Für die Tägliger Steuerzahler ändert sich nicht viel. Sie müssen wie bisher alljährlich zum gleichen Zeitpunkt ihre «heissgeliebte» Steuerklärung abgeben und pünktlich zum festgesetzten Termin ihren Obulus an Gemeinde und Kanton sowie allenfalls noch an die Kirchgemeinde entrichten.

«Die meisten Probleme zwischen Steuerverwaltung und Steuerzahler lassen sich heute via Telefon oder Internet lösen, am Kundenschalter wird heute nurmehr wenig besprochen», ist der Tägliger Gemeindeschreiber Rolf Meier überzeugt. So dürfte es für die Tägliger Bevölkerung auch nach Meinung von Gemeindeammann Matthias Moser kaum Nachteile haben, wenn die Steuerverwaltung nicht mehr im eigenen Gemeindehaus arbeitet, sondern im benachbarten Reussstädtchen Mellingen.

Die Tägliger Behörde sieht in der Zusammenarbeit, die per 2015 für vorerst 5 Jahre Laufzeit vereinbart worden ist, nur Vorteile: «Nach der Pensionierung von Beatrice Hächler ist es auf unserem Steueramt vorerst nicht mehr ganz rund gelaufen. Vor allem auch wegen gesundheitlicher Probleme vermochte die Nachfolgerin den Pendenzenberg nicht immer ganz abzutragen.» Die Lage hat sich dank verschiedener Massnahmen inzwischen entspannt, aber die Einsicht ist geblieben: «Es ist aufgrund der fachlichen Anforderungen und der zeitweise hohen Belastung heute kaum mehr möglich, dass eine Einzelperson ein Steueramt führt», gibt sich Moser überzeugt. Das nicht zuletzt auch deshalb, weil auf dem Markt die geeigneten Fachkräfte ziemlich rar sind.

Drei Varianten geprüft

In Tägerig wurden in der Folge drei Varianten geprüft: Status quo mit weiterhin einem eigenen Steueramt, Auslagerung an eine spezialisierte Firma oder Zusammenarbeit mit einer Nachbargemeinde. Die Varianten 1 und 2 wurden nach seriöser Prüfung bald fallen gelassen und in Mellingen bald der geeignete Partner für die angestrebte Zusammenarbeit gefunden.

«Mellingen ist für uns die ideale Lösung, weil wir die Leute dort aufgrund der Zusammenarbeit in anderen Bereichen – Abwasser, Feuerwehr, Schule, Zivilstandsamt – bereits kennen und die Stadt über bestens qualifiziertes Personal verfügt», erklärte Gemeindeammann Matthias Moser.

Mellingen seinerseits begrüsst die neue Lösung: «Wir haben nicht proaktiv geworben, sind jedoch schon länger für eine Regionale Lösung offen. Die Anfrage von Tägerig war uns sehr willkommen», sagte der Gemeindeammann der Stadt Mellingen, Bruno Gretener. Dabei, erklärte er weiter, gehe es nicht darum, das bestehende Steueramt – zurzeit 240 Stellenprozente – auszulasten: «Unsere Leute haben genügend Arbeit und wir befassten uns schon vor der mit Tägerig vereinbarten Zusammenarbeit mit einer personellen Aufstockung.»

Mit dem Ausbau, sagte Gretener weiter, werde die Arbeit auf dem Steueramt jedoch für die Mitarbeiter noch vielseitiger und attraktiver und für attraktive Arbeitsplätze sei es erfahrungsgemäss einfacher, gut qualifiziertes Personal zu finden.

Tägerig spart Kosten

Obwohl Mellingen die Dienstleistung günstig, aber nicht gratis erbringt (siehe Kasten), kann Tägerig mit der Auslagerung des Steueramtes Kosten optimieren. Der Obolus, den sie künftig an die Nachbargemeinde entrichten muss, ist tiefer als die Einsparung der bisherigen Stelle für die Steuerverwaltung. Möglich ist weiter, dass Mellingen die Angestellte, welche bisher das Steueramt temporär geführt hat, für die geplante Aufstockung übernimmt.