«Der Flugverkehr über unserer Gegend ist heute wieder riesig und der Lärm stört uns sehr. Ich verlange, dass Sie diese Fliegerei per sofort abstellen.» – Kein Witz, sondern ein Anruf, wie ihn die Regionalpolizei Wohlen kürzlich entgegennehmen musste.

«Wir konnten dem Mann nicht helfen und haben ihn an die Flugüberwachung in Zürich verwiesen», sagt Repol-Chef Marco Veil. Solche und ähnliche Anrufe gäbe es zwar noch relativ selten, aber sie nähmen zu. Zudem werde, nicht zuletzt auch wegen der steigenden Intoleranz in der Bevölkerung, heute relativ schnell die Polizei gerufen. «Oft müssen wir dann vor Ort feststellen, dass wir aufgrund der Rechtslage für die Angelegenheit gar nicht zuständig sind. Solche Fälle machen mittlerweile fast 10 % unserer Arbeit aus», hält Veil weiter fest.

Erneut deutlich mehr Einsätze

Arbeit hätte die Repol auch sonst genug und gelegentlich läuft sie sogar am Limit: «Wir mussten wegen Personal-Fluktuationen und gesundheitlich bedingten Ausfällen im vergangenen Jahr längere Zeit mit einem Unterbestand leben. Deshalb konnte die Patrouillenfrequenz nicht auf den gewünschten Stand gebracht werden», hält der Repol-Chef in seinem Jahresrückblick fest, der im Geschäftsbericht der Gemeinde Wohlen nachzulesen ist.

Die Repol hat im vergangenen Jahr 1647 Einsätze geleistet, 85 mehr als 2016. Den grössten Anstieg gab es bei den Verkehrsunfällen, deren Anteil auf knapp 22 % Prozent (Vorjahr: 17,3 %) gestiegen ist. Das habe unter anderem auch mit dem vermehrten Aufgebot durch die Kantonale Notrufzentrale zu tun: «Die Kantonspolizei hat wegen der Verlagerung der Einsatzschwerpunkte oft längere Anfahrtswege und deshalb leisten wir vielfach den Ersteinsatz, weil unsere Patrouillen ja meist in der Nähe und deshalb schnell vor Ort sind», erklärt Marco Veil.

Region ist weiter gewachsen

Mitverantwortlich für die steigenden Einsätze ist auch die Bevölkerungsentwicklung. In den acht Repol-Gemeinden (Büttikon, Dintikon, Dottikon, Hägglingen, Uezwil, Villmergen, Waltenschwil und Wohlen) lebten Ende 2017 mit 36 251 Personen heute knapp 4500 Menschen mehr als 2010, das entspricht einer Bevölkerungszunahme von über 10 % in sieben Jahren. Die Repol werde auch vermehrt bei medizinischen Notfällen aufgeboten: «Alle unsere Dienstfahrzeuge sind mit Defibrillatoren ausgerüstet und die Mitarbeitenden entsprechend geschult. Wir haben so auch im letzten Jahr vereinzelt Sofortmassnahmen treffen können, weil wir sehr schnell vor Ort und richtig ausgerüstet waren», sagt er.

Einschleichdiebe erwischt

Mehr zu tun hatte die Repol auch im Bereich des verdächtigen Verhaltens. «Die Bevölkerung ist aufmerksam und meldet uns vermehrt verdächtige Fahrzeuge oder Personen im Quartier. Obwohl wir über eine rasche Interventionszeit verfügen, treffen wir in den meisten Fällen die verdächtigen Personen aber nicht mehr an», sagt Marco Veil. Einen speziellen Fall konnte er im Jahresbericht erwähnen: «Aus einem Altersheim wurde verdächtiges Verhalten von fremden Personen gemeldet. Eine Patrouille, die in der Nähe eine Verkehrskontrolle durchführte, konnte die beschriebenen Personen anhalten, und wie sich dann zeigte, hatten diese Leute zuvor Einschleichdiebstähle begangen.»

Immer stärker belastet wird die Regionalpolizei auch im administrativen Bereich. 1304 Geschäfte mussten im Auftrag von anderen Amtsstellen 2017 ausgeführt werden, im Jahr zuvor waren es 1154. Den höchsten Anteil hatte dabei mit 31 % die Zustellung von Dokumenten der Betreibungsämter, weitere «Kunden» waren – unter anderem – das Bezirksgericht sowie das Strassenverkehrsamt.

Braucht die Regionalpolizei mittelfristig mehr Personal, um ihre Aufgabe noch erfüllen zu können? Repol-Chef Marco Veil drückt sich vorsichtig aus: «Mit optimalem Ressourceneinsatz versuchen wir mit dem aktuellen Personalbestand, unsere Aufgaben bestmöglich wahrzunehmen. Wenn es Ausfälle gibt, wie im vergangenen Jahr, oder wenn zusätzliche Aufgaben dazukommen, wird es eng.»

Gute Zusammenarbeit mit Kapo

Inwiefern hängt die zunehmende Belastung der Regionalpolizei mit den Konzeptänderungen bei der Kantonspolizei zusammen? Auch hier bleibt Veil diplomatisch: «Die Kantonspolizei im Aargau ist genauso wenig überdotiert wie die Regionalpolizeien. Wir helfen einander aus, wo immer es möglich ist.»

Und was passiert in Zukunft, wenn mit dem Polizei-Konzept 2020 der Kantonspolizeiposten in Wohlen aufgehoben und die Kapo für das Freiamt in Muri konzentriert wird? Muss da die Repol in die Lücke springen? «Ich nehme nicht an, dass wir dann weniger zu tun haben», sagt der Repol-Chef trocken. Doch: «In Muri wird es ab 2020 einen grossen Stützpunkt mit 29 Leuten geben, und die Kantonspolizei wird ihre Patrouillentätigkeit erhöhen.»