seiner Frau 1996 mit der Übernahme des «Rössli» selbstständig. ­Zuvor waren beide in einem Seehotel in Weggis tätig. Stammgäste aus Wohlen hätten sie damals auf das «Rössli» aufmerksam gemacht. «Wir wollten mit unseren Kindern sesshaft werden und entschieden uns so für Wohlen», blickt Brun zurück.

Eine grosse Abschiedsparty wird es am nächsten Sonntag aber nicht geben. «Wir sind damals still und heimlich gekommen und so gehen wir auch wieder. Wir hatten eine wunderbare Zeit mit einer grossen Stammkundschaft aus dem ganzen Aargau, bei der wir uns einfach herzlich bedanken möchten», sagt Herbert Brun.

2011 wurde das «Rössli» in die Gilde aufgenommen

Mit dem Ehepaar Brun verlässt auch Küchenchefin Rita Camenzind den Betrieb, die in den letzten 12 Jahren amtierte und jetzt eine neue Herausforderung sucht. Auch dank Camenzinds Künsten wurde das «Rössli» 2011 in die Gilde aufgenommen, damit ist nun aber wieder Schluss. «Ich habe noch nie jemanden mit so viel Einsatz erlebt», lobt Brun seine Küchenchefin.

Stolz ist er auch, dass man viele Lehrlinge habe ausbilden können. Er schätzt, dass es gegen zehn Auszubildende waren, die im «Rössli» das Kochhandwerk erlernen durften. Nebst dem Gasthof führten die Bruns auch ein Catering, einen täglichen Mahlzeitendienst und beschäftigten bis zu zwölf Angestellte.

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