Tägerig

Steuerfuss liegt neu bei 127 Prozent – der Gemeinderat soll Fusionsabklärungen vornehmen

Ein entschlacktes Budget vorgelegt: Gemeindeammann Beat Nietlispach, Gemeinderat Christian Vogel und Gemeindeschreiber Rolf Meier an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung in Tägerig.

Ein entschlacktes Budget vorgelegt: Gemeindeammann Beat Nietlispach, Gemeinderat Christian Vogel und Gemeindeschreiber Rolf Meier an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung in Tägerig.

Eine ausserordentliche Gemeindeversammlung hat in Tägerig den Steuerfuss auf 127 Prozent angehoben. Sie fordert zudem Fusionsabklärungen seitens des Gemeinderates.

Mit der Stimmung in Tägerig steht es nicht zum Besten. Am 26. November 2019 lehnte der Souverän den Voranschlag 2020 der Einwohnergemeinde mit 78 zu 63 ab. Die öffentliche Hand kämpft um das finanzielle Überleben. Zwar hat die ausserordentliche Einwohner-Gemeindeversammlung vom Donnerstag, an der sich 109 der 933 Stimmberechtigten beteiligten, dem Budget 2020 nun im zweiten Anlauf zugestimmt, aber der Grundtenor an der Versammlung lautete: "So kann es nicht weitergehen. Es muss eine Lösung her - am besten die Fusion mit einer Nachbargemeinde."

«Nicht zu viele Ausgaben, sondern zu wenig Einnahmen»

Charly Suter, ehemaliger Gemeindeammann und langjähriger Präsident der SP Tägerig, brachte die Situation auf den Punkt: «Die Gemeinde hat nicht zu viele Ausgaben, sondern zu wenig Einnahmen.» Im Rahmen der Budgetdiskussion zeichneten verschiedene Votantinnen und Votanten den gleichen Weg aus der Misere, nämlich den Zusammenschluss mit einer Nachbargemeinde. Denn ein Alleingang von Tägerig sei in Zukunft ein schier unmögliches Unterfangen.

«Es ist jetzt an der Zeit, den Gemeinderat mit Fusionsabklärungen zu betrauen, und ich stelle hiermit den entsprechenden Antrag. Die Richtung ist klar: Mellingen steht im Fokus», so Charly Suter. Dessen Begehren wurde von der Versammlung mit grossem Mehr und ohne Gegenstimme gutgeheissen. Der Gemeinderat nahm den Auftrag entgegen, einen allfälligen Zusammenschluss in der Nachbarschaft abzuklären und dann Bericht zu erstatten, sagte Gemeindeammann Nietlispach. «Wir sind in keiner einfachen Lage und gespannt, wo die Reise hinführt.»

«Ich bin gefrustet, genervt und besorgt»

Eine Versammlungsteilnehmerin führte aus: «Ein hoher Steuerfuss bedeutet weniger Neuzuzüger. Mehr noch, es ziehen sogar Leute aus der Gemeinde weg. Ich liess kürzlich mein Haus schätzen. Das Resultat - eine Minderbewertung der Liegenschaft - ist ernüchternd, weil Tägerig eine schlechte Infrastruktur hat und einen hohen Steuerfuss. Das kommt halt nicht gut an. Ich bin gefrustet, genervt und besorgt.» Die Rednerin betonte weiter: «Es gibt nur eine Lösung für die Gemeinde, den Zusammenschluss mit Mellingen.»

«Uns ist klar, dass der Gemeinderat eine schwierige Aufgabe hat und sich bemüht, Einsparungen zu machen. Aber was ist mit den Einnahmen?», fragte ein Stimmberechtigter. Dazu der Gemeindeammann: «Ja, woher die Einnahmen? Das ist bei uns die grosse Frage. Wir thematisieren im Rat das Einnahmenproblem seit Jahren und müssen eingestehen, dass die Gemeinde im Zuge des Wachstums vielleicht die Industriezone ein wenig vernachlässigt hat.»

Resultat der Einsparungen sind 75'010 Franken

Nichtsdestotrotz hatte sich die Gemeindeversammlung mit dem überarbeiteten Budget 2020 zu befassen, welches von Gemeinderat Christian Vogel präsentiert wurde. Es werde an der Steuerfusserhöhung von 122 auf 127 Prozent festgehalten, betonte der Ressortverantwortliche. Wo immer möglich seien die Budgetposten auf ein vertretbares Minimum gekürzt worden. Das Resultat der Einsparungen in der neu vorgelegten Version: 75'010 Franken.

«Die 737'000 Franken Finanzausgleich für das Jahr 2020 bedeuten für Tägerig einen um 200'000 Franken höheren Beitrag, als im Vorjahr», führte Gemeindeschreiber Rolf Meier aus. Dazu käme der Ergänzungsbeitrag von 117'000 Franken, sofern der Steuerfuss der Gemeinde um 25 Prozent über dem Kantonsmittel liege. Er sieht ein wenig Morgenrot am Finanzhorizont durch neue Steuerzahler, weil in nächster Zeit im Dorf eine Überbauung mit 85 Wohneinheiten geplant sei, ohne dass die Gemeinde namhafte Investitionen tätigen müsse.

Im Bericht der Finanzkommission hielt Präsident Christian Bertschinger fest, dass der Voranschlag nun keine Reserven mehr enthalte. «Auf dem Papier sind die Zahlen ausgeglichen, aber der Gemeinderat ist dennoch zum Sparen verpflichtet.» Demgegenüber sei nicht von der Hand zu weisen, dass der Gemeindehaushalt von grossen, festen Ausgaben enorm belastet werde, die nicht beeinflusst werden könnten, so der Präsident.

Mit 68 Ja gegen 36 Nein genehmigte die Gemeindeversammlung das Budget 2020 mit einem Steuerfuss von neu 127 (bisher 122) Prozent und folgte damit dem Antrag der Finanzkommission.

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