Die Elektra Geltwil rüstet die Haushalte flächendeckend mit Smart Meter, dem intelligenten Strommesssystem, aus. Speziell daran ist, dass die Kosten für die Zähler, rund 35'000 Franken, durch die Stiftung Naturenergie Dr. Franz Käppeli übernommen werden. Damit hat die Elektra nur noch rund 60'000 Franken selber zu tragen.

Die Stiftung hat in den letzten Jahren in Geltwil schon gegen zwei Millionen Franken als Anstossfinanzierung für zahlreiche energetische Haussanierungen, für den Ersatz von Ölheizungen durch Wärmepumpen und für den Bau von Photovoltaikanlagen freigegeben.

Früher dran als verlangt

Smart Meter bieten mehr als Fernauslesung des Stromverbrauchs. Diese intelligenten Messsysteme können gemäss Stromversorgungsverordnung neben Wirk- auch Blindenergie sowie den zeitlichen Verlauf der abgenommenen Leistung erfassen und speichern, verfügen über bidirektionale Schnittstellen (Datenaustausch) für Endverbraucher und Stromversorger und erfassen und protokollieren Unterbrüche der Stromversorgung usw. Bis Ende 2027 müssen 80 Prozent aller Messeinrichtungen in einem Netzgebiet auf Smart Meter umgerüstet sein. So verlangt es die vom Volk beschlossene Energiestrategie 2050. «Wir sind jetzt eben etwas früher», sagt Albert Betschart, Geschäftsführer der Elektra Geltwil. Das hat seinen Grund: Das System kostet für Geltwil total 100'000 Franken; davon übernimmt die Stiftung von Käppeli rund 35'000 Franken. So viel kosten die in den Haushaltungen zu montierenden modernen Messgeräte. «Die Generalversammlung liess sich ausführlich informieren und begrüsste die Umrüstung einstimmig», unterstreicht Betschart. Allfälligen Bedenken, dass die Geltwilerinnen und Geltwiler nun «gläsern» werden, begegnet er mit dem Argument, dass ausschliesslich die Tarife ausgelesen werden und das auch nur alle drei Monate. Die Montage der neuen Zähler wird Ende Monat erfolgen.

Daten aus dem Einsatz von Mess-, Steuer und Regelsystem dürfen von den Netzbetreibern ohne Einwilligung der betreffenden Personen nicht beliebig verwendet werden, sondern vereinfacht gesagt nur für die Messung und Steuerung , für den Einsatz von Tarifsystemen und für den sicheren sowie effizienten Netzbetrieb und die Netzplanung.

Beinwil hat schon

Die Elektra Geltwil ist zwar früh dran mit der gesetzlich vorgeschriebenen Umrüstung, aber längst nicht allein. Andere Stromanbieter installieren Smart Meter kontinuierlich, entweder bei Neubauten oder bei Erneuerungen bestehender Anschlüsse. Die Nachbargemeinde Beinwil setzt, inklusive alle Weiler, seit etwa einem Jahr flächendecken Smart Meter ein. «Das funktioniert tadellos», stellt Betschart fest. Fernauslesung gibt es auch in anderen Bereichen: So hat beispielsweise die Wasserversorgungs-Genossenschaft Muri bereits 2009 das letzte Funkmodul eingebaut, um das Ablesen des Wasserverbrauchs in wenigen Tagen flächendeckend zu bewerkstelligen.

Umstritten ist die Strahlenbelastung durch Smart Meter. Während Baubiologen und kritische Ärzte vor einer starken Strahlenbelastung durch die Geräte warnen, stellte der Bundesrat in der Beantwortung einer Interpellation der Grünen Yvonne Gilli 2012 fest: «Die Strahlenbelastung ist nach heutiger Abschätzung gering. Zudem kommunizieren Smart Meters die Daten nicht kontinuierlich, sondern zum Beispiel nur ein Mal pro Tag. Die zusätzliche elektromagnetische Belastung ist also schon dadurch stark limitiert. Dementsprechend sieht der Bundesrat gegenwärtig keine flankierenden Massnahmen vor.»